Service Umwelt - Wie gut kann eine App Pflanzen erkennen?

Service Umwelt - Wie gut kann eine App Pflanzen erkennen?

Von Octavia Verbücheln

Gute Apps zur Bestimmung von Pflanzen gibt es bislang nur wenige. Die meisten sind ähnlich aufgebaut wie ein Bestimmungsbuch. "Pl@ntnet" dagegen gehört zu einer neuen Generation von Identifizierungs-Apps.

Sie erkennt auf Fotos von Blüte oder Blatt, um welche Pflanze es sich handelt. So die Theorie. In der Praxis klappt das nicht immer, aber immer öfter.

Das Gesicht einer Pflanze

Das Besondere an "Pl@ntnet" ist die visuelle Erkennungssoftware. Eingesetzt werden solche Programme bereits, um Personen auf Fotos anhand ihrer Gesichter zu identifizieren. "Pl@ntnet" identifiziert Pflanzen anhand ähnlich typischer Merkmale. Die Anwendung ist denkbar einfach: Man macht mit dem Smartphone ein Foto von einem Blatt, einer Blüte, einer Frucht oder auch von der Borke eines Baumes, und die "App" durchsucht eine Bild-Referenzdatenbank nach Übereinstimmungen.

Je besser das Foto, desto genauer das Ergebnis

Auf dem Foto sollte das jeweilige Pflanzenteil vollständig und im Detail erkennbar sein. Am besten vor neutralem Hintergrund. Das ist nicht immer ganz einfach. Zur Not kann man eine Blüte oder ein Blatt abzupfen und auf den Boden legen. Es wird empfohlen, mehrere Aufnahmen zu machen, möglichst von verschiedenen Pflanzenteilen. Je mehr Vergleichsmaterial die "App" bekommt, desto genauer wird das Ergebnis.

Zwischen Lust und Frust

Hat man die Suchabfrage gestartet, bekommt man sehr schnell die Treffer angezeigt. Im Idealfall findet die "App" gleich die eine richtige Antwort. In der Regel erhält man jedoch eine ganze Liste von den in Frage kommenden Pflanzenarten. Und dann heißt es: auswählen. Durch Anklicken kann man zu jeder Art weitere Abbildungen aus der Datenbank holen. Bei häufigen Arten stehen um die hundert Aufnahmen zur Verfügung. So kommt man dem richtigen Ergebnis langsam näher. Es kann aber auch sein, dass die gesuchte Pflanze nicht dabei ist. Die Trefferquote liegt derzeit nur bei etwa 50 Prozent.

Das Wissen Vieler

Doch "Pl@ntnet" entwickelt sich ständig weiter. Die "App" funktioniert nach dem Prinzip "Wikipedia". Jeder kann Fotos von identifizierten Pflanzen einstellen. Halten sie der fachlichen Überprüfung stand, werden sie in die Datenbank aufgenommen. Auf diese Weise sind inzwischen rund 24.000 Bilder von über 6.000 Pflanzenarten zusammengekommen. Und es werden täglich mehr. Aber es sind eben noch lange nicht alle.

Schwerpunkt Frankreich

Entwickelt wurde "Pl@ntnet" von einem französischen Forscherteam für die Bestimmung von in Frankreich heimischen Wildpflanzen. Dementsprechend ist die Referenzdatenbank aufgebaut. Das hat Konsequenzen für die Anwendung der "App" in Deutschland. Einerseits findet man einige unserer heimischen Pflanzenarten (noch) nicht, andererseits werden auch Pflanzen als Treffer angezeigt, die zum Beispiel nur im Mittelmeerraum vorkommen.

Für Fachleute und Laien

Bei "Pl@ntnet" geht es ausschließlich um Wildpflanzen. Garten- und Zimmerpflanzen werden nicht berücksichtigt. Die "App" richtet sich an Botaniker, Förster und Landwirte, aber auch an naturinteressierte Laien. Botanische Vorkenntnisse sind hilfreich, aber nicht zwingend notwendig. Die "App" hat durchaus auch einen "Lerneffekt mit Spaßfaktor".

Sammeln und  Mitmachen

Unter "Meine Beobachtungen" werden alle aufgenommenen Pflanzenfotos automatisch gespeichert, gegebenenfalls mit den "GPS"-Daten des Fundortes. Damit kann man seine eigene Pflanzensammlung aufbauen. Da jedes Foto Speicherplatz benötigt, ist es ratsam, das Archiv vom Smartphone auf den heimischen PC zu verlagern. Registrierte Nutzer können Fotos von eindeutig bestimmten Pflanzen als Beiträge zur Datenbank einstellen. Je mehr Menschen mitmachen, desto schneller erhöht sich die Trefferquote.

Kostenlos und gewichtslos

"Pl@ntnet" ist nicht perfekt, aber es hat den großen Vorteil, dass man die "App" auf seinem Smartphone immer mit dabei hat. Dicke, schwere Bestimmungsbücher können zu Hause bleiben. Es lohnt sich durchaus, die kostenlose "App" einmal auszuprobieren. Alles, was man braucht, ist ein Smartphone mit einer guten Kamera und eine Verbindung zum Internet. Unterwegs in freier Natur klappt das nicht immer. Aber anhand der gemachten Fotos kann man die Bestimmung auch später noch zu Hause in aller Ruhe nachholen. Und wenn man gar nicht weiterkommt, stellt man seine Fotos ein und bittet die Gemeinschaft der Nutzer um Hilfe. Eine Antwort kommt per "E-Mail".

Service Umwelt ist eine Rubrik der WDR 5 Sendung Leonardo. Zu hören montags zwischen 16 und 17 Uhr.

Stand: 25.07.2016, 15:05