Marmorkrebse – Tierart ohne Männchen

Ein Marmorkrebs (Procambarus virginalis) sitzt am Ufer eines Gewässers.

Marmorkrebse – Tierart ohne Männchen

Von Alexandra Rank

  • Unbekannt, ob von Marmorkrebsen ein einziges Männchen existiert.
  • Nachwuchs genetisch identisch.
  • Tiere wichtig für menschliche Tumorforschung.

Marmorkrebse bergen viele Geheimnisse. In deutschen Aquarien entdeckte man sie erstmals Mitte der 90er. Wann oder wo genau die Tierart entstanden ist, weiß bis heute niemand. Nur, dass sie von den Everglades-Sumpfkrebsen abstammt.

Alle stammen vom Ur-Muttertier ab

Jetzt haben Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums herausgefunden: Marmorkrebse erzeugen genetisch identische Nachkommen. Das Ur-Muttertier hat vor rund 30 Jahren in einem Aquarium gelebt. Die Krebsart ist einzigartig: Spermien sind für die Fortpflanzung unnötig. Männchen sind bis heute unbekannt.

Entstanden durch Jungfernzeugung

Parthenogenese gibt es auch bei anderen Tierarten: Hormone täuschen unbefruchteten Eizellen eine Befruchtung vor – obwohl gar keine Spermien vorhanden sind. Trotzdem teilen sich die Eizellen und es entstehen genetisch identische Marmorkrebse. Ein Weibchen produziert in 12 Wochen bis zu 500 Nachkommen. In den Aquarien wurde die junge Tierart schnell zur Plage und die Besitzer entledigten sich der überzähligen Marmorkrebse: in Badeseen, im Klo – insgesamt viele tausend Tiere.

Invasiver Marmorkrebs braucht keinen Sex

WDR 5 Leonardo Top Themen | 06.02.2018 | 06:05 Min.

Download

Invasion in freier Natur und großes Forscherglück

Die Tiere verbreiteten sich rasant in Deutschland, Schweden, Italien, Japan und Madagaskar. Seit 20 Jahren sind sie eine Plage. 2016 setzte die EU den Marmorkrebs auf die Liste invasiver gebietsfremder Arten, um die Ausbreitung zu stoppen. Die Mitgliedsländer verpflichten sich zu verhindern, dass invasive Arten gehandelt, gehalten, gezüchtet oder freigelassen werden.

Für die Forscher des Krebszentrums Heidelberg ist gerade diese rasante Ausbreitung ein Riesenglück. Es zeigt, dass sich die Tiere schnell ganz unterschiedlichen Lebensbereichen anpassen konnten – obwohl sie alle genetisch gleich sind. Das schaffen sie durch chemische Anhängsel an der DNA, sogenannte epigenetische Mechanismen. So lassen sich quasi Gene an- und ausschalten.

Marmorkrebse helfen Tumorforschung

Die Tumorforscher hoffen, dass der Marmorkrebs Erkenntnisse für die menschliche Tumorforschung bringt. Auch ein Tumor entsteht aus einer einzigen Zelle und breitet sich rasant aus. Für die Krebsforschung ist die Tierart wichtig. Auch wenn sie Naturschützern Sorge bereitet, weil sie einheimische Tiere verdrängt.

Stand: 06.02.2018, 17:45