Kampf gegen den Buchsbaumzünsler

Raupe im Buchsbaumgeäst

Kampf gegen den Buchsbaumzünsler

Von Katja Goebel

Ein grüner Vielfraß mit schwarzen Punkten versetzt Parkbetreiber und Gartenliebhaber seit einigen Jahren in Schrecken. Der Buchsbaumzünsler frisst sich gleich meterweise durch Buchsbaumhecken. Müssen wir uns an den Schädling gewöhnen?

"Er ist nach wie vor da", sagt Nabu-Insektenkundler Karl-Heinz Jelinek, der auch schon in diesem Jahr die gefräßigen Raupen in Buchsbaumkübeln entdeckt hat. "Aber man gewöhnt sich an alles – auch an den Buchsbaumzünsler."

Im Botanischen Garten in Krefeld schreckte er noch 2015 die Gärtner auf. Jetzt, ein Jahr später, hat Parkleiterin Birgit Loy wieder die ersten Raupen entdeckt. "Wir haben das Problem letztes Jahr ganz gut in den Griff bekommen." Man habe damals erfolgreich ein Bodenbakterium zur Bekämpfung eingesetzt. "Alle Pflanzen haben überlebt."  

Biologisches Fraßgift gegen hungrige Raupen

Das Bakterium "Bacillus thuringiensis" wird als Fraßgift auch von anderen Experten zum Kampf gegen den Buchsbaumzünsler empfohlen. "Das ist ein alt bekannter Wirkstoff, der schon seit 40 Jahren auch gegen andere Schadschmetterlinge eingesetzt wird", erklärt Marianne Klug vom Pflanzenschutzdienst  in Münster. Wichtig sei es, so Klug, die Pflanzen am besten wöchentlich während der gesamten Vegetationsperiode – vom frühen Frühjahr bis zum Herbst auf Raupen abzusuchen. Die Tiere sitzen meist tief im Geäst. "Also am besten die Zweige weit auseinander breiten und auf Raupen und hell grüne Kotkrümel im Gespinst achten."  

Buchsbaumzünsler

Handarbeit: Raupen sammeln

Auch Berthold Holzhöfer, Parkleiter im Jüchener Schloss Dyck, hat nach dem großen Befall 2015 erst einmal Ruhe. "Wir haben im letzten Jahr regelmäßig mit biologischen Schädlingsbekämpfungsmitteln gespritzt. Dieses Jahr allerdings noch gar nicht." Zunächst versucht Berthold Holzhöfer es noch mit einem harten Wasserstrahl. Verluste hatte die Parkanlage dennoch zu verzeichnen. "Wir haben die abgefressenen Buchsbaumpflanzen jetzt durch Eibe und Ilex ersetzt. Die Leute zahlen schließlich Eintritt. Die wollen keine abgefressenen Pflanzen sehen."

"Der Schönste aller Schädlinge"

Jetzt  - im Hochsommer - ist Futterzeit. Ab Mitte Juni hat der Falter zum zweiten Mal seine Eier gelegt. Wenn daraus die Raupen schlüpfen, beginnt das große Fressen. Solange, bis die Raupe sich Ende August verpuppt und überwintert. Im darauf folgenden Jahr schlüpft der Falter und im Frühjahr geht dann mit der ersten Generation an Raupen wieder alles von vorn los. Der Falter übrigens ist ein in perlmutt schimmernder Schmetterling. "Der Schönste alle Schädlinge", sagt Naturschützer Jelinek.

Buchsbaumzünsler

Perlmuttschimmernder Buchsbaumzünsler

Man erkennt den Befall am eigenen Buchsbaum meist erst, wenn sich die Raupe schon von innen nach außen gefressen hat. "Die Blätter sind dann sichelförmig angefressen", erklärt der Insekten-Experte. "Sind keine Blätter mehr da, aber der Hunger der Raupe noch groß, frisst sie auch die Rinde. Dann ist dem Buchsbaum nicht mehr zu helfen." Muss die Pflanze entsorgt werden, raten Experten, sie weder im Kompost noch in der Tonne für Grünabfälle zu entsorgen. Lieber im Restmüll.

Ohne Konkurrenz und Feinde

Was kann man noch tun gegen diese Raupe Nimmersatt? Augen auf und beherzt im Busch auf Raupenfang gehen, wäre eine Variante. Am besten wäre es aber, wenn der Buchsbaumzünsler in das Beuteschema eines natürlichen Räubers fiele. Doch das kann noch dauern. "Die Art ist ja gerade einmal zehn Jahre in Deutschland. Sie wurde hier noch gar nicht von Parasiten und Fressfeinden entdeckt." 2006 wurde der Buchsbaumzünsler aus Ostasien bei uns eingeschleppt. Im Herkunftsgebiet hat sich eine Schlupfwespe darauf spezialisiert, den Buchsbaumzünsler zu stoppen. Doch eine Einfuhr solcher Schlupfwespen könne andere große Probleme mit sich  bringen. "Die Wespe könnte auch andere heimische Arten fressen."

Schmetterlingspuppe zischen Blättern

Puppe eines Buchsbumzünlers

"Immer, wenn eine fremde Art eingeschleppt wird, kommt es erst einmal zu einer Massenvermehrung, weil die Art konkurrenzlos ist", sagt Jelinek und nennt als Beispiel den Einfall der Kastanienminiermotte in den 90er Jahren. "Damals lautete die Schlagzeile 'Das Ende der Biergärten', weil die Motte die Kastanien kahl fraß." Von der Panik ist nicht viel geblieben. Man hat sich mit dem Schädling arrangiert oder einfach rot blühende Kastanienarten gepflanzt, die waren weniger befallen. Und die Biergärten stehen immer noch.

Stand: 09.08.2016, 06:00