Tierische Nachbarn - Der Zaunkönig

Zaunkönig auf einem Ast

Tierische Nachbarn - Der Zaunkönig

Der Zaunkönig ist einer der kleinsten Vögel Europas – und einer der lautesten. Mit bis zu 90 Dezibel schmettert das nur zehn Gramm schwere Tier seine Lieder, macht also fast so viel Lärm wie ein vorbeifahrender Güterzug.

Mit dem Gesang machen vor allem Männchen auf sich oder die Grenzen ihrer Reviere aufmerksam. Aber ein Platzhirsch ist der Zaunkönig nicht. In Beziehungsfragen geht es beim ihm eher ein wenig durcheinander. Zwei Männchen können durchaus mit drei Weibchen zusammen sein. Oder ein Männchen kann zwei Weibchen haben. Vieles ist möglich, und es wird gerne getauscht.

Protzen mit Baukunst

Aber Mühe müssen sich die Männchen schon geben, um Weibchen für sich zu gewinnen. Wer eine Partnerin haben möchte, muss gute Nester bauen – und viele. Bis zu sieben kunstvoll gewebte, kugelige Rohbauten stellt ein Zaunkönig her. Die Zaunkönigin sucht sich dann den schönsten aus und übernimmt die Inneneinrichtung.

Viele Frauen und viel Arbeit

Mehrere Kücken eines Zaunkönigs sitzen im Nest

Mehrere Kücken eines Zaunkönigs sitzen im Nest

Nach der Eiablage verbringt das Weibchen viel Zeit im Nest beim Brüten. Das Männchen schaut derweil gerne mal bei der Nachbarin vorbei. Für ihn geht die Arbeit erst richtig los, wenn die Jungen geschlüpft sind. Und dann zeigt sich: Vielweiberei hat  ihren Preis. Männliche Arbeitskraft ist in gleich mehreren Nestern beim Füttern gefragt, die Zahl der Verpflichtungen ist groß. Da ist es praktisch, wenn einige Weibchen das Brutgeschäft rationalisieren. In manchen Fällen legen zwei Zaunkönigweibchen ihre Eier in ein Nest. Wenn die Küken schlüpfen, werden alle zusammen betreut – in einer Art Wohngemeinschaft.

Klein, aber nervig

Ein Zaunkönig setzt zum Flug an

Zaunkönig setzt zum Flug an

Mitunter quartieren sich Zaunkönige auch in Nestern anderer Vogelarten ein: Sie hocken sich im Brutkasten einfach neben eine Wasseramsel oder eine Gebirgsstelze. Das wird meistens akzeptiert. In einigen Fällen aber vertreibt der winzige Zaunkönig die Vögel, bei denen er eingezogen ist.  Offenbar ist der Winzling so nervig und unruhig, dass andere lieber das Weite suchen. Für Wasseramseln ist der Zaunkönig ein nervender Störenfried, für Menschen ein nützlicher Nachbar. Freuen können sich vor allem diejenigen, die wenig Zuneigung für Schnaken, Mücken und Spinnen aufbringen. Der Zaunkönig frisst sie einfach weg. Die Flucht in Spalten oder Mauerritzen hilft den Beutetieren des Zaunkönigs nur bedingt. Er hat einen relativ langen, an der Spitze leicht gebogenen Schnabel und kommt damit in jede Ecke hinein. Die Spinne hat keine Chance.

Kuscheln gegen Kälte

Der Winter ist für Zaunkönige besonders hart. Sie kühlen schnell aus, weil sie so klein sind. Aber ihr Hang zum Gemeinschaftsleben bietet einen gewissen Schutz. Die Vögel bilden Schlafgemeinschaften. Sechs bis sieben Zaunkönige kuscheln sich in einem Nest zusammen und wärmen sich gegenseitig. Geht alles gut, kann ein Zaunkönig sechs Jahre alt werden.

Stand: 06.09.2016, 13:58