Wie die Wasserqualität im Badesee gemessen wird

Wie die Wasserqualität im Badesee gemessen wird

Von Andreas Sträter

Darmbakterien – das klingt schon unappetitlich. Damit der Schwimmspaß im See aber nicht zu Übelkeit oder anderen Krankheiten führt, wird die Wasserqualität überwacht - aber wie?

Ein Badesee ist kein Freizeitbad. Weil Krankheitserreger in der Natur nicht durch Chlor abgetötet werden, können uns Darmkeime oder Blaualgen den Badespaß schnell vermiesen.

Es ist also wichtig, dass die Wasserqualität an den Badestellen regelmäßig kontrolliert wird. In Nordrhein-Westfalen sind dafür die Gesundheitsämter der Kreise und Städte zuständig. Das Wasser wird in der Sommersaison von Mai bis September mindestens alle vier Wochen an den offiziellen Badestellen entnommen und im Labor untersucht. Unter dem Mikroskop werde vor allem die Konzentration bestimmter Darmbakterien betrachtet, erläutert Marc-Oliver Klung, Gesundheitsingenieur beim Hochsauerlandkreis (HSK) in Meschede, dem WDR.

Fast nur Bestnoten zu Saisonbeginn

Die Gesundheitsämter melden ihre Ergebnisse dann dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) in Recklinghausen, erklärt dessen Pressesprecherin Birgit Kaiser de Garcia. Hier werden die Daten und Bewertungen der einzelnen Badestellen in Nordrhein-Westfalen gebündelt und auf einer zentralen Plattform veröffentlicht. Diese Daten sind zudem Grundlage für den Badegewässerreport der Europäischen Umweltagentur (EUA).

Von 106 untersuchten Seen in NRW erhielten zu Saisonbeginn 103 Badeseen für die Qualität ihres Wassers die Bestnote. Die Parameter, nach denen die Wasserqualität beurteilt wird, sind in der europaweiten EG-Badegewässer-Richtlinie aufgeführt. "Diese Richtlinie entspricht unserer Badegewässerverordnung hier in NRW", erläutert Klung.

Verunreinigung durch Abwässer und Gülle

Sehr gute Werte erzielten in dem Report zum Beispiel die Hochsauerland-Badestellen am Sorpesee bei Sundern, am Hillebachsee bei Winterberg und am Hennesee. Aus hygienischer Sicht ist die Wasserqualität der vier Badestellen mit "ausgezeichnet" bewertet worden, weil die untersuchten Darmbakterien – Intestinale Enterokokken und Escherichia Coli – festgelegte Werte unterschreiten. Darmbakterien sind Ausscheidungen von Menschen oder Tieren und können durch ungeklärte Abwässer aus der Kanalisation oder Gülle aus der Landwirtschaft in die Seen gelangen. Schwere Regenfälle können ebenso zu Verunreinigungen führen wie der Kot von Gänsen, Wildvögeln oder Hunden. Ist die Konzentration von Darmbakterien im Wasser zu hoch, kann das beim Menschen zu Durchfall oder Übelkeit führen. Wenn die Gesundheitsämter zu viele Darmbakterien feststellen, dann muss die Badestelle komplett geschlossen werden.

Die erste Probe im Jahr müssen die Gesundheitsämter vor Beginn der Badesaison im Mai nehmen, erklärt Hendrik Klein, Pressereferent beim Märkischen Kreis. Das Wasser wird dabei 20 Zentimeter unter der Wasseroberfläche entnommen, um auszuschließen, dass Staub oder Pollen die Ergebnisse verfälschen. Im Laufe der Sommersaison werden die Badestellen zusätzlich vor Ort kontrolliert. "So können wir feststellen, ob sich irgendwo Schlieren oder Algen gebildet haben", erläutert Gesundheitsingenieur Klung.

"Bakterien mögen keine Kälte"

Die Sauerlandseen gehören im NRW-Durchschnitt zu den kältesten Seen. Zum einen sind die Seen tief, zum anderen ist es im Mittelgebirge immer ein bisschen frischer als im Rheinland. "Bakterien mögen keine Kälte, da haben wir einen Vorteil", erläutert Klung. Doch auch in den kalten Sauerlandseen können ungebetene Besucher auftauchen. Als sich am Hillestausee in Winterberg-Niedersfeld im Jahr 2011 aufgrund zu vieler Nährstoffe im Wasser Blaualgen entwickelten, musste die Badesaison vorzeitig beendet werden. Blaualgen werden auch als Cyanobakterien bezeichnet und können die Qualität des Badewassers stark einschränken, weil sie Gifte bilden, die auch für den Menschen gesundheitsschädigend sein können.

Auf das Ökosystem ist Verlass

"Eine Reinigung des Sees oder das Entnehmen der Algen hätte nichts gebracht, wir haben in dem Fall auf das Ökosystem des Sees vertraut", erläutert der Gesundheitsingenieur aus Meschede. Allerdings habe der Betreiber der Badestelle dem Ökosystem ein bisschen geholfen und den schlickigen Seeboden mit Kies aufgeschüttet, um die Nährstoffe und Phospate im Wasser zu reduzieren. Die Blaualgen verschwanden mit der Zeit. Mittlerweile erreicht der See im Rothaargebirge längst wieder Bestwerte.

Stand: 23.06.2016, 10:09