Krabbeltiere bevorzugen das Erdgeschoss

Spinne auf dem Fußboden im Wohnzimmer

Krabbeltiere bevorzugen das Erdgeschoss

  • Neue Studie zu Krabbeltieren im Haushalt
  • Je niedriger das Stockwerk, desto mehr Mitbewohner
  • Unter Krabbeltieren auch Pendler entdeckt

Forscher aus den USA und Dänemark haben das Verhalten von Krabbeltieren bei der Wohnungssuche untersucht. Ihre Ergebnisse wurden am Freitag (10.11.2017) im Fachmagazin „Scientific Reports“ veröffentlicht. Für die Untersuchung haben die Wissenschaftler das Verhalten der kleinen Mitbewohner in 50 Häusern der Stadt Raleigh in North Carolina untersucht.

Vielfalt von Insekten im Erdgeschoss größer

Demnach halten sich Spinnen und andere Krabbler bevorzugt in den unteren Geschossen von Häusern auf. Und je höher das Stockwerk, desto weniger unterschiedliche Tierchen gedeihen. Thomas Loose vom Bundesverband der Schädlingsbekämpfer in Greven wundert der Befund nicht: „Den fliegenden Insekten ist die Etage egal. Aber gerade die Fußläufigen finden wir vor allem im Erdgeschoss.“

Krabbeltiere brauchen Bewegungsfreiheit

Ein Spinne in einer Badewanne

Auch Waschbecken sind für Krabbeltieren interessant

Die Vorlieben der Krabbeltiere hängen nicht nur von der Stockwerksnummer ab. Die Tiere legen anscheinend auch Wert auf Bewegungsfreiheit. So fanden die Forscher mehr unterschiedliche Insekten, Käfer und Spinnen in großen Räumen als in kleinen.

Außerdem locken Teppichböden die vielbeinigen Mitbewohner eher an als glatte Böden. Auch die Zahl der Fenster hat laut der Untersuchung Einfluss auf die Anzahl Tiere. „Je mehr verschiedene Eintrittspunkte, also Fenster und Türen, es gibt, desto vielfältiger ist die Gemeinschaft, die im Inneren gedeiht“, sagt die an der Studie beteiligte Insektenforscherin Michelle Trautwein.

Einen großen Einfluss hat auch die Natur vor der Haustür – viele Tiere von draußen verlegen ihren Lebensmittelpunkt in den Haushalt vom Menschen.

Manche Insekten bleiben, anderen pendeln

Krabbeltiere lassen sich seit jeher gerne in menschlichen Behausungen nieder. Dabei lässt sich nach Angaben der Forscher zwischen drei Typen von Mitbewohnern unterscheiden: denen, die gekommen sind, um zu bleiben, den „Streunern“, die sich nur vorübergehend ins Hausinnere verirrten, und den „Pendlern“, die zwischen draußen und drinnen pendeln.

Demnach bilden die Insekten in Wohnungen und Häusern richtige Ökosysteme aus - mit Nahrungsketten aus Jägern und Gejagten. Die Forscher weisen darauf hin, dass man erst langsam beginne zu verstehen, inwiefern unser Zuhause auch ein komplexer Lebensraum für Käfer und andere Lebewesen ist.

Mehr Insekten bei Messis?

Ameisen auf weißem Hintergrund

Insekten interessiert es nicht, ob Ordnung ist

Bei Messis gibt es mehr Krabbeltiere? Laut Meinung der Wissenschaftler: Nein! So war der Artenreichtum in Messi-Haushalten nicht ausgeprägter als in besonders ordentlichen Wohnungen.

Haustiere oder Pflanzen hatten ebenfalls keinen nennenswerten Einfluss auf die Diversität der Krabbeltier-Gemeinde.  

Krabbeltiere als Vorteil nutzen

Am schlechtesten trifft es also die, die im Erdgeschoss in einer großen Wohnung, mit vielen Fenstern und Teppichboden und einem Garten leben? Nein, sagen Experten – im Gegenteil.

„Auch wenn die Idee von unerwünschten Insekten-Mitbewohnern wenig reizvoll klingt, können Krabbeltiere letztlich einen Beitrag zur Gesundheit leisten“, sagt die Insektenforscherin Michelle Trautwein.

Demnach deutet inzwischen vieles darauf hin, dass es einen Zusammenhang zwischen vielen modernen Krankheiten und einem Mangel an Kontakt mit Biodiversität und Mikroorganismen gibt. Ein Mangel, den eine üppige Krabbeltier-Kolonie in den eigenen vier Wänden beheben helfen könnte.

Wie wirken Krabbeltieren auf die Gesundheit?

Diese Aussage sei aber mit Vorsicht zu genießen, sagt Thomas Schmitt, Leiter des Deutschen Entomologischen Instituts in München und so etwas wie Deutschlands oberster Insektenforscher. "Den Zusammenhang zwischen Krankheiten und Krabbeltieren im Haushalt halte ich für noch reine Spekulation. Sicherlich könnten – in der Theorie – manche Tierchen helfen, unser Immunsystem zu trainieren. Und uns so weniger anfällig für Krankheiten machen. Aber eine gesicherte Studienlage dazu gibt es nicht", sagte Schmitt dem WDR.

Stand: 10.11.2017, 13:25