Wenn Bienen die Geruchskontrolle nicht überstehen

Wenn Bienen die Geruchskontrolle nicht überstehen

Von Markus Rinke

Der Tag der Imkerei, der am Sonntag (03.07.2016) begangen wird, wurde einst wegen Nachwuchssorgen eingeführt. Heute beschäftigen sich Imker mit anderen Problemen: Wenn die Bienen zu sehr nach Pestiziden riechen, werden sie von ihren Artgenossen im Stock abgestochen.

Brakel-Bellersen im Paderborner Land: Mitten in der Natur liegt das Haus der Familie Hensel auf einer kleinen Anhöhe. Die Imkerei ist einer von ganz wenigen Biobetrieben in Deutschland. Rund um den Hof sind Bio-Wiesen und Äcker, im wilden Garten blühen Kornblumen und andere heimische Pflanzen. Auf dem Hof stehen Bienenstöcke mit jungen Völkern, ein Brummen liegt in der Luft. Und trotzdem findet Ulrike Hensel manchmal tote Bienen vor dem Stock; Insekten, die von Artgenossen abgestochen wurden.

Geruchs- statt Gesichtskontrolle am Eingang

Die Bienen haben die Geruchskontrolle nicht überstanden. "Bienen eines Volkes haben einen ganz charakteristischen Geruch. Das soll dazu dienen, dass die Bienen sich erkennen und kein Honig gemopst wird", erklärt Imkerin Ulrike Hensel. Wenn sich die Bienen auf gespritzte Pflanzen setzen, kann der Geruch des Pestizids ihren eigenen überlagern. Wenn sie dann zum Stock zurückkehren, werden sie von den Artgenossen nicht mehr erkannt und abgestochen. "Ja, wir haben das öfter. Die Bauern sind verpflichtet, gefährliche Mittel für die Biene nicht in die Blüte und abends zu spritzen. Aber wenn einer nicht aufpasst, kann das natürlich passieren."

Minimale Spuren von Pestiziden im Honig möglich

Trotzdem können Spuren von Pestiziden in den Honig gelangen, es gibt zum Beispiel auch geruchsneutrale Pflanzenschutzmittel. "Richtig ist, dass es heute keine rückstandsfreien Lebensmittel mehr gibt, denn modernste Analysemethoden machen es möglich, minimalste Spuren von Rückständen in Lebensmitteln nachzuweisen. Mit unsachgemäßen Veröffentlichungen wird nur eines erreicht: Panikmache beim Verbraucher", erklärt die Geschäftsführerin des Deutschen Imkerbunds Barbara Löwer. 2015 hatten Lebensmittelüberwachungsbehörden 237 Proben untersucht. In 73 Proben fand sich das Pflanzengift Thiacloprid.

Ein Lkw als Bienentaxi

Ein weiteres Problem für die Imker ist die moderne Landwirtschaft. 95 Prozent der Wiesenblumen sind in den vergangenen 50 Jahren verschwunden. Vor allem den Klee im Spätsommer gebe es nicht mehr, erklärt Ulrike Hensel. Für sie heißt das, dass ihre über 300 Bienenvölker in der Umgebung nicht genug Nahrung finden. Ein Teil der Bienen wird gefüttert, andere Bienenstöcke werden mit dem Lastwagen in andere Gegenden gebracht. Am Sonntag (03.07.16) kontrolliert die Familie wieder rund 80 Bienenstöcke an der fast 500 Kilometer entfernten Müritz.

"Ein Bienenvolk ist eine kleine Apotheke"

Trotz des Aufwands würde Ulrike Hensel jederzeit wieder Imkerin werden. Denn die Freude am Beruf und den Bienen überwiegt: "Alles, was ich produziere und womit ich zu tun habe, ist supergesund. So ein Bienenvolk ist ja auch eine kleine Apotheke, alles am Bienenvolk wird heilkräftig verwertet." Außerdem sind die Bienen ein wichtiges Bindeglied in der Natur: "Die Bienen sorgen dafür, dass die Obst- und Gemüsepflanzen bestäubt werden und wir etwas anderes essen können, außer Getreide und Nüsse."

Imkerei als beliebtes Hobby

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Die Begeisterung für die Imkerei teilen inzwischen mehr als 100.000 Menschen im Deutschen Imkerbund. Doch anders als die Familie Hensel, sind der größte Teil der Mitglieder Freizeit- und Nebenerwerbsimker. Ihren Honig verkaufen die Imker direkt an den Verbraucher oder über Wochenmärkte. Das Interesse an regional erzeugten Produkten habe in den vergangenen Jahren stark zugenommen, sagt der Deutsche Imkerbund.

Doch nur jedes fünfte Glas wird auch in Deutschland produziert. Auch Familie Hensel verkauft den meisten Honig ab Hof und auf Wochenmärkten. Darüber hinaus beliefert die Familie 13 Supermärkte in der Umgebung. Mehr geht mit den sechs Arbeitskräften des Familienbetriebs nicht. Die Hensels produzieren bereits seit 50 Jahren Honig. In einigen Jahren wird die dritte Generation die Geschäfte übernehmen.

Stand: 03.07.2016, 10:37