Eisbären im Zoo: Schutz oder Schaden?

Eisbären im Zoo: Schutz oder Schaden?

Von Marion Kretz-Mangold

Sie heißen Knut, Flocke und Fiete und sind die Lieblinge aller Zoobesucher. Sie haben am Montag (27.02.2017) sogar einen eigenen "Tag der Eisbären". Die Haltung im Zoo ist aber schwierig, Tierschützer wollen sie ganz verbieten.

Eisbären sind furchteinflößende Tiere: Riesige Räuber, die bis zu 1,60 Meter hoch und 800 Kilogramm schwer werden können und ihr Jagdgebiet rund um den Nordpol durchstreifen. Eisbären haben aber auch etwas Knuddeliges an sich, besonders, wenn sie noch klein sind. Der kleine Berliner "Fritz", Nachfolger des berühmten "Knut", und das noch namenlose Weibchen aus München, das am Freitag (24.02.2017) der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, sind die Publikumsmagneten in den Zoos.

Zufluchtsort für gefährdete Arten?

Eisbär auf einer Scholle

Der Lebensraum schwindet

Zoos galten jahrzehntelang als eine Art Arche Noah, der Ort, in dem gefährdete Tierarten gezüchtet und so für die Nachwelt gerettet werden können. Das gilt auch für die Eisbären, die massiv vom Klimawandel bedroht sind und deswegen auf der Roten Liste stehen.

Auch wenn Zählungen schwierig sind: Mehr als 20.000 Tiere gibt es nicht mehr. Und Experten rechnen mit einem weiteren Rückgang um 30 Prozent in den nächsten 45 Jahren.

Aber auch in den Zoologischen Gärten sinkt die Zahl. Lebten 1980 weltweit noch 633 Tiere in Tiergehegen, waren es 2012 noch 330. In Deutschland sind es nach neuesten Berechnungen gerade mal drei Dutzend.

Tierschützer kritisieren Lebensbedingungen

Ein Eisbär liegt flach auf einem Stein.

Nicht artgerechte Haltung?

Warum die Zahl gesunken ist, ist umstritten. Für die Tierschutzorganisation Peta liegt es an den schlechten Lebensumständen im Zoo, in die die Tiere hineingeboren werden und die nach ihrer Ansicht zu einer höheren Sterblichkeit führen. "Wenn die so hoch ist wie am Polarkreis, dann stimmt etwas nicht", sagt Zoo-Fachreferent Peter Höffken.

Er kritisiert vor allem die Anlagen, die zu eng seien - die Folge: Die Tiere würden hochgradig verhaltensgestört, immer im Kreis laufen und mit dem Kopf wackeln. Mütter würden ihre Babys verstoßen, die dann mit der Hand aufgezogen werden müssten. Höffken: "Die Tiere werden ja nicht so geboren, das ist eine Folge der Zoohaltung." Wenn sie überlebten, würden sie auch selten älter als 15 Jahre. Die logische Schlussfolgerung für Peta: Eisbären haben in deutschen Zoos nichts zu suchen.

Weniger Zoos, weniger Tiere

Die Zoos, die Eisbären zeigen, machen eine andere Rechnung auf. Dass die Aufzuchtrate gerade mal bei 50 Prozent liegt, bestreitet auch der Verband der Zoologischen Gärten nicht. Aber in der freien Wildbahn stürben weit mehr als die Hälfte der Tiere. Wer durchkomme, erreiche dann ein Alter von durchschnittlich acht Jahren. "Eisbären werden im Zoo also im Mittel doppelt so alt wie in der Natur!", schreibt der Verband.

Ein weiteres Argument: Die Zahl sei schlicht auch deswegen gesunken, weil es weniger Zoos gibt, die Eisbären halten. Inzwischen sind es nur noch 13 mit eigenen Anlagen. Der Allwetterzoo Münster zum Beispiel hat vor Jahren darauf verzichtet - ausdrücklich mit Verweis auf die alten, wenig artgerechten Betonanlagen. Anderswo wurde zudem die Gruppengröße deutlich verringert. Meist werden nur noch Pärchen gehalten, ein Zugeständnis an die Tiere, die eigentlich Einzelgänger sind.

Das Wohl der Tiere geht vor

In der "Zoom Erlebniswelt" in Gelsenkirchen teilen sich drei Tiere eine Anlage, in Wuppertal haben "Luka" und "Anori" das Gehege mit den markanten Betonfelsen für sich - zwei Fünfjährige, die vielleicht einmal Nachwuchs bekommen. Dass auch sie ständig in Bewegung sind, ist kein Problem, sagt der Tierpfleger. "Der Eisbär ist sehr bewegungsfreudig, der hat keinen Schaden. Das sollte man nicht vermenschlichen." Zu klein sei die Anlage nicht.

Trotzdem soll sie umgebaut werden, wenn das Geld dafür da ist. Denn auch sie gilt, wie die in Münster, als nicht mehr zeitgemäß. Wenn das nicht klappt, müssten die Tiere möglicherweise abgegeben werden, hieß es schon 2014. Für eine Zucht sei die Anlage nicht geeignet, das Wohl der Tiere gehe vor.

Stand: 27.02.2017, 06:30