Honig mit Insektengift belastet

Honig mit Insektengift belastet

  • Wissenschaftler haben Honig aus aller Welt untersucht
  • 75 Prozent der Proben enthielten Pestizide
  • Die Mittel aus der Gruppe der Neonicotinoide gelten als mögliche Ursache für das Insektensterben.

Sie gehören zu den am häufigsten benutzen Pestiziden weltweit: die Neonicotinoide. Die Mittel sollen eigentlich ausschließlich Schädlinge töten. Doch inzwischen gelten sie als eine mögliche Ursache für das Sterben von Bienen und anderen Insekten. Wie stark Bienen in aller Welt mit diesen Mitteln belastet sind, belegt nun eine Schweizer Studie. Die Wissenschaftler haben 198 Honigproben von allen Kontinenten untersucht – außer der Antarktis. In 75 Prozent der Proben fanden sie Spuren der umstrittenen Mittel.

Keine Gefahr für Menschen

Die Konzentrationen der Neonicotinoide im Honig sind gering: Sie liegen unterhalb der Grenzwerte, die für Menschen als bedenklich gelten. Deshalb sehen die Forscher auch keine Gefahr darin, Honig zu essen. Für Bienen könnten die gefundenen Mengen dagegen gefährlich sein.

Käfer, Hummeln, Schmetterlinge: Sterben die Insekten aus? Quarks & Co 25.07.2017 43:01 Min. UT DGS Verfügbar bis 25.07.2022 WDR

Tückische Wirkung auf Bienen

Bienen nehmen Neonicotinoide mit Pollen und Nektar auf, denn die Mittel verteilen sich überall in einer behandelten Pflanze. Bei kleinen Mengen töten die Gifte Bienen nicht sofort. Diese Dosen erwiesen sich auch in Laborversuch zunächst als harmlos. Inzwischen gibt es aber viele Untersuchungen, die zeigen, dass die Gifte den Insekten trotzdem schaden. Sie beeinträchtigen zum Beispiel die Orientierungsfähigkeit von Bienen und verändern auch ihr Verhalten.

Wie Alkohol im Straßenverkehr

Der Ökotoxikologe Matthias Liess vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig vergleicht die Wirkung der Neonicotinoide auf Insekten mit der von Alkohol auf Menschen: "Wenn man vor dem Fernseher drei Bier trinkt, dann ist man beschwipst, aber solange man auf dem Sofa sitzt passiert nichts und man kann dem Programm folgen. Wenn man dann aber über eine vielbefahrene Straße geht, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass man das nicht überlebt. Bei höheren Anforderungen - wie im Fall der Bienen zurück zum Stock zu finden - werden also auch Konzentrationen tödlich, die unter anderen Umständen überhaupt kein Problem sind."

Gifte weit verbreitet

Beunruhigend ist auch, wie weit verbreitet viele der Gifte aus der Gruppe der Neonicotinoide sind. Mehr als Hälfte der Proben enthielt mehrere Sorten dieser Vernichtungsmittel, 10 Prozent sogar vier oder fünf verschiedene Gifte. Dieser Cocktail verschiedener Mittel könnte für Insekten besonders gefährlich sein.

Behörden prüfen weitere Einschränkungen

Wegen ihrer schädlichen Wirkung auf Bienen und andere nützliche Insekten ist die Verwendung einiger Neonicotinoide in der EU bereits seit einigen Jahren nur noch eingeschränkt erlaubt. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA arbeitet derzeit an einer Neubewertung der Mittel. Diese soll nach Angaben der EFSA Ende November 2017 abgeschlossen werden. Viele Forscher und Umweltverbände fordern, die Verwendung der Mittel dann ganz zu verbieten.

Stand: 06.10.2017, 18:00