Günstiges Fleisch oder günstiges Wasser?

Gülletraktor

Nitrat und die Folgen der Massentierhaltung

Günstiges Fleisch oder günstiges Wasser?

Von Philipp Ruhmhardt

Nitrat belastet unser Wasser, Schuld daran ist, so die Experten, vor allem die Massentierhaltung. Viele Tiere produzieren viel Gülle und dadurch kommen viele Schadstoffe ins Wasser. Aber was kann man dagegen tun?

Nordrhein-Westfalen hat ein Gülle-Problem. Denn wenn zu viel Gülle als Dünger benutzt wird, gelangt zu viel Nitrat ins Grundwasser. Bereits 40 Prozent des Grundwassers in NRW ist in chemisch schlechten Zustand - wegen der hohen Nitratbelastung. Teilweise werden die Grenzwerte der EU um ein Vielfaches überschritten. Hauptursache ist die industrielle Landwirtschaft mit ihrer Massentierhaltung. Denn viele Tiere bedeuten: viel Gülle. Die Gülle wird als Dünger auf die Felder ausgebracht. Im Boden können aber nicht alle Nährstoffe - auch das Nitrat - von den Pflanzen aufgenommen werden und gelangen so mit dem Regenwasser ins Grundwasser.

Deutschland droht eine Klage vor dem EuGH

Das stellt auch viele Wasserwerke vor Probleme. "Grundwasser ist endlich", warnt Ulrich Peterwitz von Gelsenwasser, dem größten Wasserversorger in Nordrhein-Westfalen. Dabei ist das Nitratproblem nicht neu: Schon in den 1990er Jahren wurde von der EU eine Nitratrichtlinie eingeführt. Sie setzt einen Grenzwert von 50 mg Nitrat pro Liter Wasser fest. Aus Sicht der Wasserwerke müsste die Politik längst handeln, damit der Grenzwert eingehalten werden kann. Eine Düngeverordnung ist nötig - doch die werde auf Druck von Lobbygruppen immer wieder verschoben.

Das kritisiert auch NRW-Umweltminister Johannes Remmel. Die Große Koalition mit Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt "zögert das Problem haraus", klagt der NRW-Minister. "Wir haben noch nicht mal einen abgestimmten Entwurf einer Verordnung." Remmel will es nicht so weit kommen lassen wie in Frankreich, die in dieser Frage vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) angeklagt sind. Auch Deutschland droht eine solche Klage.

Kosten für die Wasseraufbereitung zahlt der Verbraucher

Viele Jahre dauert es, bis der Dünger durch die Bodenschichten gesickert und im Grundwasser angekommen ist. Bis Maßnahmen, die heute ergriffen werden, ihre Wirkung zeigen, dauert es auch. Nitratexpertin Angela Herzberg, die lange für die Rheinisch-Westfälischen Wasserwerke gearbeitet hat, sagt, es sei nur eine Frage der Zeit, bis der Verbraucher dafür bezahlen muss. Die Trinkwasserversorger könnten nichts anderes tun, "als das Wasser aufzubereiten". Entweder wird das belastete Wasser mit Unbelastetem gemischt, bis die Grenzwerte unterschritten werden. Oder das Wasser wird gefiltert. Beide Verfahren sind aufwendig und kostspielig. "Das, was am Ende diese Aufbereitung kostet, wird auf die Verbraucher umgelegt", sagt sie.

Weniger Gülle wird nur dann produziert, wenn die Landwirte in NRW weniger Tiere halten. Das wiederum hätte dann höhere Fleischpreise zur Folge. Man könne sich aussuchen, ob man entweder billiges Fleisch essen oder günstiges Wasser trinken will, meint Angela Herzberg. Beides werde langfristig nicht möglich sein.

Stand: 18.11.2015, 06:00