Gesundheitsrisiko im Trinkwasser?

Wasserprivatisierung

Fakten zum Thema Nitrat

Gesundheitsrisiko im Trinkwasser?

Von Ruth Schulz

Nitrat kommt in der Natur vor. Über Gülle, Kunstdünger oder Gährreste aus Biogasanlagen gelangt aber viel zusätzliches Nitrat in Böden und damit auch ins Grundwasser. Was hat es mit dem Stoff auf sich?

Nitrate sind wasserlösliche Salze, die natürlich im Boden vorkommen. Auch die Ausscheidungen von landwirtschaftlich gehaltenen Tieren enthält Nitrat. Da diese Stoffe Pflanzen als Nährstoff dienen, werden Nitrate auch zu Kunstdünger verarbeitet oder in Form von Gülle oder Gährreste aus Biogasanlagen in der Landwirtschaft eingesetzt.

Stickstoff als Nährstoff

Pflanzen, Tiere und Menschen brauchen Stickstoff, um daraus im Körper Eiweiße bilden zu können. Nur wenige Pflanzen können Stickstoff aus der Luft binden. Deshalb werden die Böden gedüngt. Vor allem in Blattsalaten und Wurzelgemüse reichert sich viel Stickstoff an. Über sie nehmen wir das meiste Nitrat zu uns. Im Herbst oder Winter geerntetes Gemüse enthält mehr Nitrat als Sommergemüse, Grünzeug aus dem Gewächshaus mehr als Freilandgemüse. Auch gepökelte Fleischwaren und eben Trinkwasser sind solche Nitratquellen. Nitrat selbst ist für Erwachsene nicht schädlich. Durch Einwirken bestimmter Bakterien im Darm kann sich Nitrat aber zu Nitrit oder krebserregenden Nitrosaminen wandeln.

Riskante Nitrosamine

Tierversuche haben gezeigt, dass Nitrosamine Krebs verursachen können, wenn sie in hohen Dosen gespritzt oder inhaliert werden. In Zigarettenrauch sind viele Nitrosamine enthalten, die zum Krebsrisiko des Rauchens beitragen. Unklar ist allerdings noch, wie groß das Risiko durch Nitrosamine ist, die über das Essen oder über Wasser eingenommen werden. Wissenschaftler schätzen die Gefahr derzeit als eher gering ein, raten aber, nicht unnötig viel Nitrat über längere Zeit zu konsumieren.

Vorsicht bei Säuglingsnahrung

Wird Nitrat durch normale chemische Prozesse zu Nitrit, können chemische Verbindungen, die daraus später entstehen, bei Säuglingen bis zum Alter von drei Monaten den roten Blutfarbstoff verändern. Das Blut kann dann Sauerstoff nicht mehr gut transportieren, was bei kleinen Kindern sogar bis zum Tod führen kann. Wasser für Säuglingsnahrung sollte deshalb möglichst wenig Nitrat enthalten. Wasser, dessen Nitratgehalt unter dem geltenden Grenzwert von 50 mg/l liegt, ist für Säuglinge unbedenklich.

Ausführlichen Informationen zum Thema Nitrat und Nitrit sind beim Bundesinstitut für Risikobewertung erhältlich.

Stand: 23.11.2015, 15:00