Die Meere verlieren Sauerstoff

Ein Buckelwal hebt seinen Rücken aus dem Wasser.

Die Meere verlieren Sauerstoff

Von Sarah Ziegler

  • Wassermenge ohne Sauerstoff hat sich vervierfacht
  • Erderwärmung und Überdüngung sind die größten Probleme
  • Mögliche Folge: Manche Fische wachsen und vermehren sich schlechter.

Die Ozeane verlieren Sauerstoff. Die Wassermengen, in denen sich gar kein Sauerstoff mehr nachweisen lässt, haben sich in den vergangenen 50 Jahren vervierfacht. Solche sauerstofffreien Zonen finden sich vor allem im offenen Ozean.

Doch auch an den Küsten verschärft sich die Situation – hier gibt es immer mehr Gebiete, in denen nur noch so wenig Sauerstoff vorhanden ist, dass es für viele Lebewesen kritisch wird – hierzulande vor allem in der Ostsee. Das hat ein internationales Forscherteam mit Beteiligung des Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung GEOMAR in Kiel ermittelt.

Warmes Wasser – weniger Sauerstoff

Mehrere Dorsche schwimmen in einem Aquarium.

Fische

Für diese Entwicklung gibt es verschiedene Gründe. Im offenen Meer spielt vor allem die Erderwärmung eine tragende Rolle. Ein großer Teil des Meeressauerstoffs wird an der Wasseroberfläche aus der Luft aufgenommen. Doch das funktioniert am besten, wenn die Temperatur des Wassers an der Oberfläche kühl ist. Je wärmer das Wasser, desto schlechter löst sich der Sauerstoff aus der Luft darin.

Außerdem vermischen sich die einzelnen Schichten des Meeres bei wärmeren Temperaturen nicht mehr gut. Der Sauerstoff wird also schlechter in die tieferen Ebenen transportiert.

Ozeanen geht die Luft aus

WDR 5 Leonardo Top Themen | 08.01.2018 | 05:16 Min.

Download

Zu gut gedüngt

An den Küsten entstehen die sauerstoffarmen Gebiete vorrangig durch Überdüngung. Dünger aus der Landwirtschaft und andere Abfälle gelangen über Flüsse an die Küsten. Das Wasser dort ist dadurch sehr nährstoffreich und viele Wasserpflanzen wie Algen wachsen. Diese werden später von Bakterien zersetzt – und die verbrauchen dabei jede Menge Sauerstoff.

Anpassen oder flüchten

Im Laufe der Evolution haben manche Arten sich auf ein Leben ohne oder mit wenig Sauerstoff im Wasser angepasst. Manche Bakterien in solchen Gebieten atmen Nitrat statt Sauerstoff. Vampirtintenfische können den wenigen Sauerstoff in ihrem Lebensraum deutlich besser verwerten.

Aber viele Arten könnten auf der Strecke bleiben. Niedrige Sauerstoffniveaus führen bei manchen Fischen zum Beispiel dazu, dass sie kleiner bleiben oder sich nicht gut vermehren können. Andere werden die sauerstoffarmen Zonen meiden und sich auf die Suche nach kühleren Gebieten machen. Die wachsenden sauerstoffarmen und -freien Zonen bedeuten aber vor allem, dass den Meerestieren weiterer Lebensraum genommen wird.

Stand: 09.01.2018, 15:00