Ölteppich vor Borneo bedroht Mangrovenwälder

Ein Mann sammelt Öl aus einem Hafen ein. Wegen eines riesigen Ölteppichs drohen vor der Ostküste der Insel Borneo schwere Umweltschäden.

Ölteppich vor Borneo bedroht Mangrovenwälder

  • 60 Kilometer Küste wurden bisher verschmutzt
  • Öl stammt aus einer defekten Pipeline
  • Artenreiche Mangrovenwälder sind besonders gefährdet

Die Insel Borneo ist einer der artenreichsten Flecken der Erde. Nicht nur die Regenwälder sind für ihre besondere Vielfalt von Tieren und Pflanzen bekannt. Auch in den Küstenregionen und Meeren rund um die Insel leben ganz besondere Arten.

Pipeline aus bisher ungeklärter Ursache beschädigt

Doch an der Ostküste der Insel bedroht jetzt ein Ölteppich Natur und Menschen. Seit vergangenem Samstag breitet er sich vor der Hafenstadt Balikpapan aus. Das Öl stammt aus einer Pipeline des staatlichen Energiekonzerns Pertamina, die aus bisher ungeklärten Gründen beschädigt wurde.

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WDR 5 Leonardo | 05.04.2018 | 01:10:00 Std.

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Durch Brände des Ölteppichs wurden fünf Menschen getötet. Zudem leiden Bewohner der Küstenstadt unter Übelkeid und Erbrechen. Deshalb sollen jetzt die Küsten vor den Wohngebieten als erstes vom Öl gereinigt werden.

Indonesiche Behörden bestätigen Umweltschäden

Welche Folgen das Unglück für die Umwelt haben wird, ist derzeit noch nicht vollständig absehbar, sagt Jörg Feddern vom Umweltverband Greenpeace. Deshalb habe Greenpeace ein Expertenteam an den Unglücksort geschickt, das genauer beobachten soll, wie sich das Öl vor der Küste verbreitet.

Bisher haben indonesische Behörden bereits gemeldet, dass zahlreiche Fische und andere Meerestiere verendet sind und mindestens 34 Hektar Mangrovenwald beschädigt wurden. Magrovenwälder wachsen in den Gezeitenzonen tropischer Meere.

Gefahr für unzählige Bäume, Vögel und Fische

Thailand

Mangrovenwälder sind Heimat vieler Tier- und Pflanzenarten

Solche Mangroven seien ökologisch gesehen sehr wichtige Lebensräume, betont Inga Nordhaus vom Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung in Bremen, die die Mangroven an der Ostküste Borneos kennt: "Nicht nur die Vögel, die in den Bäumen leben oder die Fische die bei Flut hineinschwimmen sind bedroht. Auch im Boden, im tiefen Schlick, leben unzählige Arten von Muscheln und Krabben; und Mangroven behergen auch die Jungtiere sehr vieler Arten."

Schon jetzt sind viele Mangrovenwäldern zerstört

Besonders problematisch ist, dass viele der Magrovenwälder der Region bereits jetzt stark zerstört sind, weil an dieser Küste zahlreiche Aquakulturen für die Produktion von Garnelen angelegt wurden. Nun sind die übrigen Mangroven vom Öl bedroht. "Wir wissen aus Studien, dass sich Mangroven nach Ölunfällen nur sehr langsam erholen", sagt Nordhaus. "Man kann den Schlickboden kaum reinigen und selbst Tiere und Pflanzen, die nicht sofort nach einer Ölkatastrophe verenden, vermehren sich danach zum Beispiel langsamer."

Die berühmten Korallenriffe vor der Ostküste Borneos sind dagegen nach derzeitigem Stand nicht akut bedroht. Weil sie weiter nördlich liegen, könnte es sein, dass die Verschmutzung durch den Ölteppich sie nicht erreicht.

Stand: 05.04.2018, 16:00