Was tun gegen das Insektensterben?

Christoph Scherber, Ökologe, mit Insektenfangnetz.

Was tun gegen das Insektensterben?

Von Moni Sax

  • Insekten brauchen Lebensraum und Nahrung
  • Sie brauchen Vielfalt ohne Gifte
  • Was jeder Einzelne für die Insekten tun kann

"Schmeißt die Geranien vom Balkon!", fordert der Bienenforscher, Prof. Jürgen Tautz der Universität Würzburg. "Was schön aussieht, ist nicht immer gut für Insekten. Geranien liefern weder Pollen noch Nektar."

Auch die sogenannten gefüllten Pflanzen mögen vielen besonders gefallen, sind aber frei von Pollen. Die nektarproduzierenden Organe, die Nektarien, sind entweder zurückgebildet oder komplett funktionsunfähig. Und selbst wenn noch Nektar vorhanden ist, verhindern die großen Schaublütenblätter, dass die Insekten an ihn herankommen. "Diese Pflanzen erfreuen den Blumenfreund, aber nicht die Bienen", so Tautz.  

Bibernell-Rose und Zier-Rose

Wildrose mit Pollen, Zierrose ohne Pollen

Erkennen lassen sich solche insektenunfreundlichen Züchtungen oft am lateinischen Zusatz "fl. pl." ("flore pleno", "mit voller Blüte"). Gefüllte Blüten findet man unter anderem bei Chrysanthemen, Dahlien, Astern, Rosen, Akelei, Nelken, Kamelien, Pfingstrosen, Gänseblümchen und Sonnenblumen. "Zum Glück denken immer mehr Gartenmärkte um und bieten nicht nur das Exotische, sondern auch immer häufiger schöne einheimische Pflanzen", lobt Tautz.

Wilde Schönheit im Garten

"Wir sollten mal über unser Schönheitsideal nachdenken. Muss es immer der englische Rasen sein oder dürfen im Gras auch mal Gänseblümchen wachsen?", fragt Ralf Bilke, Landwirtschaftsexperte vom BUND NRW.

Bunter Blumen und Bluetenstauden in einem naturnahen Kleingarten

Vielfalt in einem naturnahen Kleingarten

Vielfalt ist das Zauberwort. Daher sind Wildblumenwiesen mit vielen verschiedenen Arten oder auch wilde Blumenkästen bei Insekten besonders beliebt. Beifuß bietet beispielsweise über 150 Insektenarten Nahrung. Weitere tolle Insektenoasen im Garten sind Ecken mit Totholz, ein Steingarten oder ein korrekt gebautes Insektenhotel.

Und sollen "Unkräuter" doch einmal weg, gibt es insektenfreundliche Alternativen ohne Pestizide. "Thermische Lösungen mit Abflamm- oder Infrarotgeräten benötigen viel Energie und sind oft teuer. Daher sind mechanische Lösungen mit Fugenkratzern, Kehrmaschinen mit speziellen Besen und Borsten oder Freischneidern sinnvoll. Generell gilt bei der mechanischen Bearbeitung: Je früher, desto besser", so Bilke.

Die Macht des Verbrauchers

Mit dem Einkauf von Obst und Gemüse aus ökologischem Landbau kann jeder Verbraucher eine insektenfreundliche Landwirtschaft unterstützen.

Bio-Tomaten

Biolandbau ist insektenfreundlicher

"Zum Beispiel Apfelsaft von Streuobstwiesen - das ist Insektenschutz pur. Das sind wertvolle Lebensräume, in denen nicht gespritzt wird. Der normale Apfelsaft kommt oft aus gespritzten Äpfeln von intensiv bewirtschafteten Plantagen. Dort finden weder Insekten, noch Vögel einen Lebensraum", so Ralf Bilke vom BUND.

Bio-Obst und -Gemüse ist nicht nur gut für die Insekten, sondern auch insgesamt weniger mit Chemie belastet. So untersucht das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit regelmäßig, wie viele Pflanzenschutzrückstände noch in Lebensmitteln enthalten sind. Das Ergebnis aus dem Jahr 2014: Im konventionellen Landbau waren 64 Prozent der untersuchten Lebensmittel belastet. Im Ökolandbau nur 26 Prozent.

Stand: 25.07.2017, 10:40