CO2-neutral fliegen

Kind in einem Flugzeug

Freiwillige Abgaben für die Umwelt

CO2-neutral fliegen

Von Susanne Schnabel

Umweltbewusst fliegen, geht das? Jein. Natürlich ist der Verzicht auf einen Flug die beste Alternative, denn Fliegen ist die umweltunfreundlichste Art zu Reisen. Muss es trotzdem das Flugzeug sein, kann man seine persönliche CO2-Bilanz neutralisieren. Aber was bringt das?

Mit dem Flieger zur Zahnbehandlung nach Budapest, zum Shoppen nach New York oder mal eben nach Berlin zum Konzertbesuch jetten - Fliegen ist eine Selbstverständlichkeit geworden. In den Anfängen des Flugtourismus konnten sich das nur wohlhabende Menschen leisten. Mittlerweile ist Fliegen wegen der Billig-Airlines zum Massentransportmittel geworden. Im vergangenen Jahr starteten oder landeten laut Statistischem Bundesamt insgesamt 186,4 Millionen Fluggäste auf deutschen Flughäfen. Aber gerade Flugreisen belasten das Klima. So produziert etwa ein Flug von Köln nach Teneriffa und zurück pro Passagier rund anderthalb Tonnen Kohlendioxid (CO2). Das ist etwa so viel, wie ein Mensch in Indien im ganzen Jahr verursacht.

CO2-Emissionsausgleich

Speisen- und Getränkeservice an Bord einer Junkers G31 der Lufthansa im Jahre 1928

Als Flugreisen noch etwas Besonderes waren

Reisende haben die Möglichkeit, für die von ihnen verursachten Klimagase mit einer freiwilligen Abgabe zu kompensieren, indem sie einen Emissionsausgleich finan­zieren. Die Anbieter von Ausgleichsprojekten investieren das Geld in Solar-, Wasserkraft- oder Biomasseprojekte, die für das Geld etwa die gleiche Menge Kohlendioxid einsparen. Der Ausgleich für ein Hin- und Rückflugticket von Düsseldorf nach Mallorca kostet zum Beispiel 16 Euro. Bei Überseeflügen mit Zwischenstopp wird's teuer. Beispiel: Von Köln über Amsterdam nach Peru und zurück kostet die Kompensation 137 Euro. Mittlerweile können Urlauber auf den Internetseiten vieler Reiseveranstalter und Fluggesellschaften die Treibhausgasemissionen berechnen, die sie während ihrer Reise verursachen.

Als sinnvolle Maßnahme beurteilt das Matthias Klug von der Verbraucherzentrale NRW: "Kritiker bezeichnen das als modernen Ablasshandel. Aber es ist eine Möglichkeit, seinen eigenen CO2-Verbrauch wenigstens zu neutralisieren." Bei kurzen Strecken innerhalb Deutschlands sei die Bahn oder der Fernbus immer die bessere Alternative, sagt Klug.

Auf "Gold Standard" achten

Geldmünzen auf einer Broschüre von Atmosfair

Freiwillige Abgaben für Umweltprojekte

Matthias Klug empfiehlt, bei der Auswahl der Kompensationsanbieter darauf zu achten, dass die unterstützten Projekte das Zertifikat "Gold Standard" haben. "Diesen Standard haben internationale Umweltschutz-Organisationen wie Greenpeace und WWF ausgearbeitet. Er garantiert die Einhaltung von ökologischen und sozialen Nachhaltigkeitskriterien", so Klug. Der Zertifizierer für Klimaschutzprojekte prüfe neben der Einsparung der Emissionen auch, ob ein Mindestmaß an Rücksicht gegenüber der lokalen Bevölkerung und Umwelt eingehalten wird. Zum Beispiel erhalten Haushalte in Entwicklungsländern Solarlampen oder effizientere Brennholzkocher.

Akzeptanz der freiwilligen Abgabe

Flugzeug am Himmel

Muss es wirklich der Flieger sein?

Einer der bekanntesten Anbieter von Reisekompensationen, seit 2005 der erste in Deutschland, ist die gemeinnützige Klimaschutzorganisation Atmosfair. Die Spendeneinnahmen von Atmosfair wuchsen 2014 auf den bisher höchsten Stand von 4,6 Millionen Euro, etwa 600.00 mehr als im Jahr zuvor. Das Klimaschutz-Unternehmen Artik berichtet, dass fast 10 Prozent aller Flugreisen in Deutschland bereits ausgeglichen werden. Das sind auf den ersten Blick gute Nachrichten. Aber weltweit werden nur etwa ein Prozent aller Flüge ausgeglichen.

"Ein Problem für Verbraucher ist, dass man sich eine Tonne CO2 nur schwer vorstellen kann, vor allem, weil es sich um ein Gas handelt", sagt Matthias Klug. Man müsse sich klar machen, dass laut Weltklimarat die Pro-Kopf-Emission jedes Menschen weltweit nicht mehr als zwei Tonnen CO2 pro Jahr betragen darf, jeder Deutsche im Schnitt aber schon auf etwa zehn Tonnen kommt. Klug: "Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir uns - nicht nur bei Flugreisen - enorm einschränken."

Stand: 04.12.2015, 06:00