Warum es sinnlos ist, Kanada- und Nilgänse zu vertreiben

Fünf Nilgänse am Flussufer

Warum es sinnlos ist, Kanada- und Nilgänse zu vertreiben

Von Andreas Sträter

  • Ideen, wie sich die Populationen begrenzen lassen
  • Was es bringt, die Nahrung einzuschränken
  • Warum wir uns mit invasiven Arten arrangieren sollten

Nicht jedes Tier ist erwünscht: Invasive Arten können zu einem Problem werden, wenn sie das Ökosystem aus dem Gleichgewicht bringen und andere heimische Tierarten verdrängen. Am Phönixsee in Dortmund sorgen bis zu 1000 Kanada- und Nilgänse zudem für ein Kotproblem, durch das schon das Ufer stellenweise abgesackt ist.

Auch anderswo führen die Tiere zu Problemen, etwa in Schwerte oder Düsseldorf. Städte und Gemeinden suchen daher nach Wegen, die Population von invasiven Arten einzudämmen. Zum Beispiel so:

  • Eier aus den Nestern klauen,
  • Seeadler aussetzen, um Wildgänse zu verjagen,
  • den Gänsen Anti-Baby-Pillen für Tiere verabreichen oder
  • Jagen, fangen und anschließend vergasen, so geschehen in den Niederlanden.

Was es bringt, die Nahrung einzuschränken

Doch all diese Ideen bringen nichts, zumindest nicht dauerhaft, sagt der Ornithologe Helmut Kruckenberg. Das einzig Sinnvolle sei, den Tieren die Nahrung zu entziehen. So müsse beispielsweise ein Futterverbot ausgesprochen werden, das auch streng kontrolliert werde.

Auch die Grünflächen am See solle man besser nicht mähen: "Ungedüngte oder langrasige Nahrungsflächen weisen weniger Küken pro Paar auf als Golfrasen." Es könne zudem helfen, Zäune aufzustellen.

All diese Maßnahmen verlagern das Problem aber nur. "So lange die Menschen Seen in Parks gut finden, so lange werden auch Wasservögel solche Plätze gut finden", sagt Kruckenberg: "Arten wie Kanada- und Nilgänse wachsen soweit es der Raum hergibt."

Zu uns gekommen sind die Gänse in den 1930-er Jahren, erst wurden sie in Zoos und von Züchtern gehalten, später schmückten sie auch Wasserschlösser. Vor allem Nilgänse vermehren sich gut und seien dominant, erläutert Kruckenberg.

Fazit

Es bleibt uns nichts anderes übrig, als uns mit den Tieren zu arrangieren. "Zunächst muss man kritisch fragen, wie groß die diskutierten Probleme wirklich sind", sagt Kruckenberg: "Immerhin haben wir den Tierschutz als Staatsziel im Grundgesetz stehen." Tiere aus kosmetischen Gründen umzubringen, dürfte daher schwierig sein. "Man sollte sich also zunächst überlegen, ob man die Vögel nicht wirklich tolerieren kann."

Stand: 31.01.2018, 11:48