Barrierefreie Version: Frühlings-Fakten

Barrierefreie Version: Frühlings-Fakten

Von Andreas Sträter

Der Frühling beginnt mit vielen Fragen: Warum sind wir müde? Steigt der Flirtfaktor bei Sonnenschein? Und woher wissen eigentlich Pflanzen, wann sie knospen dürfen? Antworten in einer barrierefreien Fakten-Übersicht zum astronomischen Frühlingbeginn.

Frühjahrsmüdigkeit

Hinter der Frühjahrsmüdigkeit steckt der Wechsel von kalt auf warm. Wie alle Lebewesen sind wir saisonalen Schwankungen unterworfen. Der Körper muss sich im Frühling erst langsam wieder an die wärmeren Temperaturen gewöhnen. Durch die Frühlingswärme öffnet unser Organismus die Blutgefäße, so dass der Blutdruck absacken kann. Wenn der Druck in den Arterien sinkt, gelangt weniger Blut ins Gehirn, so dass auch weniger Sauerstoff das Gehirn erreicht. Ein niedriger Blutdruck kann uns also müde, matt und weniger leistungsbereit machen. Vor allem wetterfühlige Menschen spüren dieses Phänomen oft.

Zeitumstellung

Im Frühjahr werden die Uhren bei uns eine Stunde vorgestellt. Uns wird eine Stunde genommen, die wir erst im Oktober zurückerhalten. Die mitteleuropäische Sommerzeit wurde anlässlich der Ölkrise von 1973 eingeführt, in Deutschland im Jahr 1980. Um den Energieverbrauch und die Abhängigkeit vom arabischen Öl zu senken, sollte das Sonnenlicht während der hellen Sommermonate verstärkt genutzt werden. Studie belegen jedoch, dass die Einsparung gering ist. Jeder Vierte in NRW leidet zudem an einem Mini-Jetlag.

Astronomischer Frühlingsbeginn

Der astronomische Frühlingsbeginn ist identisch mit dem kalendarischen. Der Frühling beginnt dann, wenn die Sonne im Zenit über dem Äquator steht. Das ist meistens am 20. März der Fall. An diesem Tag dauern Tag und Nacht gleich lang, so dass Astronomen und Meteorologen von einer "Tag-und-Nacht-Gleiche" oder einem "Äquinoktium" sprechen. Dieses Ereignis kann auch einen Tag eher oder später stattfinden, da sich die Erde nicht gleichförmig um die Sonne bewegt, sondern in kleinen Zitterbewegungen – ähnlich einem Brummkreisel.

Frühlingsgefühle

Die Tage werden länger und die Sonne scheint wieder öfter – das kann für Frühlingsgefühle sorgen. Denn durch die Wärme sendet der Körper positive Botenstoffe – so genannte Endorphine – aus. Die Ausschüttung dieser "Glückshormone" macht viele Menschen kontaktfreudiger. Durch die zunehmende Lichteinwirkung über dem Auge wird in der Zirbeldrüse im Gehirn zudem das Schlafhormon Melatonin reduziert. Dies führt zu hormonellen Veränderungen. Wir fühlen uns wacher und sind voller Tatendrang. Auch im Internet steigt die Flirtlaune: Bei Dating-Portalen steigen die Registrierungen im Vergleich zum Herbst nach Angabe mehrerer großer Anbieter im Frühjahr zwischen elf und 17 Prozent an.

Frühlingsgefühle am Äquator

Auch in anderen Ländern kennt man Frühlingsgefühle, in Nordamerika etwa heißen sie "Spring Fever". Aber je näher man dem Äquator kommt, desto geringer sind die Unterschiede zwischen Tag und Nacht und auch zwischen Sommer und Winter. In Ländern wie Kenia, Uganda, Kolumbien oder Indonesien, die direkt vom Äquator durchquert werden, sind Tage und Nächte nahezu gleich lang. Die Sonne geht um sechs Uhr morgens auf und um sechs Uhr abends wieder unter. Klassische Jahreszeiten gibt es nicht. Daher sind in diesen Ländern also auch keine Frühlingsgefühle feststellbar.

Singvögel brüten nur im Frühjahr

Unsere einheimischen Singvögel legen ihre Eier ausschließlich im Frühjahr, weil sie nur dann ausreichend Nahrung für ihren Nachwuchs finden. Ausnahmen wie Kolkraben oder Fichtenkreuzschnäbel brüten schon im ausklingenden Winter, weil sie sich von Kadavern oder Fichtensamen ernähren können. Hühner hingegen agieren völlig losgelöst von Jahreszeiten, da sie ursprünglich aus Indien und Südostasien stammen. Als tropische Vögel haben sie keine ausgeprägte Saisonalität – und können jeden Tag ein Ei legen.

Vollfrühling erreicht Portugal zuerst

Nirgendwo in Europa blühen Apfel- und Fliederbäume früher als in Portugal. Wann der so genannte phänologische Vollfrühling beginnt, hängt von der geografischen Breite und Länge ab. Demnach kommt der Frühling Ende Februar zuerst in der portugiesischen Küstenstadt Faro an. Vom Südwesten des europäischen Kontinents aus erreicht der Vollfrühling Deutschland in den Tagen zwischen Mitte und Ende April. Die Menschen in Finnland und im europäischen Teil Russlands müssen bis Ende Mai am längsten auf den Frühling warten. Der Frühling legt pro Tag zwischen 30 und 40 Kilometer zurück.

Wie Pflanzen den Frühling erkennen

Pflanzen erkennen auf verschiedene Weise, wann es Frühling wird. Grundsätzlich gibt es zwei Erkennungsmechanismen: Bei einigen Pflanzen, die außerhalb des Erdreichs überwintern können, kann die Tageslänge das Blühprogramm aktivieren. Werden die Tage länger, kann es losgehen. Andere Pflanzen messen die Temperatur. Viele Obstbäume besitzen einen inneren Wärmezähler: Erst wenn eine gewisse Anzahl an warmen Tagen erreicht ist, knospen die Bäume. Zwiebelpflanzen legen in der Winterkälte Vorstufen für die Blüte an und treiben dann aus, wenn es wärmer wird.

Phänologischer Frühlingsanfang

Jeder, der in seinem Garten beobachtet, dass Tulpen blühen oder Tomaten reifen, betreibt genau genommen Phänologie. Phänologen befassen sich mit dem im Jahresablauf regelmäßig wiederkehrenden Entwicklungen in der Natur: Blattentfaltung, Blüte, Fruchtreife oder Laubverfärbung. Die Pflanzenbeobachter teilen das Jahr in zwölf Jahreszeiten ein. Frühling, Sommer, Herbst und Winter erhalten je drei Unterkategorien. Den Frühling unterteilen die Phänologen in Vorfrühling, Erstfrühling und Vollfrühling. Während für den Vorfrühling Schneeglöckchen typisch sind, treiben im Erstfrühling bereits Birken und Ahornbäume.

Kraniche sparen Kräfte

Eigentlich sind Kraniche Frühlingsboten. Sind die Winter jedoch mild, kehren die ersten Vögel schon Anfang Februar wieder in ihre Brutgebiete zurück. In warmen Wintern fliegen Kraniche nur bis Nordfrankreich und nicht bis ins südliche Spanien oder an die nordafrikanische Küste. Denn je milder die Temperaturen sind, desto weniger lohnt sich der weite Flug in den Süden. So können die Kraniche Kräfte sparen und sich im Frühjahr als erstes auf die Suche nach dem besten Brutplatz begeben.

Zwitschern für die Partnerwahl

Vögel zwitschern, pfeifen, rufen und gurren. Warum eigentlich? Der Grund für das Vogelgezwitscher ist ganz unterschiedlich. Vögel, die ihr Revier besonders eifrig verteidigen, sind häufig überdurchschnittlich begabte Sänger – wie die Amsel. Das ist besonders im Frühling, also in der Brutzeit, wichtig. Manche Männchen wollen mit ihrem Zwitschern die Weibchen beeindrucken. In Großstädten sind Singvögel oft lauter als auf dem Land, weil sie gegen den Verkehrslärm ansingen müssen. In Berlin etwa trällern Singvögel bis zu 14 Dezibel lauter als ihre Artgenossen in den umliegenden Wäldern. 14 Dezibel entspricht lautem Knistern. Es wurden aber schon Werte um 90 Dezibel gemessen, was dem Lärm einer Kettensäge in einem Meter Entfernung entspricht.

Zitronenfalter sind früh unterwegs

Zitronenfalter lassen sich schon sehr früh im Jahr beobachten, etwa zwei Monate früher als andere Schmetterlinge. Zitronenfalter flattern schon ab März durch unsere Gärten. Die Hochsaison der Schmetterlinge beginnt erst im Mai, dann können wir zum Beispiel das Tagpfauenauge beobachten. Für Zitronenfalter sind Minustemperaturen kein Problem, weil sie ein körperschutzeigenes Frostschutzmittel in sich tragen, das sich aus Glyzerin, Sorbit und Eiweißen zusammensetzt. Im Winter verkriechen sie sich in einer Baumspalte, im Efeudickicht oder der Unterseite eines Blattes. Die Lebenserwartung der gelben Schmetterlinge von bis zu zwölf Monaten ist so hoch wie bei keinem anderen Schmetterling Mitteleuropas.

Stand: 20.03.2016, 06:00