Naturschützer rufen zur Vogelzählung auf

Naturschützer rufen zur Vogelzählung auf

Von Katja Goebel

Naturschützer sind seit langem alarmiert, weil Feldvögel stark bedroht sind. Auch mancher Gartenvogel macht sich nun rar. Eine Vogelzählung für jedermann soll Gewissheit bringen.

Vogelkundler beobachten Vogelschwarm

Zweimal im Jahr ruft der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) dazu auf, eine Stunde lang Vögel zu zählen. Am Wochenende (12. bis 14. Mai 2017) ist es wieder so weit. Danach könnte sich bestätigen, was sich bereits bei der letzten Zählung im vergangenen Winter abzeichnete: Die Zahl einiger heimischer Gartenvögel hat drastisch abgenommen.

Zweimal im Jahr ruft der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) dazu auf, eine Stunde lang Vögel zu zählen. Am Wochenende (12. bis 14. Mai 2017) ist es wieder so weit. Danach könnte sich bestätigen, was sich bereits bei der letzten Zählung im vergangenen Winter abzeichnete: Die Zahl einiger heimischer Gartenvögel hat drastisch abgenommen.

Bei der letzten landesweiten Zählung wurde vor allem ein Gartenvogel häufig vermisst: die Meise. Bei den Kohl-und Blaumeisen ging der Bestand laut letzter Zählung um fast 50 Prozent zurück. Die Vogelexperten des Nabu erklären sich dies mit den schlechten Bruterfolgen einiger Arten. Das Frühjahr war außergewöhnlich nass und zu kalt, viele Küken sind erfroren.

Leider gebe es auch in diesem Jahr bereits wieder Hinweise darauf, dass aufgrund der kühlen Witterung im April und Anfang Mai die brütenden Vögel erneut nicht genügend Nahrung für ihre Brut finden. "Viele Jungvögel verhungern gerade in den Nestern, weil zu wenig Raupen oder andere Insekten zu finden sind oder erfrieren, ähnlich wie im Frühjahr 2016", so Kowalski.

Seit Jahren schon nehmen auch die Bestände typischer Vögel der offenen Felder und Wiesen immer schneller ab. Das bestätigte nun die Bundesregierung auf Anfrage der Grünen. Die immer intensivere Landwirtschaft lässt selbst den früher fast überall anzutreffenden Arten keinen Raum mehr zum Leben. Zu den Verlierern der derzeitigen Agrarpolitik gehöre zum Beispiel die Feldlerche.

Intensive Bodennutzung, Überdüngung und eine Art Monokultur auf den Feldern macht es auch dem Rebhuhn schwer, zu überleben. Laut Naturschutzbund ist der ehemals typische Agrarvogel heute nahezu ausgerottet. Die Naturschützer fordern deshalb, Agrarsubventionen künftig naturverträglich zu verteilen. Nur so könne laut Nabu auch die Vogelwelt gerettet werden.

Die Gründe für den Rückgang der Tiere sind vielfältig: Wo keine Wildkräuter wachsen, wo es kaum noch Insekten gibt, weil immer häufiger Pestizide zum Einsatz kommen, findet das Rebhuhn zu wenig Nahrung für sich und seine Küken. Die Großmaschinen der industriellen Landwirtschaft zerstören außerdem die Rückzugsgebiete des Bodenbrüters. Es gibt heute fast keine ungenutzten Brachflächen oder Feldraine (ungenutzte Saumstreifen, die landwirtschaftliche Flächen begrenzen) mehr.

Auch deshalb sei die Vogelzählung so wichtig, erklärt der Naturschutzbund. Die erhobenen Daten liefern wichtige Informationen darüber, wie es den verschiedenen Vogelarten geht und wo gehandelt werden muss. Und so geht´s: Von einem ruhigen Plätzchen aus wird von jeder Vogelart die höchste Anzahl notiert, die im Laufe einer Stunde entdeckt werden kann. Die Beobachtungen können dem Nabu einfach online gemeldet werden. Im letzen Jahr zählten über 44.000 Vogelfreunde rund 1,1 Millionen Vögel.

Längst gibt es aber auch eine sportliche Wettkampfform der Vogelzählung: Das "Birdrace" ist eine Natursportart, die Bewegung an der frischen Luft und vogelkundliche Beobachtungen verbindet. Beim Birdrace erfassen die Teams mit Hilfe von Ferngläsern und geübtem Hörvermögen die heimische Vogelwelt. Ziel ist es, innerhalb von 24 Stunden möglichst viele Vogelarten auf die jeweilige Teamliste zu bekommen.

Stand: 12.05.2017, 00:00 Uhr