Wie der Vollmond zum Supermond wird

Wie der Vollmond zum Supermond wird

Von Andreas Sträter

Je näher der Mond, desto höher seine Anziehungskraft: Montagabend (14.11.2016) kam uns der Mond zwar so nah wie selten, doch seine vermeintliche Größe täuschte.

Als am Montagabend (14.11.2016) nach Sonnenuntergang der Mond aufging, erschien er uns besonders groß. Der so genannte "Supermond" entsteht, weil zwei Ereignisse zusammenfallen. Zum einen ist Vollmond, zum anderen kommt uns der Mond auf seiner Umlaufbahn der Erde so nahe wie zuletzt im Jahr 1948. "Das ist zwar kein Jahrhundert-Phänomen, aber die Nähe zur Erde ist dieses Mal besonders", erläutert Astronomin Susanne Hüttemeister, Leiterin des Planetariums in Bochum, dem WDR. Der Durchmesser des Mondes wirkt dabei 14 Prozent größer als bei einem Vollmond im weitesten Erdabstand. Die Fläche der sichtbaren Vollmondscheibe am Nachthimmel erscheint uns bei diesem "Supermond" um bis zu 28 Prozent größer, sagt Hüttemeister.

Unterwegs auf eiförmiger Umlaufbahn

Der Mond umkreist die Erde nicht rund, sondern auf einer eiförmigen Umlaufbahn. Das hat zur Folge, dass uns der Mond am Montag etwa 48.000 Kilometer näher kam als bei seiner größtmöglichen Entfernung. Die Distanz zur Erdnähe beträgt dann nur 356.509 Kilometer - zum Vergleich: der erdfernste Punkt liegt etwa 407.000 Kilometer weit weg. Erst am 25. November 2034 wird uns der Mond Angaben der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA zufolge wieder ähnlich nahe kommen. Den Punkt, an dem uns der Mond besonders nah ist, bezeichnen wir als Perigäum (Erdnähe).

Besondere Erdnähen des Mondes

  • 4. Januar 1912: 356.375 Kilometer
  • 26. Januar 1948: 356.492 Kilometer
  • 14. November 2016: 356.509 Kilometer
  • 7. April 2020: 356.907 Kilometer
  • 25. November 2034: 356.448 Kilometer

Supermond verstärkt Springfluten

Je näher der Mond an der Erde ist, desto höher ist auch seine Gravitationskraft, erläutert Guido Thimm, Wissenschaftlicher Geschäftsführer am Zentrum für Astronomie der Universität Heidelberg. "Das kann zu höheren Springfluten führen", sagt er. Gravierende Auswirkungen seien aber nicht zu erwarten. Springfluten bezeichnen eine besonders hohe Flut und eine besonders niedrige Ebbe. Etwa alle 14 Tage – bei Vollmond und Neumond – stehen Mond, Erde und Sonne in einer Linie. Das Hochwasser läuft dann einige Zentimeter höher auf als normal, das Niedrigwasser etwas niedriger. Normalerweise ist eine solche Springflut, die auch als Springtide bezeichnet wird, eher unauffällig. Deutlich zu spüren kann sie an Meerengen und an Flussmündungen sein.

Erde wird zum Rugbyball

Der Mond hat nicht nur Auswirkungen auf die Ebbe und Flut. Die Kräfte der Gezeiten verformen auch die Erdkrusten: "Durch die besondere Erdnähe des Mondes wird dieser Effekt verstärkt", erläutert die Bochumer Astronomie-Professorin Susanne Hüttemeister dem WDR. Der Mond zieht an der einen Seite der Erdkruste, die Sonne an der anderen, so dass die Erdkugel letztlich ein wenig zu einem Rugbyball wird. Diese hierbei entstehende Verformung ist jedoch winzig klein, so dass Effekte wie Erdbeben durch den erdnahen Mond nicht erwartet werden.

Mondtäuschung: Wie uns unser Gehirn in die Irre führt

Wie groß uns der so genannte "Supermond" – die NASA spricht sogar von einem "extra-super moon" – erscheint, hängt auch von unserem Beobachtungs-Standort ab. Hüttemeister weist in diesem Zusammenhang auf den Effekt der optischen Täuschung hin, den wir bei jedem Vollmond erleben können. "Jeder Vollmond sieht am Horizont größer aus, als, wenn wir den Mond direkt über unsere Köpfen betrachten", erklärt die Bochumer Astronomin. Bei dieser optischen Täuschung wird die Größenwahrnehmung des Menschen überlistet.

Blick durch die Kamera hilft

Um die Größe eines Objektes einzuschätzen, sucht der Mensch permanent nach Anhaltspunkten. Am Himmel gibt es keine Vergleichsgegenstände, während dem Gehirn am Horizont Bäume oder Häuser Bezugspunkte liefern. Schon ein Blick durch die Kamera könne die Täuschung entlarven, sagt Hüttemeister. Die Technik lasse sich – anders als das menschliche Gehirn – nicht täuschen.

Stand: 15.11.2016, 07:30