Viele Sternschnuppen, aber auch viele Wolken

Komet

Viele Sternschnuppen, aber auch viele Wolken

Von Andreas Sträter

Bis zu 170 Sternschnuppen pro Stunde: So ergiebig wird die Bilanz der zweiten Perseiden-Nacht wohl nicht ausfallen. Der Höhepunkt ist leider schon vorbei. Aber immerhin: Himmelsgucker in Nordrhein-Westfalen bekommen eine zweite Chance.

Die Zeit des alljährlich wiederkehrenden Meteorschwarm der Perseiden hat begonnen: Der Höhepunkt des Himmelsschauspiels in der Nacht zu Freitag (12.08.2016) mit zwischen 150 und 170 Sternschnuppen pro Stunde war allerdings kaum bis gar nicht zu sehen - dichte Wolken und Regen verdeckten die Sicht in Nordhein-Westfalen.

Chancen auf Wolkenlücken in der Eifel

Die gute Nachricht ist allerdings, dass die Perseiden – etwas abgeschwächt – auch noch in der Nacht zu Samstag (13.08.2016) zu sehen sein werden. "Und da sind die Wetteraussichten viel besser", erklärt Dennis Brüning, WDR-Meteorologe. Einen wolkenlosen Blick in den Himmel verspricht Brüning dann in Köln und in den früheren Morgenstunden auch im Ruhrgebiet. Den Menschen in Ostwestfalen-Lippe bleibe der Blick auf die Perseiden wohl auch in dieser Nacht verwehrt.

Was sind Sternschnuppen?

Von Andreas Sträter

Ein Sternschnuppenschauer ist wie ein Feuerwerk am Himmel. Woher kommen Sternschnuppen eigentlich? Wie sind sie entstanden? Und: Worin unterscheiden sich Meteoroiden und Meteoriten?

 Eine Sternschnuppe ist in der Nacht am Sternenhimmel

Ein heller Lichtstreifen am Nachthimmel - und der Beobachter hat einen Wunsch frei. Dem Volksmund zufolge muss er die Augen schließen und kann sich etwas wünschen, darf aber niemandem davon erzählen. Auch die Wissenschaft beschäftigt sich mit diesen Leuchterscheinungen in der Atmosphäre.

Ein heller Lichtstreifen am Nachthimmel - und der Beobachter hat einen Wunsch frei. Dem Volksmund zufolge muss er die Augen schließen und kann sich etwas wünschen, darf aber niemandem davon erzählen. Auch die Wissenschaft beschäftigt sich mit diesen Leuchterscheinungen in der Atmosphäre.

Sternschnuppen entstehen, wenn kleine Objekte aus dem All mit der Atmosphäre kollidieren und durch die Reibungshitze verglühen, erklärt der Berliner Planetenforscher Ulrich Köhler. Dabei würden Moleküle entlang der Flugbahn des Meteoroiden ionisiert und so zum Leuchten angeregt, so dass für Sekundenbruchteile eine helle Spur am Himmel sichtbar ist. Dies geschieht meist in einem "schmalen Einschusskanal" in einer Höhe von 80 bis 120 Kilometern.

Sternschnuppen sind ein atmosphärisches Phänomen. In der Astronomie und der Meteorologie nennt man das Phänomen einen "Meteor". Sternschnuppen sind also allesamt kleine Meteoroiden (mit weichem "d"). "Nur sehr selten sind die in die Atmosphäre eindringenden Teilchen größere Brocken von mehreren Zentimetern oder gar Metern Größe, die dann für mehrere Sekunden einen sehr spektakulären Meteor ausbilden", erklärt Köhler vom Institut für Planetenforschung. Diese Meteore werden auch als Feuerkugeln bezeichnet.

Um Meteorit, Meteor und Meteoroid nicht zu verwechseln, hilft dieser kosmische Merksatz als Eselsbrücke: "Der Meteoroid endet auf d, weil er sich um die Sonne dreht. Der Meteor endet auf r, weil er zur Erde rast. Und der Meteorit endet auf t, weil er den Erdboden trifft."

Die Perseiden sind abgelöste Trümmerstücke des Kometen 109P/Swift-Tuttle. In den 1860-er Jahren bemerkte der italienische Astronom Giovanni Virginio Schiaparelli zunächst, dass die regelmäßig im August auftretenden Sternschnuppen offenbar im Zusammenhang mit einem Kometen stehen, der 1862 von Lewis Swift und Horace Tuttle entdeckt worden war und die Sonne alle 130 Jahre auf einer langgestreckten Ellipsenbahn umrundet. Wenige Jahre später konnte er auch einen Zusammenhang zwischen den "Leoniden" im November und dem Kometen "Tempel-Tuttle" aufzeigen.

Es gibt zwei große Sternschnuppenschauer, die Himmelsgucker im Jahresverlauf beobachten können. Um den 12. August herum treten Jahr für Jahr die Perseiden auf, während die so genannten Geminiden im Advent erscheinen. Der Name der Geminiden leitet sich vom Sternenbild der Zwillinge ab. Nur wenige Tage später tritt ein weiterer Meteorensturm auf: "Um Weihnachten herum kommen noch die Ursiden", erläutert Planetenforscher Ulrich Köhler. Allerdings ist dieser Meteorensturm, der aus dem Sternenbild des Bären kommt, mit nur bis zu 20 Sternschnuppen pro Stunde deutlich schwächer als die Perseiden oder die Geminiden.

Weitere Sternschnuppenschauer sind die Quadrantidenen im Januar, Überreste eines Asteroiden, oft hell und groß. Im April treten die Lyriden und Puppiden auf. Und im Sommer gibt's dann zwar auch noch die Aquariiden und Capricorniden, aber die "Stars" sind die Perseiden. Sie sind eindeutig die bequemste und beeindruckenste Form der Sternschnuppen-Nächte.

Um sich das regelmäßige Auftreten von Sternschnuppenströmen verständlich zu machen, sollte man sich ein Kettenkarussell auf der Festwiese eines Dorfes vorstellen. In unmittelbarer Nachbarschaft dazu befindet sich ein aktiver Bewässerungssprenger, dessen Wasserstrahl das Karussell an einer Stelle streift. Ein Kirmesbesucher, der sich auf dieses Karussell setzt, wird dann regelmäßig immer an der gleichen Stelle nass gespritzt, so wie die Erde immer an der gleichen Stelle ihrer Bahn (und damit Jahr für Jahr zur gleichen Zeit) durch die Staubwolke entlang der ursprünglichen Kometenbahn treibt.

Mit 216.000 Stundenkilometern unterwegs

Die Sternschnuppen stammen aus einer Staubspur, die der Komet 109P/Swift-Tuttle hinter sich herzieht. Immer im August kreuzt die Erde bei ihrer Reise um die Sonne die Spur dieses Kometen. Wenn die stecknadelkopfgroßen Staubteilchen des Kometen mit 216.000 Stundenkilometern in die Erdatmosphäre eindringen, verglühen sie – und leuchten.

Drei Mal mehr Perseiden als im vergangenen Jahr

Dass in diesem Jahr drei Mal mehr Perseidenmeteore erwartet werden als im vergangenen August, liegt am Riesenplaneten Jupiter. Alle zwölf Jahre verschiebt der größte Planet unseres Sonnensystems durch seine Schwerkraft den Staubstrom auf der Kometenbahn in Richtung Erdbahn. In diesem Sommer rückt der Planet also "den Hauptteil des Stroms näher an die Erdbahn heran", erläutert der Stuttgarter Astronom Hans-Ulrich Keller. Zuletzt bescherte Jupiter auf diese Weise den Himmelsguckern im Jahr 2004 besonders viele Perseiden. Sie heißen so, weil sie aus dem Sternbild Perseus zu kommen scheinen.

Meteore am gesamten Himmel

Symbolbild  - Ein Paar vor Sternenhimmel

In der Nacht zu Samstag stehen die Chancen gar nicht so schlecht

Beim Beobachten des Sternschnuppenschauers in der Nacht zu Samstag ist es wichtig, nicht nur in einen bestimmten Bereich des Himmels zu schauen, weil die Meteore überall am Himmel unterwegs sind. Wer Sternschnuppen sehen möchte, sollte alle Himmelsrichtugen im Auge behalten. Eine besondere Ausrüstung brauchen Himmelsgucker für die Beobachtung der Perseiden nicht, ein Liegestuhl, eine gute Rundumsicht ohne künstliches Licht – und gutes Wetter reichen aus.

Stand: 12.08.2016, 09:07