Wie Nitrat Mensch und Umwelt belastet

Nitrat

Wie Nitrat Mensch und Umwelt belastet

Von Ildiko Holderer

Laut dem Nitratbericht der Bundesregierung ist in knapp einem Drittel der gemessenen Fälle zu viel Nitrat im Grundwasser. Für Mensch und Umwelt hat das gravierende Folgen.

Wie mit den meisten Dingen verhält es sich auch mit dem Nitrat: Zu viel ist schädlich. Das zeigt unter anderem der aktuelle Nitratbericht der Bundesregierung. Demnach sind die Nitratwerte im deutschen Grundwasser an 28 Prozent der Messstellen zu hoch. Hauptursache dafür ist die massenhafte Ausbringung von Gülle in der Landwirtschaft.

Umwandlung zu giftigem Nitrit

Nitrat ist eine Verbindung aus Stickstoff und Sauerstoff. Stickstoff gilt als Grundbaustein der Natur. Und auch die Verbindung Nitrat ist in normaler Konzentration überlebenswichtig für unser Ökosystem: Pflanzen brauchen Nitrat, um Eiweiße aufzubauen.

In der Natur kommt Nitrat zum Beispiel im Boden vor, doch auch Düngemittel enthalten hohe Mengen der Stickstoff-Sauerstoff-Verbindung. Nitrat selbst ist für Erwachsene nicht gesundheitsgefährdend, für Säuglinge in zu hohen Mengen allerdings schädlich.

"In seltenen Fällen kann es zu Störungen der Sauerstoffversorgung kommen", erläutert Biologe Markus Salomon vom Sachverständigenrat für Umweltfragen. Wandeln Bakterien das Nitrat um, wird es zu Nitrit, das an der Bildung krebserregender Nitrosamine beteiligt ist.

Grundwasser ist nicht gleich Trinkwasser

Durch Düngemittel gelangt Nitrat ins Grundwasser. Laut einem Gutachten des Sachverständigenrats für Umweltfragen vom November 2015 sind aufgrund des zu hohen Nitratgehalts 27 Prozent aller Grundwasserkörper in einem schlechten chemischen Zustand.

Trinkwasser aus der heimischen Wasserleitung

Unser Trinkwasser ist zu fast 100 Prozent frei von Nitrat.

Doch Grundwasser ist nicht gleich Trinkwasser: Bevor das Wasser aus dem Wasserhahn zu Hause kommt, wird es in den Wasserwerken der Kommunen aufbereitet. Ist es nitrathaltig, muss das Wasser mithilfe von Membranen oder Aktivkohle gefiltert werden – für einen horrenden Preis.

Der Verbraucher zahlt

Bis zu einen Euro pro Kubikmeter kann es laut Umweltbundesamt im schlimmsten Fall kosten, das Nitrat aus dem Wasser zu filtern. "Ein Zweipersonenhaushalt mit 80 m³ zahlt dann nicht wie bislang durchschnittlich 95 Euro pro Jahr, sondern eher 140 Euro", sagt Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamts. Zahlen müssen für den Mehraufwand nach jetziger Rechtsprechung die Wasserwerke und der Verbraucher, nicht der Verursacher.

Immerhin gewährleisten die kommunalen Wasseranbieter eine Einhaltung der Grenzwerte zu fast 100 Prozent. Zu hohe Mengen an Nitrat im Trinkwasser können daher lediglich bei Haushalten vorkommen, die eine eigene Trinkwasserversorgung haben. Diese Haushalte sind jedoch dazu verpflichtet, ihr Wasser regelmäßig auf den Nitratgehalt zu überprüfen.

Auswirkungen auf Umwelt und Klima

Nicht nur für Menschen, auch für die Umwelt können zu hohe Konzentrationen von Nitrat und Co. im Boden schädlich sein. "Zu hohe Stickstoffmengen, in Form von Nitrat und Ammonium, tragen zum Verlust der Artenvielfalt und der Ökosysteme bei, da sie die Böden versauern und überdüngen und so empfindliche Arten verdrängt werden", sagt Markus Geupel vom Umweltbundesamt. Die Überdüngung sei auch ein Problem in Gewässern.

Durch biologische Umwandlungsprozesse wird außerdem Ammoniak, eine Verbindung aus Stick- und Wasserstoff, freigesetzt. Bei der Düngung entweicht Ammoniak in die Atmosphäre. Ein Teil davon wird in der Atmosphäre zu Feinstaub umgewandelt. Außerdem entsteht das als Treibhaus bekannte Lachgas, das zum Klimawandel beiträgt.

Stand: 03.01.2017, 16:50