Wer Maibäume illegal fällt, schädigt Wälder

Stand: 30.04.2018, 16:30 Uhr

  • Keiner achtet auf Vogelnester im Baum
  • Vor allem die falschen Birken werden abgeschlagen
  • Stattdessen lieber beim Förster kaufen

Die Nacht auf den 1. Mai: Hier und da stapfen Männer durch den Wald und suchen Birken. Möglichst groß sollen sie sein, so groß, dass sie kaum noch mit dem Hänger abzutransportieren sind. Und natürlich möglichst gerade gewachsen. Gefällt wird illegal, man will ja bei der Liebsten Eindruck schinden. Dass dem Wald dadurch ein dauerhafter Schaden entstehen kann, ist vielen nicht bewusst.

Birke idealer Baum

Dabei ist die Birke eigentlich genau der richtige Baum für die Mai-Tradition: Die Birke hat nicht nur eine schöne Rinde, sondern kommt in unserer Region auch häufig vor. Es ist kein seltener Baum. Und: Sie säht sich auch gut von alleine aus. Auf brachliegenden Flächen wachsen oft nach kurzer Zeit scheinbar ganz von allein Birken.

Warum man keinen Maibaum klauen sollte

WDR 5 Leonardo Top Themen 30.04.2018 04:59 Min. Verfügbar bis 29.04.2023 WDR 5


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Als wäre das alles nicht genug, lassen sich mit Birken auch neue Waldflächen beginnen, sie sind Pioniergehölze. Birken benötigen keine anderen Bäume um sich, sie wachsen auch alleine. Anders als zum Beispiel Buchen, die den Schatten anderer Bäume brauchen, um überhaupt wachsen zu können.

Birken kann man also fällen - eigentlich

Aus forstwirtschaftlicher Sicht bedeutet das, dass immer wieder Birken gefällt werden müssen, um einen Wald zu pflegen. Gefällt werden Bäume, die schlecht verwurzelt sind und eh bald umkippen würden. Auch Bäume, die zu nah an anderen Bäumen stehen und diese beim Wachsen behindern werden umgehauen.

Doch während Förster genau wissen, warum die eine Birke stehen bleiben darf, die andere aber weg muss, erfolgt die Suche nach dem perfekten Maibaum allein nach persönlichem Geschmack.

Genau die falschen Bäume werden geschlagen

Erbeutet werden deshalb vor allem schöne, gerade gewachsene Bäume, die eigentlich das Potential gehabt hätten, dem Wald über viele Jahrzehnte erhalten zu bleiben. Sie gelten bei Förstern als Zukunftsbäume.

Ein weiteres Problem: Die Bäume werden besonders in den Frühlingsmonaten als Nistplätze von verschiedenen Vögeln genutzt. Ob im Baum ein Nest hängt, lässt sich im Dunkeln jedoch nur schwer ausmachen. Mal ganz abgesehen davon, dass es für die Tiere des Waldes nicht besonders angenehm ist, wenn mitten in der Nacht der krachende Aufprall eines Baums auf dem Boden durch die Gegend hallt.