Service Umwelt - Tier-Webcams

Ein Siebenschläfer (Glis glis) hat Quartier in einem Vogelnistkasten genommen

Service Umwelt - Tier-Webcams

Dem puscheligen Siebenschläfer beim Säugen seiner Jungen zusehen; unseren stolzen Wappenvogel Seeadler in seinen mächtigen Horst schauen; oder den Störchen beim Klappern zuhören. So nahe kommen wir wilden Tieren selten.

Ende Juli sind in einem künstlichen Brutkasten in Leverkusen Siebenschläfer-Babys geboren worden. Eine Webcam des Naturschutzbund Deutschland hat die Geburt in bewegten Bildern festgehalten. Aber so richtig schön und unterhaltsam wird es erst jetzt, wenn die grau-puscheligen Jungen wachsen und herumspielen. Neben der Siebenschläfer-Cam gibt es noch zahlreiche andere Webcams, die uns Vögel und Säugetiere näher bringen.

Einige Tiere könnte man ohne die Webcams gar nicht sehen, andere nur viel besser als mit dem bloßen Auge. Weil ihre Nester in Baumkronen verborgen oder so weit oben sind, dass man sie selbst mit Fernglas nicht gut beobachten kann.

In der Brut-/Nisthöhle

Eisvögel, viele Eulenarten und Wiedehopfe z.B. nisten nicht im Freien, sondern in Höhlen. Dort haben Naturschützer und Wissenschaftler rechtzeitig kleine Kameras platziert, die die Tiere nicht stören. Über Datenleitungen werden die Live-Bilder gestreamt, sodass sie weltweit von Interessierten abgerufen werden können; manche auch zeitversetzt und als Aufzeichnung

Im Freien

Am bekanntesten sind sicher die Storch-Webcams. An mindestens 10 verschiedenen Orten in Deutschland sind Kameras auf die großen, schwarz-weißen Vögel gerichtet. Häufig kann man den eindrucksvoll klappernden Paaren schon bei der Paarung zuschauen.

Bei den Schreiadlern, die nur im östlichsten Zipfel Norddeutschlands brüten, könnte man auch den Kainismus - das Verdrängen des jüngsten Nestlings durch die älteren Geschwister - miterleben. Aber weil nur so wenige Schreiadler in Deutschland leben, holen Biologen das schwächste Küken rechtzeitig aus dem Nest und päppeln es außerhalb groß, bis es ohne Gefahr zurückgesetzt werden kann.

Auch Deutschlands Wappenvogel, der mächtige Seeadler, steht unter ständiger Beobachtung. Die Paare bauen beeindruckende Horste, denen man sich nicht nähern darf - und selbst wenn: man würde vom Boden aus kaum etwas mitbekommen. Webcams haben das Problem nicht. Sie haben immer einen perfekten Blick auf unseren größten Greif.

Nur "Flaggschiff-Arten" werden berücksichtigt

Häufige Arten wie Spatzen - obwohl Höhlenbrüter und damit dem menschlichen Auge verborgen - werden nicht von Webcams erfasst. Auch nicht Rotkehlchen und Kaninchen. Bei manchen interessanten Arten wie Fuchs und Dachs ist es sehr schwierig, Kameras in den Bau zu bringen.

Teils aufwendige Technik

Manche Nist-/Brutplätze liegen direkt neben Häusern. Dann haben es die Biologen leicht: Sie holen sich den Strom aus der Steckdose und liefern die Videodaten in das Haus. Von dort geht es ins "World Wide Web".

Andere Tiere haben ihre Plätze weitab jeglicher Steckdose. Dort müssen "autonome Sendeeinrichtungen" gebaut werden, meist mit Solarzellen als Stromversorgung und einer Sendeeinheit ausgestattet, die dann auch noch diebstahlssicher angebracht sein müssen.

Service Umwelt ist eine Rubrik der WDR 5 Sendung Leonardo. Zu hören montags zwischen 16 und 17 Uhr.

Stand: 01.08.2016, 14:00