Alarm am Korallenriff

Alarm am Korallenriff

Von Marion Kretz-Mangold

Die Schutzmechanismen der Korallen am Great Barrier Reef nehmen rapide ab, berichten Forscher am Donnerstag in "Science". Durch den Klimawandel verlieren sie ihre Farbe und sterben ab. Ist das Ende des Riffs überhaupt noch abzuwenden?

Great Barrier Reef

Morbide Schönheit: Diese Koralle, so ästhetisch sie aussieht, ist todkrank, wie Millionen Artgenossen am Great Barrier Reef auch. Schuld ist der Klimawandel, der das Meerwasser aufwärmt.

Morbide Schönheit: Diese Koralle, so ästhetisch sie aussieht, ist todkrank, wie Millionen Artgenossen am Great Barrier Reef auch. Schuld ist der Klimawandel, der das Meerwasser aufwärmt.

Das Phänomen ist nicht neu und wurde in den vergangenen Jahren öfter beschrieben. Korallen leben in Symbiose mit Algen, die sie mit Nährstoffen versorgen. Wird das Wasser zwei Grad wärmer - zum Beispiel, weil es von El Niño aufgeheizt wird - geben die Algen stattdessen Gifte ab. Die Korallen reagieren, indem sie die Algen abstoßen, verlieren ihre Farbe und sterben ab - oft innerhalb weniger Wochen.

Dabei kommen Korallen eigentlich gut damit klar, wenn sich das Meerwasser erwärmt. Voraussetzung ist aber, dass das Wasser wieder kühler wird und sich die Nesseltiere erholen können. Australische Forscher haben sogar eine Art Trainingseffekt beobachtet: Steigt die Temperatur ein wenig an und sinkt dann wieder, verkraften die empfindlichen Wesen danach noch höhere Grade. Das berichten die Experten, die Daten der vergangenen 27 Jahren ausgewertet und 327 "Hitzestress-Situationen" registriert haben, am Donnerstag (14.04.2016) in "Science".

Der jüngste Event dieser Art fand im Februar statt, als El Niño wieder das Wasser aufheizte. Das hat es schon 1998 und 2002 getan, diesmal sind die Schäden aber viel größer. Das Riff ist auf einer Länge von mehr als 1.000 Kilometer betroffen, am Nordende sind schon 50 Prozent der Korallen abgestorben.

Damit ist eine einzigartige Unterwasserwelt in Gefahr, die sich auf 2.500 Kilometer erstreckt, mit einer beeindruckender Vielfalt von Korallenarten ...

... die wie Schwämme aussehen, ...

.... wie Stalagmiten....

... oder wie Trauerweiden unter Wasser.

Viele Fische richten sich in den Korallenblöcken häuslich ein, ziehen dort ihren Nachwuchs groß oder verstecken sich darin.

So wie in diesem sonnengelben Acropora, der als besonders anfällig gilt.

Dieses Gebilde ist keine Koralle, sondern ein gefräßiger Dornenkronen-Seestern, der sich massiv ausgebreitet hat und zum Massensterben am Riff beiträgt. Die australische Regierung versucht, ihn mit millionenschweren Programmen zurückzudrängen, bemüht sich auch, den Nährstoff-Eintrag aus der Landwirtschaft zu verringern - Faktoren, die den Korallen das Überleben zusätzlich schwer machen. Und, nicht zu vergessen, den Status des Great Barrier Reef als Welterbe bedrohen.

Hauptgefahr ist und bleibt aber der Klimawandel, der die Korallen nicht nur am Great Barrier Reef bedroht. 400 Millionen Jahre haben sie den Wandel auf der Erde überlebt, "aber wenn jetzt nicht weltweit etwas gegen den Klimawandel getan wird", so ein Experte, "haben wir im Jahr 2100 höchstens hier und da noch ein paar Korallen, aber keine Riffe mehr."

Stand: 14.04.2016, 20:00 Uhr