Wie wir Igelbabys jetzt helfen können

Wie wir Igelbabys jetzt helfen können

Von Andreas Sträter und Kristina Kasten

Aktuell werden viele verwaiste und geschwächte Igelsäuglinge gefunden, die Hilfe brauchen. Wie sieht da die richtige Hilfe aus? Tipps und Fakten rund um den Igel.

Igel

Der Sommer war zu nass, und der Herbst ist unbeständig. Was Menschen nicht gefällt, könnte bei Igeln zu einer lebensbedrohlichen Situation führen. In diesem Herbst sind bislang deutlich mehr geschwächte Igel gefunden und versorgt worden als noch im vergangenen Jahr, heißt es beim Verband für Arten- und Biotopschutz in Bayern. Auch, wenn es noch keine exakten Zahlen gibt: die Meldungen kranker Igel häufen sich.

Der Sommer war zu nass, und der Herbst ist unbeständig. Was Menschen nicht gefällt, könnte bei Igeln zu einer lebensbedrohlichen Situation führen. In diesem Herbst sind bislang deutlich mehr geschwächte Igel gefunden und versorgt worden als noch im vergangenen Jahr, heißt es beim Verband für Arten- und Biotopschutz in Bayern. Auch, wenn es noch keine exakten Zahlen gibt: die Meldungen kranker Igel häufen sich.

Durch den unbeständigen Sommer haben die Igel vermutlich etwas später mit der Paarung losgelegt. Daher sind viele Jungtiere jetzt noch etwas jünger als sonst – und damit kleiner, leichter und unerfahrener. In der kurzen Zeit, die ihnen bis zur gefährlichen Winterkälte bleibt, müssen sie noch viel Gewicht aufbauen, um über die kalten Monate zu kommen. Das gelingt nicht immer.

Im vergleichsweise kalten September mussten die Igel dann oft durch Kälte und Regen laufen, haben dabei viel Energie verbraucht und sind – wenn sie den Igelschützern gemeldet werden – oft unterernährt und unterkühlt. Bei der Igelschutz-Interessengemeinschaft in Wuppertal seien zum Beispiel schon Igel abgegeben worden, die nur um die 150 Gramm gewogen haben.

Ein Igel, der unter 400 Gramm wiegt, wird diesen Herbst ohne menschliche Hilfe wohl nicht überleben können. Das zumindest schätzt die Igelschutz-Interessengemeinschaft in Wuppertal. "Igel, die während des Tages im Garten oder auf der Straße gefunden werden, befinden sich eigentlich immer in einer Notsituation", sagt Martina Gehret vom Verband für Arten- und Biotopschutz in Bayern. Ist der Igel kälter als die eigene Hand, gilt er als unterkühlt und muss aufgewärmt werden – mit einer umwickelten Wärmflasche, keinesfalls mit Heizdecke oder Infrarotlampe.

Igel benötigen eine vielseitige Ernährung. Zufüttern geht mit Katzenfutter, ungewürztem Rührei oder Hack. Milch hingegen ist gefährlich für Igel und kann schweren Durchfall auslösen. Fencheltee wiederum eignet sich. Menschenbabybrei, Haferschleim oder Honig und Traubenzucker sind tabu für Igelsäuglinge. Auch Nüsse stehen nicht auf der regulären Speiseliste von Igeln.

Igel sind übrigens nachtaktiv und verfügen über einen hervorragenden Geruchs- und Hörsinn. Den Winter verschlafen sie am liebsten und zehren von ihren Sommerfettpolstern. Igel leben schon seit rund 60 Millionen Jahre auf unserer Erde und gehören damit zu den ältesten noch lebenden Säugetieren.

Fühlt sich der Igel bedroht oder in Gefahr, rollt er sich einfach ein. Seine spitzen Stacheln schützen ihn wie eine Festung und halten seine Gegner auf Abstand.

Wenn nachts gejagt wird, wird tagsüber natürlich geschlafen. Nur sehr hungrige oder kranke Igel verlassen am Tag ihren geheimen Unterschlupf. Dann suchen sie oft die Nähe und Hilfe von uns Menschen und verlaufen sich in unsere Gärten.

In der Igelbaby-Hochsaison im frühen Herbst findet man auch immer wieder verwaiste Igelsäuglinge. Eigentlich werden sie von Mama Igel bis zur sechsten Woche mit Milch versorgt. Doch wenn der Igelin etwas zustößt, ist der oft noch blinde und taube Nachwuchs plötzlich alleine und braucht Hilfe.

Mit leisem Pfeiffen rufen die Babys aus dem Nest nach ihrer Mutter. Wer auf solch ein Nest stößt, sollte aber erst einmal zwei Stunden warten, ob die Igelmutter nicht doch noch nach Hause kommt. Haben die Jungen das Nest jedoch schon verlassen und krabbeln hilflos umher, sollten gehandelt werden.

Unterkühlte Igelbabys benötigen viel Wärme. Eine lauwarme Wärmflasche, eingewickelt in ein Handtuch, kommt der vertrauten Nestwärme am nächsten. Der Nachwuchs sollte am besten auf ein Handtuch gesetzt werden. Kleine Igelbabys aufzupäppeln, ist am Ende aber nur etwas für echte Profis. Wer einen geschwächten Igel findet, sollte sich beim Tierarzt oder einer Igelstation melden.

Stand: 27.10.2017, 14:28 Uhr