Inselbewohner haben schlaflose Nächte

Blick auf Mana Island, Fidschi-Inseln

Inselbewohner haben schlaflose Nächte

Von Andreas Sträter

  • Formal waren die Fidschi-Inseln Austräger der Klimakonferenz in Bonn
  • Südpazifik ist stark vom Klimawandel betroffen
  • Interview mit Umweltaktivist George Nacewa aus Fidschi

George Nacewa lebt auf Fidschi. Unter der Präsidentschaft seines Landes lief in Bonn die Klimakonferenz. Wir haben mit dem Klimaschützer darüber gesprochen, wie die Pazifikstaaten den Klimawandel erleben.

WDR: Fidschi, Tonga oder Samoa: Schon die Namen der Inselstaaten klingen nach tropischer Verheißung. Doch die vermeintlichen Paradiese sind bedroht. Wie wirkt sich der Klimawandel vor Ort aus?

George Nacewa: Der Klimawandel drückt sich bei uns in Fidschi auf vielfältige Weise aus: Anstieg des Meeresspiegels, Dürren und heftige Unwetter. Im vergangenen Jahr hat uns ein Zyklon getroffen, der Häuser wegriss und 50 Menschenleben forderte.

Karte Pazifik, Australien und die Fidschi-Inseln

Fidschi liegt mitten im Südpazifik

Jedes Mal, wenn wir vor so einem Wirbelsturm gewarnt werden, müssen die Menschen aus den Küstendörfern fliehen. Zumeist werden sie in speziellen Evakuierungszentren untergebracht. Das Wasser strömt in die Orte und zerstört sie. Viele Menschen sind dann gezwungen, ein neues Leben zu starten.

WDR: Wie erleben Sie persönlich diese Veränderung?

Nacewa: Ich komme aus einem kleinen Dorf im Norden Fidschis, lebe mittlerweile aber mit meiner Frau und zwei kleinen Kindern in der Stadt Suva. In meiner Kindheit sind wir oft an einen kleinen Fluss gegangen, um dort Fische zu fangen. Der Fluss ist nun immer öfter ausgetrocknet und gibt uns keine Nahrung mehr.

George Nacewa

George Nacewa ...
ist ein Klimaschützer und vertritt das Land Fidschi innerhalb der Nichtregierungsorganisation 360.org. Zur Abordnung gehören seine Kollegen aus Tonga, Tuvalu, den Mashallinseln oder Samoa. Der 31-Jährige hofft, dass von der Klimakonferenz in Bonn wichtige Signale ausgehen. Die Welt habe keine Zeit mehr, es müsse dringend gehandelt.

WDR: Der Anstieg des Meeresspiegels ist für uns im Westen nicht spürbar ...

Nacewa: Bei uns ist anders. Der Anstieg des Meeresspiegels ist real und bereitet den Menschen schlaflose Nächte. Bei Sturmwarnung flüchten die Menschen auf ihre Dächer.

WDR: Dabei ist es ja gerade das Meer, mit dem Sie im Einklang leben müssen.

Nacewa: Das stimmt. Wir sind umgeben vom pazifischen Ozean - er gibt uns Nahrung und bestimmt das Leben auf den Inseln.

WDR: Sie sind nach Bonn gekommen, um ihre Stimme für mehr Klimagerechtigkeit und für den Südpazifik zu erheben. Wie äußert sich denn der Protest bei Ihnen vor Ort?

Nacewa:

Demonstration zur Klimakonferenz in Bonn

Die "Pacific climate warriors" im Einsatz in Bonn

Bei uns in Fidschi ist der Protest anders als im Westen. Im Südpazifik versuchen wir ausschließlich friedlich mit unseren Mitmenschen zu leben. Deshalb erzählen wir hier in Bonn als "Pacific climate warriors" vor allem die Geschichten unserer Länder. Wir hoffen, dass wir die Menschen in der westlichen Welt dadurch zu einem Umdenken bewegen zu können.

Das Gespräch führte Andreas Sträter.

Stand: 07.11.2017, 06:00