Der Regenwurm als Leittier des Bodens

Ein Maulwurf frisst einen Regenwurm

Der Regenwurm als Leittier des Bodens

  • Regenwürmer werden immer seltener auf deutschen Äckern, viele Arten sind bedroht
  • Grund ist die moderne Landwirtschaft mit Monokulturen und Maschinen- und Chemieeinsatz
  • WWF warnt vor Überschwemmungen und schlechten Erträgen

Mehr als die Hälfte der insgesamt 46 Wurmarten, die es in Deutschland gibt, werden als "selten" oder sogar "extrem selten" eingestuft. In der Landwirtschaft sei auch die Individuenzahl und damit die Biomasse gering. Zum Teil sinke sie auf unter 30 Tiere pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Der Durchschnitt liegt bei rund 120 Exemplaren, auf wenig gepflügten Ökoäckern werden sogar bis zu 450 Würmer gezählt. Auf den Äckern des bekannten "Regenwurm-Bauern" Sepp Braun in Bayern wurden in der Spitze sogar bis zu 600 gezählt.

Als Grund für den geringen Bestand an Regenwürmern nennt der WWF die Produktionsweise in der modernen Landwirtschaft. Ammoniak, das bei der Düngung mit Gülle auf die Felder ausgebracht wird, verätzt sie, intensive maschinelle Bodenbearbeitung zerschneidet sie und das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat vermindert die Fortpflanzung. Hinzu kommt die Monokultur beim Maisanbau. Die folge dem Ideal eines sauberen, also nackten Bodens. Erntereste, Spontanwuchs oder Zwischenfrüchte sind jedoch eine wichtige Lebensgrundlage für Würmer. Fehlen die, weil die Äcker gesäubert werden, verhungern Würmer.

Schleimer, Muskelprotz und emsiger Erdarbeiter

Von Katja Goebel

Ein Regenwurm schlängelt sich durch nasses Gras

45 Regenwurmarten gibt es allein in Deutschland. Dabei heißt der Regenwurm in anderen Ländern gar nicht so. Im Englischen und Französischen wird er vielmehr als "Erdwurm" bezeichnet. Sein lateinischer Name "Lumbricus" heißt wörtlich übersetzt "Der Schleimer“. Dieser Muskelprotz gehört außerdem zu den stärksten Tieren der Welt – immerhin kann er das 60-fache seines Gewichts mit dem Kopf wegdrücken. Das wäre ja fast so, als würde ein Mensch einen Elefanten auf dem Kopf balancieren.

45 Regenwurmarten gibt es allein in Deutschland. Dabei heißt der Regenwurm in anderen Ländern gar nicht so. Im Englischen und Französischen wird er vielmehr als "Erdwurm" bezeichnet. Sein lateinischer Name "Lumbricus" heißt wörtlich übersetzt "Der Schleimer“. Dieser Muskelprotz gehört außerdem zu den stärksten Tieren der Welt – immerhin kann er das 60-fache seines Gewichts mit dem Kopf wegdrücken. Das wäre ja fast so, als würde ein Mensch einen Elefanten auf dem Kopf balancieren.

Als unermüdlicher Erdarbeiter macht er sich ein Leben lang nützlich. Durch seine Wohnröhren in der Erde sorgt er für Belüftung und Auflockerung des Bodens. Er ernährt sich von Blättern und Pflanzenresten. Die Blätter zieht er in seine Röhre. "Gerade jetzt im Herbst kann man beobachten, wie manchmal Blätter senkrecht im Rasen stecken", so Laukötter. Das frische Blatt kann er aber nicht gleich fressen. "Es muss erst von Pilzen anverdaut werden."

In menschlicher Obhut können Regenwürmer bis zu zehn Jahre alt werden. In der Natur aber meist nur 1-2 Jahre, denn: Überall lauern Fressfeinde. Regenwürmer sind für viele Tiere eine schmackhafte Nahrung. Vor allem Maulwürfe und Mäuse ernähren sich von der fleischigen Beute.

Folgen für das Ökosystem

Dieser geringe Bestand an Regenwürmern im Boden bleibe nicht ohne Auswirkungen auf das Ökosystem, warnt nicht nur der WWF, sondern auch der Agrarwissenschaftler Heinz-Christian Fründ von der Hochschule Osnabrück. Die Böden sind kompakter, schlechter durchlüftet und können weniger Wasser aufnehmen und verteilen. "Ohne Regenwürmer ist der Boden lahm", fasst es WWF-Landwirtschaftsexpertin Birgit Wilhelm zusammen. Die Folge: Bauern müssen öfter pflügen und mehr Dünger und Chemie ausbringen. Das wiederum schadet den Würmern – ein Teufelskreis.

Aber auch der Mensch ist von den Auswirkungen betroffen, erklärt Birgit Wilhelm. Ein auf diese Weise veränderter Boden reagiere wie ein verstopftes Sieb. Regen könne nicht mehr abfließen. "Dies führt zu Hochwassern und deren Schlammfracht, die nichts anderes ist als abgetragener Boden."

Der Wurm als Leittier des Bodens

Die Regenwürmer leisten erstaunliche Arbeit für das Ökosystem. Sie graben auf der Suche nach pflanzlicher Nahrung weitreichende Tunnelsysteme. Im naturnahen Ackerboden erreichen die eine Länge von bis zu 450 Meter pro Quadratmeter, unter einer Wiese sogar bis zu einem Kilometer. Naturschützer vom WWF rechnen vor, dass schon ein durchschnittlicher Bauernhof in seinem Erdreich ein Tunnelsystem hat, das ungefähr zehn mal so lang wie der Erdumfang ist.

Genau deshalb ist der Wurm das Leittier im Erdreich. Entlang seiner Tunnel verteilt sich das Regenwasser besser, das Erdreich wird aufgelockert und die Pflanzen nutzen diese Tunnel auch sehr gern, um ein üppiges Wurzelsystem auszubilden. Der Wurm ist eben nicht nur gut als Lebendfutter für Vögel und Maulwürfe.

Stand: 04.01.2017, 10:44