In Europa gibt es kaum noch Urwald

Ein moosüberwucherter Baumstamm liegt auf Waldboden.

In Europa gibt es kaum noch Urwald

Von Mathias Tertilt

  • Es gibt kaum noch unberührte Urwälder in Europa
  • Die letzten dieser Wälder sind gefährdet
  • In Deutschland gibt es keine richtigen Urwälder
Ein blau-weißes Schild mit der Aufschrift "Wasser.Wander.Welt. Birgeler Urwald" und einem Pfeil nach rechts, ist an einen Mast genagelt. Im Hintergrund stehen grüne Pflanzen.

Wandergebiet Birgeler Urwald

Wälder machen in Deutschland rund ein Drittel der Gesamtfläche aus. Im europaweiten Vergleich ist Deutschland grüner als viele andere Länder. Dennoch ist heute kaum vorstellbar, dass es über den gesamten Kontinent einmal einen riesigen Urwald gegeben hat.

Seit es auch in Deutschland immer mehr Nationalparks und Naturwälder gibt, werben einige davon in ihren Slogans mit dem Begriff Urwald. Doch davon kann kaum die Rede sein.

Aus einem Urwald wurden bewirtschaftete Flächen

Viele Jahrhunderte lang wurden die Waldgebiete vom Menschen konsequent abgeholzt und die Wälder für die Landwirtschaft, Siedlungen und Baumaterial gerodet. Die Forstwirtschaft hat totes Holz abgestorbener Bäume meist aus dem Wald befördert.

Die Natur muss sich lange erholen

Ein Fichtenwald an einem Waldweg. Vor den Fichten liegen geschlagene Baumstämme.

Holz als Rohstoff

Bis 2020 verfolgt Deutschland das Ziel, fünf Prozent seiner Gesamtfläche ohne menschlichen Einfluss sich selbst zu überlassen. Vor allem seit den 1970ern sind zudem immer mehr Waldgebiete per Beschluss zu Naturreservaten und Naturwäldern geworden.

Bis sich das Ökosystem erholt hat und den einstigen Zustand wiederhergestellt hat, vergehen jedoch Jahrzehnte bis Jahrhunderte. Bäume müssen sich zersetzen, alte Tier- und Pflanzenspezies zurückkehren.

Es gibt kaum ein unberührtes Gebiet in Deutschland

Naturbelassene Wälder stellen in Deutschland laut Experten weniger als ein Prozent der Waldfläche und damit nur 0,3 Prozent der Gesamtfläche in Deutschland. Noch seltener sind sogenannte Primärwälder. So bezeichnen Wissenschaftler natürliche Wälder, die seit mehreren hundert Jahren ohne menschlichen Einfluss sind.

Selbst der Wald auf der deutschen Insel Vilm ist laut Experten kein solcher Urwald. Zwar wurde dort seit mehr als 450 Jahren kein Baum mehr gefällt, die Fläche jedoch beweidet.  Die meisten anderen ehemaligen Urwälder und heutigen Reservate sind in der Regel weniger als 90 oder sogar weniger als 40 Jahre unberührt.

Die letzten Urwälder Europas

Die Kalkalpen.

Die Kalkalpen in Österreich

In den österreichischen Kalkalpen ist der Rothwald eines der unberührtesten Waldgebiete, weitere befinden sich im polnischen Nationalpark Białowieża sowie in den rumänischen und ukrainischen Karpaten – aktuell sind sie jedoch von großen Rodungen und Raubbau betroffen.

Auch Skandinaviens Waldflächen beherbergen vermutlich ursprüngliche Wälder, sind allerdings durch die starke Nutzung oftmals sehr fragmentiert und klein.

Urwald Bialowieza - Warum Borkenkäfer nicht nur Feind sind

WDR 5 Leonardo Top Themen | 12.12.2017 | 05:50 Min.

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Stand: 25.01.2018, 09:01