Stadtbäume haben es schwer

Bäume an einer Straße

Stadtbäume haben es schwer

Von Katja Goebel

Sie binden tonnenweise Staub und sorgen für bessere Luft: Stadtbäume. Doch nicht jeder Baum ist dieser Aufgabe gewachsen. Die Fachwelt setzt auf Zukunftsbäume. Ein Thema beim Deutschen Naturschutztag, der am Dienstag (13.09.2016) beginnt.

Zunächst ein paar Zahlen zur biologischen Leistung von Bäumen - am Beispiel einer 100-jährigen Buche: Sie kann bis zu 13 Kilogramm Sauerstoff am Tag produzieren, das entspricht dem Tagesbedarf von zehn Menschen. Sie bindet eine Tonne Staub im Jahr und ist in der Lage an einem sonnigen Tag bis zu 400 Liter Wasser zu verdunsten. Sie spendet Schatten und kühlt damit ihre Umgebung bis zu drei Grad ab. Der kühlende Effekt eines gesunden Baumes entspricht der Leistung von zehn Klimaanlagen, die 20 Stunden am Tag laufen. Außerdem bietet Stadtgrün nicht nur schöne Aussichten, sondern auch Lebensraum für viele Tierarten. Alles Eigenschaften, die den Stadtbaum zu einem echten Weltverbesserer machen.

Wärmestress und wenig Wasser

Baum an einer Straße

Versiegelte Flächen lassen Stadtbäume dursten

Bäume sind zwar für das Stadtklima enorm wichtig, ihre Lebensbedingungen aber oftmals miserabel. Gerade Bäume an befahrenen Straßen leisten Schwerstarbeit und kämpfen oft ums Überleben. "Die Bäume haben Wärmestress, weil wir in der Stadt höhere Temperaturen von drei bis fünf Grad haben", erklärt Bernd Roser, der bei der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz in der Fachgruppe Stadtbäume sitzt und beim diesjährigen Deutschen Naturschutztag (13.-15.09.2016) das Thema auf den Tisch bringt. "Weil der Baum mehr verdunsten muss, aber durch die Bodenversiegelung nicht mehr Wasser bekommt, hat er gleichzeitig Trockenstress."

Stadtbäume altern schneller

Hinzu komme in der Stadt noch ein extrem dichter Boden, der den Gashaushalt des Baumes stören kann. Viel Platz für ausladendes Wurzelwerk ist meist auch nicht vorhanden. Der Baum muss sich den unterirdischen Platz in der Stadt schließlich mit Leitungen und Rohren teilen. Auch werde gerade in Großstädten permanent irgendwo gebaut. Dabei werden oft Wurzeln gekappt. "Durch den Klimawandel haben wir es dann auch noch mit immer neuen Schädlingen zu tun." Stadtbäume erblühen nicht nur früher, sie altern auch schneller. "An der Straße sind wird schon froh, wenn ein Stadtbaum 60 Jahre alt wird." sagt Roser. "Zum Vergleich: Wir haben in Grünanlagen Bäume, die durchaus 200 Jahre alt werden."

Warum nicht einfach mehr Bäume in der Stadt pflanzen? So einfach sei das nicht, sagt Roser. Der Untergrund ist meist schon durch Leitungen besetzt. "Da müssen Sie erst mal eine ganze Menge Geld in die Hand nehmen, um die zu verlegen." Man könne aber durchaus die Lebensräume der bestehenden Bäume verbessern, in dem man zum Beispiel den Boden lockern und belüften könnte oder die Bäume mehr düngen würde.

Artenvielfalt durch Zukunftsbäume

Längst haben die Fachleute Zukunftsbäume ausgemacht. Arten, die, wie man heute weiß, viel besser mit den klimatischen Bedingungen in der Stadt fertig werden. Drei dieser künftigen Klimabäume sind der Amberbaum, die Hopfenbuche oder die Zellkove. Diese Arten kommen aus dem mediteranen Raum, vertragen mehr Trockenheit und trotzen gleichzeitig einem Spätfrost im Frühjahr. Zu den Verlierern unter den Stadtbäumen gehören mittlerweile hingegen der Ahorn oder die Rubinie. "Diese Bäume werden heute häufig ausgetauscht. Wir müssen künftig einfach auf eine größere Artenvielfalt setzen."

Leben ohne Bäume - undenkbar

Kinderhände umarmen einen Baum

Der Baum - ein emotionales Thema

Wie emotional das Thema Baum besetzt ist, erfährt Bernd Roser, der im Grünflächenamt der Stadt Frankfurt arbeitet, ständig. Kranke Bäume seien für den Laien nicht immer zu erkennen. Müssten aus Sicherheit alte Bäume fallen, bekommt Roser den Unmut der Bevölkerung zu spüren. "Baummörder" hat man ihn dann schon genannt. Dabei wäre eine Stadt ohne Bäume für Roser "undenkbar". Am Ende nämlich sorgen gesunde Stadtbäume schlicht auch für gesündere Menschen. Da wo viel Grün ist, bewegen sich die Leute mehr. "Es gibt wissenschaftlich Studien, die belegen, dass Menschen in grüner Umgebung älter werden."

Stand: 13.09.2016, 06:00