Wie sehr die Menschheit über ihre Verhältnisse lebt

In einer ausgestreckten Hand die ins Weltall ragt, liegt beschützt unsere Erde.

Wie sehr die Menschheit über ihre Verhältnisse lebt

Von Mathias Tertilt

  • Weltbevölkerung soll bis 2100 deutlich ansteigen.
  • Menschheit verbraucht jedes Jahr mehr Ressourcen, als regeneriert werden.
  • Steigender Verbrauch zu Lasten der Umwelt.

2100 sollen mehr als 11,2 Milliarden Menschen auf der Erde leben. Die Zahl stammt aus einem aktuellen UN-Papier. Bislang war man davon ausgegangen, dass die Weltbevölkerung nach 2075 nicht mehr steigen und vom Höchststand von 9,2 Milliarden Menschen wieder sinken würde.

Wir bräuchten 1,7 Erden

Schon jetzt aber verbraucht die Menschheit jedes Jahr mehr Ressourcen, als die Erde bereitstellen und regenerieren kann. Einen Hinweis darauf liefert der sogenannte Earth Overshoot Day (auf Deutsch etwa: Weltüberlastungstag), der aktuell auf den 2. August datiert ist.

Das ist der Tag, an dem der Mensch so viel verbraucht hat, wie die Erde im ganzen Jahr erneuern kann. Ein weiteres Fazit aus diesen Berechnungen: Für den jährlichen Ressourcenverbrauch der Menschheit wären mehr als 1,7 Erden nötig.

Dabei lebt sogar ein Großteil der Menschheit derzeit noch halbwegs umweltverträglich. Die Bevölkerung der Regionen, die sich derzeit stark entwickeln, nutzen derzeit pro Einwohner wenige Ressourcen. Das könnte sich in Zukunft ändern, denn auch Inder, Äthiopier und Honduraner streben nach Lebensstandards wie in westlichen Industrienationen.

Unverbraucht? - Nachhaltigkeit

WDR 5 Das philosophische Radio | 12.01.2018 | 53:41 Min.

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Wenn alle so lebten, wie die Deutschen, bräuchten wir 3,2 Erden

Laut der offiziellen Seite des Overshoot Day würde die Menschheit 3,2 Erden benötigen, wenn jeder Mensch auf der Welt nach dem deutschen Standard leben würde. Die Berechnungen werden kritisiert – so würden sich Wälder und Fischbestände etwa schneller regenerieren als angegeben. Allerdings fehlen für exakte Berechnungen die nötigen Datensätze, sagte der Vorsitzende des Global Footprint Networks.

Der Energie- und Ressourcenverbrauch korreliert zwar mit dem Bevölkerungswachstum. Ein Kollaps, wie ihn im 18. Jahrhundert schon Robert Malthus vorhersagte oder in den 80er Jahren Paul Ehrlich, ist jedoch bislang nicht eingetreten.

Massive Düngung belastet Umwelt im hohen Maße

Maschinen, Gentechnik und andere Erfindungen haben es geschafft, die Grenzen der Tragfähigkeit zu verschieben. Der Mensch hat effizienter und daher mehr produziert, um den wachsenden Bedarf zu decken. Ob dieses Tempo beibehalten werden kann, ist jedoch fraglich.

Viele Maßnahmen, etwa die massive Düngung in der Landwirtschaft, belasten zudem langfristig die Umwelt in einem sehr hohen Maße, wie Studien des Stockholm Resilience Centre zeigen. Folgen wie Artensterben, Stickstoffeinträge und Klimawandel lassen sich aber nicht mehr rückgängig machen. Und die Verschmutzung der Atmosphäre oder durch Chemikalien sind noch gar nicht umfassend berechnet.

Um die Schäden zu bremsen, helfen laut Experten Bildung und Bewusstsein. Neben besseren Produktionsmethoden und -weisen sei aber auch eins unverzichtbar: eine grundlegende Verhaltensänderung, etwa Fleischverzicht sowie weniger Wasser- und Energieverbrauch,  um mehr Menschen einen nachhaltigen Konsum zu ermöglichen.

Stand: 05.02.2018, 17:00