Klimaschutz auf regionaler Ebene

Fahrradstrassen in der Stadt Essen

Klimaschutz auf regionaler Ebene

Von Alexandra Hostert

  • Vertreter von Städten, Gemeinden und Initiativen aus Wirtschaft und Gesellschaft sind beim Gipfel dabei
  • Ihr internationaler Austausch ist wichtiger Teil der Klimakonferenz
  • Auch aus den USA kommen Klimaschützer nach Bonn

Wir können Klimaschutz nicht den Staaten alleine überlassen“ sagt Susanne Salz aus Bonn. „Es ist wichtig, was jeder einzelne tut und was in den Städten passiert. Auch scheinbare Kleinigkeiten, zum Beispiel welche Beleuchtung in Ampeln eingebaut ist, haben einen großen Effekt“. Weil die 33-jährige überzeugt ist, dass Politiker den Klimawandel nicht nicht alleine stoppen können, hat sie sogar eine eigene Vereinigung gegründet: Die „United Actors“. Mit ihnen will sie Ideen der verschiedensten Menschen für mehr Klimaschutz bündeln.

Gipfel der Regionen

Vertreter von internationalen Organisationen bei informeller Besprechung

Vertreter internationaler Organisationen im Austausch

Wie Klimaschutz unterhalb der staatlichen Ebene funktionieren kann, dazu präsentieren während der Weltklimakonferenz viele Initiativen ihre Konzepte. Mit dabei sind die unterschiedlichsten Menschen: Vertreter von Organisationen, Wissenschaft und Wirtschaft genau wie Mitarbeiter von Städten und Gemeinden. Die Bürgermeister und Regionalverwaltungen aus aller Welt haben sogar einen eigenen Gipfel: Den „Climate Summit of Local and Regional Leaders“ am 12. November, bei dem sie beraten, wie Klimaziele erreichbar sind.

Der Weg über Staatsregierungen ist zu weit

Nicolas Kreibich, Wissenschaftler am Wuppertal Institut

Nicolas Kreibich, Wuppertal Institut

Besonders der Austausch der Vertreter von Städten und Gemeinden ist sehr wichtig für einen effektiven Klimaschutz“, betont Regionalwissenschaftler Nicolas Kreibich von Wuppertal Institut. „So können diejenigen, die die Klimaschutz-Maßnahmen in verschiedenen Teilen der Welt umsetzen, ihre Erfahrungen direkt diskutieren. Würden Konzepte allein über die staatliche Ebene ausgetauscht, wäre dieser Weg zu langsam und viele Informationen würden verloren gehen“.

Klimaschutz in NRW

Klimaschutzinitiativen aus NRW werden während der Klimakonferenz auch bei der öffentlichen Veranstaltungs-Reihe „NRW Climate Lounge“ diskutiert. Kai Lipsius von der städtischen Klimaagentur in Essen hat hier erläutert, wie er die Essener für Klimaschutz begeistern will: „Weil die Leute uns selten von allein ansprechen, machen wir viele Aktionen, zum Beispiel informieren wir Handwerker, wie sie mit neuen Geräten Strom und Kosten sparen“. Kochevents sollen anregen, weniger Nahrungsmittel wegzuwerfen oder die Stadt zeigt, wie praktisch Lastenfahrräder sind. „Damit Leute mitmachen, muss man herausstellen, was es ihnen persönlich nützt, wenn sie sich klimafreundlich verhalten.“ 

Kleines Dorf - große Initiative

Ortsschild der Gemeinde Saerbeck mit Zusatz "NRW-Klimakommune"

Klimaschutz ist in der Gemeinde Saerbeck ein wichtiges Thema

Wie Klimaschutz in einem 7.200-Einwohner-Dorf funktioniert, stellte der Bürgermeister von Saerbeck im Münsterland bei der „Climate Lounge“ vor. In Saerbeck haben so viele Bürger in erneuerbare Energie investiert, dass das Dorf inzwischen aus Wind, Sonne und Biomasse genug Strom für 19.000 Haushalte erzeugt kann. Wie das gelungen ist und wie in Deutschland erneuerbare Energien gefördert werden, interessierte zum Beispiel Delegierte aus Guatemala. Sie suchen ebenfalls nach Möglichkeiten, Dörfer mit alternativen Energie zu versorgen.

"We are still in"

Auch am Beispiel der USA zeigt sich beim Klimagipfel in Bonn, wie entscheidend der Austausch unterhalb der staatlichen Ebene ist. Von dort sind über hundert Bürgermeister, Gouverneure, Vertreter von Universitäten und Vertreter der Wirtschaft nach Bonn gekommen. Mit ihrer Initiative „We are still in“ wollen sie zeigen, dass sie Emissionen weiter reduzieren wollen - auch wenn die Regierung der USA sich aus den internationalen Klimaschutzbemühungen zurückzieht.

Stand: 09.11.2017, 10:00