Masthähnchen: Fast alles vom Tier wird verwertet

Masthähnchen: Fast alles vom Tier wird verwertet

Von Andreas Sträter

Masthähnchen sollen ein pralle Brust aufbauen. Kein Teil ist bei den Deutschen so beliebt wie das fettarme Brustfilet. Doch was passiert eigentlich mit dem Rest des Hähnchens?

Geflügelfleisch

Hähnchenfleisch – fettarm und ohne religiöse Vorbehalte
Früher sei Hähnchenfleisch das Fleisch des kleinen Mannes gewesen, sagt Henning Pieper von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Das habe sich verändert. "Die Zubereitungszeit ist kurz und das Fleisch ist schmackhaft", so Pieper. Zudem gebe es keine religiösen Vorbehalte. Doch nicht jedes Hähnchenteil ist gleich beliebt.

Hähnchenfleisch – fettarm und ohne religiöse Vorbehalte
Früher sei Hähnchenfleisch das Fleisch des kleinen Mannes gewesen, sagt Henning Pieper von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Das habe sich verändert. "Die Zubereitungszeit ist kurz und das Fleisch ist schmackhaft", so Pieper. Zudem gebe es keine religiösen Vorbehalte. Doch nicht jedes Hähnchenteil ist gleich beliebt.

Über 600 Millionen geschlachtete Hähnchen pro Jahr in Deutschland
Pro Kopf verzehrt jeder Deutsche im Durchschnitt 12,7 Kilo Hähnchenfleisch, erläutert Florian Anthes vom Verband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) in Berlin und verweist auf Zahlen aus dem Jahr 2016. Im vergangenen Jahr wurden hierzulande etwa 601 Millionen Hähnchen geschlachtet. Das sind 962.200 Tonnen Hähnchenfleisch.

Nichts ist beliebter als die Brust
Bis in die 1990-er Jahren seien in Deutschland vor allem ganze Masttiere, spätere Grillhähnchen, gezüchtet worden, erläutert Pieper von der niedersächsischen Landwirtschaftskammer. Der Branchentrend gehe allerdings in Richtung Zerlegung des Masthähnchens in Einzelstücke. "Das Brustfilet ist das beliebteste Teilstück der Deutschen, gefolgt von Schenkeln und Flügeln (Chicken Wings, Foto)", erklärt Verbandssprecher Anthes.

Innereien als Delikatessen
"Die in unserer Kultur weniger beliebten Teile des Geflügels wie der Rücken, die Innereien oder die Füße werden in vielen anderen Ländern gerne gegessen", sagt Verbandssprecher Anthes. Mägen, Herzen oder Nieren gelten in anderen Ländern als Delikatessen.

Füße gehen nach Südostasien
Die Füße werden nach Angaben von Henning Pieper von der niedersächsischen Landwirtschaftskammer bis nach Südostasien verschifft. Ein Teil der Hähnchen wird zu Haustiernahrung weiterverarbeitet. Insgesamt werden bei Geflügel nahezu 97 Prozent aller Teilstücke verwertet, erläutert Dirk Hinrichs, Professor für Agrarwissenschaften der Humboldt-Universität in Berlin.

Kurzmast fürs klassische Grillhähnchen
In der Kurzmast werden die klassischen Grillhähnchen gemästet. Sie sieht Angaben der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG Merkblatt 406) 28 bis 30 Tage Mast vor. Bei der Kurzmast teilen sich in der Regel 22 bis 23 Tiere einen Quadratmeter. "Pro Huhn sind es etwas weniger als bei einem DIN-A5-Blatt plus Bierdeckel", heißt es bei der Albert Schweitzer Stiftung in Berlin. Am Ende der Mast wiegen die Grillhähnchen etwa 1,5 Kilogramm.

Langmast fürs Brustfilet
"Für die Vermarktung von Teilstücken vorgesehene Hähnchen werden länger aufgezogen und bleiben rund sechs bis sieben Wochen - bis zu einem Gewicht von etwa 2,5 Kilogramm im Stall", erläutert Florian Anthes vom Verband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) in Berlin. Diese Mastart, bei der es darauf ankommt, dass die Brust in bis zu sechs Mast-Wochen (42 Tagen) auf ein Optimum wächst, wird als Langmast bezeichnet. Dabei teilen sich zwar weniger Hähnchen einen Quadratmeter, diese sind aber deutlich schwerer und größer als die "Grillhähnchen". Das Brustfilet gelte als das "Premiumprodukt" des Tieres, sagt Geflügelexperte Pieper.

Masthähnchen, Masthühnchen oder Broiler?
Zwischen den Begriffen Masthähnchen und Masthühnchen gibt es keinen Unterschied. "Der gängige Begriff in Deutschland ist Hähnchen, der sowohl die männlichen als auch die weiblichen Tiere umfasst", sagt Anthes vom Verband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG). Die agrarwissenschaftliche Bezeichnung lautet "Broiler". In Abgrenzung zu Masthähnchen gibt es Legehennen. Diese Tiere produzieren unsere Eier. Es handelt sich um eine gänzlich andere Rasse, die viel weniger Fleisch ansetzt. Legehennen endeten vor allem als Suppenhühner, erläutert Eckehard Niemann, Pressesprecher der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL).

Futterverwertung: Hähnchen vor Puten und Schweinen
Der Begriff Futterverwertung (FVW) gibt das Verhältnis an, aus wie viel Futter sich wie viel Fleisch produzieren lässt. Bei Hähnchen beträgt dieser Wert 1:1,6. Das bedeutet: 1,6 Kilo Futter wandelt das Huhn in ein Kilo Körpermasse um, sagt Geflügelexperte Henning Pieper aus Hameln (Landkreis Hameln-Pyrmont, Niedersachsen). Noch bessere Werte erzielen Forellen mit 1:0,9. Nicht mit den Hähnchen zu vergleichen sind Puten, die etwa 2,6 Kilo Futter in ein Kilo Fleisch umwandeln. Damit stehen sie in Konkurrenz zu Schweinen (1: 2,9).

Stand: 16.11.2017, 06:00 Uhr