Roboter als "Pflanzenbaumeister"

Pflanzenroboter in Paderborn

Roboter als "Pflanzenbaumeister"

Roboter schweißen Auto-Karosserien oder mähen Rasen. Demnächst begrünen sie vielleicht auch Möbel, Wände oder ganze Häuser. Künftig sollen sie für maßgeschneidertes Wachstum sorgen und Städte begrünen - als Pflanzen-"Architekten".

Roboter mit einem grünen Daumen? Das klingt erst mal wie Science Fiction. Seit dem vergangenen Jahr wird jedoch genau daran geforscht. "Flora robotica", so der Name des EU-Projekt, an dem neben dänischen, polnischen und österreichischen Wissenschaftlern auch Forscher der Universität Paderborn beteiligt sind. Dort arbeiten Informatiker, Zellbiologen, Architekten, Zoologen und Mechatroniker als internationales Team zusammen. Die EU unterstützt es mit 3,6 Millionen Euro Fördergeldern. Das phantastische Ziel: Die neue Form der robotergesteuerten Begrünung soll ganz gezielt die Städte erobern.

Ampelsystem für Pflanzen

Dafür, dass alles sprichwörtlich in "vorbestimmten Bahnen" wächst und im "grünen Bereich" ist, sollen im Paderborner Labor künstliche Sonnen sorgen - acht von den Wissenschaftlern selbst entwickelte Roboterlampen. Sie sind immer paarweise und in unterschiedlichen Abständen an einem etwa hüfthohen Gerüst befestigt, an dem sich die Bohnensprösslinge empor ranken. Die LEDs in den selbst entwickelten Lampen, erklärt Projektleiter Heiko Hamann, schalten nur zwischen rotem Licht und blauem Licht um. "Die Pflanze reagiert, indem sie auf das blaue Licht hin wächst", so der Forscher. Das rote Licht nutze sie zwar zur Photosynthese, aber sie ändert nicht die Richtung ihres Wachstums.

Um zu verhindern, dass die Pflanze vom Kurs abweicht, experimentieren die Wissenschaftler nicht nur mit Licht, sondern auch mit Erschütterungen und Vibrationen. "Man kann sich das bei einer begrünten Wand vorstellen, dass da bestimmte Bereiche für Fenster oder so frei gehalten werden sollen." Vorteil: niemand muss dann mit der Gartenschere kommen, um Teile wieder abzuschneiden.

Pflanzenroboter in Paderborn

Ohne Korsett geht es nicht

Damit die Pflanzen künftig maßgeschneidert wachsen, brauchen sie vorübergehend eine Art Korsett. Auch daran tüfteln Wissenschafter im Projekt "flora robotica" bereits, in Paderborn zum Beispiel der iranische Informatiker Mohammed Dyphan-Sorati. Er experimentiert mit langen weißen Plastikstreifen, die zu einem korbförmigen Gewebe geflochten sind. "Die Pflanze wächst innen, außen oder irgendwo. In diesem Fall ist es ein Gewebeschlauch."

Das stellt besondere Ansprüche an das Design der Gärtner-Roboter. Wenn wir an die große Empfindlichkeit der Pflanzen denken, dürfen die Maschinen nicht starr sein oder aus Metall. Denn die Pflanzen müssen ja unverletzt bleiben.

Leidige Frage, wer im Urlaub gießt, wäre zumindest erledigt

Fest steht: Die Roboter-Gärtner müssten ganz klein und leicht sein, sowie dicht bei den Pflanzen, um deren Wachstum zu stimulieren, die Triebe dabei zu begleiten, ihr Wohlbefinden automatisch zu überwachen und - wo nötig - den Menschen zu rufen, der dann korrigierend eingreift. Noch klingt das wie ziemlich schräge Zukunftsmusik, aber die Paderborner Wissenschaftler sind fest vom Erfolg ihrer Forschungsergebnisse überzeugt, auch Forschungsleiter Heiko Hamann. "Ich glaube schon, dass wir in zehn, zwanzig Jahren soweit sind, dass wir solche Systeme in den Städten haben und solche grünen Wände wachsen lassen können." Dann muss man sich auch keine Gedanken machen, wenn man in Urlaub fährt. Das Gießen geschieht dann ganz automatisch.

Autor des Radiobeitrags ist Jörn Haarmann.

Stand: 20.02.2017, 10:53