Was sind Sternschnuppen?

Was sind Sternschnuppen?

Von Andreas Sträter

Ein Sternschnuppenschauer ist wie ein Feuerwerk am Himmel. Woher kommen Sternschnuppen eigentlich? Wie sind sie entstanden? Und: Worin unterscheiden sich Meteoroiden und Meteoriten?

 Eine Sternschnuppe ist in der Nacht am Sternenhimmel

Ein heller Lichtstreifen am Nachthimmel - und der Beobachter hat einen Wunsch frei. Dem Volksmund zufolge muss er die Augen schließen und kann sich etwas wünschen, darf aber niemandem davon erzählen. Auch die Wissenschaft beschäftigt sich mit diesen Leuchterscheinungen in der Atmosphäre.

Ein heller Lichtstreifen am Nachthimmel - und der Beobachter hat einen Wunsch frei. Dem Volksmund zufolge muss er die Augen schließen und kann sich etwas wünschen, darf aber niemandem davon erzählen. Auch die Wissenschaft beschäftigt sich mit diesen Leuchterscheinungen in der Atmosphäre.

Sternschnuppen entstehen, wenn kleine Objekte aus dem All mit der Atmosphäre kollidieren und durch die Reibungshitze verglühen, erklärt der Berliner Planetenforscher Ulrich Köhler. Dabei würden Moleküle entlang der Flugbahn des Meteoroiden ionisiert und so zum Leuchten angeregt, so dass für Sekundenbruchteile eine helle Spur am Himmel sichtbar ist. Dies geschieht meist in einem "schmalen Einschusskanal" in einer Höhe von 80 bis 120 Kilometern.

Sternschnuppen sind ein atmosphärisches Phänomen. In der Astronomie und der Meteorologie nennt man das Phänomen einen "Meteor". Sternschnuppen sind also allesamt kleine Meteoroiden (mit weichem "d"). "Nur sehr selten sind die in die Atmosphäre eindringenden Teilchen größere Brocken von mehreren Zentimetern oder gar Metern Größe, die dann für mehrere Sekunden einen sehr spektakulären Meteor ausbilden", erklärt Köhler vom Institut für Planetenforschung. Diese Meteore werden auch als Feuerkugeln bezeichnet.

Es kann allerdings auch sein, dass Reste eines solchen Boliden – wie hier im Jahr 2013 bei Tscheljabinsk in Russland – auf die Erde fallen. "Die werden aber durch die in Richtung des Bodens immer dichter werdende Atmosphäre immer stärker abgebremst", erläutert Köhler. Bei einem solchen Phänomen spricht der Fachmann von einem Meteoriten (mit hartem "t"). Ein solcher Meteorit besteht aus Stein und Eisen oder – das kommt sehr selten vor – aus reinem Eisen und Nickel. Meteoriten werden häufig in der Wüste gefunden. Dort fallen sie schneller auf und verwittern oder rosten nicht so stark.

Um Meteorit, Meteor und Meteoroid nicht zu verwechseln, hilft dieser kosmische Merksatz als Eselsbrücke: "Der Meteoroid endet auf d, weil er sich um die Sonne dreht. Der Meteor endet auf r, weil er zur Erde rast. Und der Meteorit endet auf t, weil er den Erdboden trifft."

Meistens treten Sternschnuppen verteilt auf, doch manchmal lässt sich ein regelrechter Meteorschauer mit bis zu 60 Sternschnuppen pro Stunde beobachten. Die Perseiden sind recht schnelle Sternschnuppen, denn sie treten mit rund 216.000 Kilometer pro Stunde in die Erdatmosphäre ein. Mit dieser Geschwindigkeit würde ein Flug von der Erde zum Mond nur eineinhalb Stunden dauern.

Die Perseiden sind abgelöste Trümmerstücke des Kometen 109P/Swift-Tuttle. In den 1860-er Jahren bemerkte der italienische Astronom Giovanni Virginio Schiaparelli zunächst, dass die regelmäßig im August auftretenden Sternschnuppen offenbar im Zusammenhang mit einem Kometen stehen, der 1862 von Lewis Swift und Horace Tuttle entdeckt worden war und die Sonne alle 130 Jahre auf einer langgestreckten Ellipsenbahn umrundet. Wenige Jahre später konnte er auch einen Zusammenhang zwischen den "Leoniden" im November und dem Kometen "Tempel-Tuttle" aufzeigen.

Es gibt zwei große Sternschnuppenschauer, die Himmelsgucker im Jahresverlauf beobachten können. Um den 12. August herum treten Jahr für Jahr die Perseiden auf, während die so genannten Geminiden im Advent erscheinen. Der Name der Geminiden leitet sich vom Sternenbild der Zwillinge ab. Nur wenige Tage später tritt ein weiterer Meteorensturm auf: "Um Weihnachten herum kommen noch die Ursiden", erläutert Planetenforscher Ulrich Köhler. Allerdings ist dieser Meteorensturm, der aus dem Sternenbild des Bären kommt, mit nur bis zu 20 Sternschnuppen pro Stunde deutlich schwächer als die Perseiden oder die Geminiden.

Weitere Sternschnuppenschauer sind die Quadrantidenen im Januar, Überreste eines Asteroiden, oft hell und groß. Im April treten die Lyriden und Puppiden auf. Und im Sommer gibt's dann zwar auch noch die Aquariiden und Capricorniden, aber die "Stars" sind die Perseiden. Sie sind eindeutig die bequemste und beeindruckenste Form der Sternschnuppen-Nächte.

Um sich das regelmäßige Auftreten von Sternschnuppenströmen verständlich zu machen, sollte man sich ein Kettenkarussell auf der Festwiese eines Dorfes vorstellen. In unmittelbarer Nachbarschaft dazu befindet sich ein aktiver Bewässerungssprenger, dessen Wasserstrahl das Karussell an einer Stelle streift. Ein Kirmesbesucher, der sich auf dieses Karussell setzt, wird dann regelmäßig immer an der gleichen Stelle nass gespritzt, so wie die Erde immer an der gleichen Stelle ihrer Bahn (und damit Jahr für Jahr zur gleichen Zeit) durch die Staubwolke entlang der ursprünglichen Kometenbahn treibt.

Stand: 11.08.2016, 06:00 Uhr