Faszination Fledermaus: Die Batnight 2018

Fledermaus, Großes Mausohr im Flug

Faszination Fledermaus: Die Batnight 2018

  • 22. Internationale Fledermausnacht am Wochenende (25./26.08.2018)
  • Viele Exkursionen auch in NRW
  • Tiere sind stark gefährdet

Es gibt Menschen, die sich vor Fledermäusen gruseln, weil sie etwas von kleinen Draculas an sich haben. Dabei sind sie harmlos, Insektenfresser und gerade mal daumengroß. 25 verschiedene Arten gibt es in Deutschland - sie fallen nur nicht auf.

Am Tag sind sie nicht zu sehen

Tagsüber verstecken sie sich in Höhlen, Bäumen und hinter den Fassaden von Gebäuden. Erst nach Einbruch der Dunkelheit werden sie aktiv und machen sich auf die Suche nach Nahrung: für Fledermaus-Fans die beste Zeit zum Beobachten. So auch am kommenden Wochenende (25./26.08.2018), wenn die 22. Batnight in über 35 Ländern weltweit stattfindet.

Nacht der Fledermaus: Fakten zum Fledertier

Von Ildiko Holderer

Am Samstag ist internationale Fledermausnacht - mit vielen Exkursionen in NRW. Zur Einstimmung erfahren Sie hier, welche Fledermäuse sich von Blut ernähren oder wie Sie Ihren Garten "fledermausfreundlich" gestalten können.

Rauhautfledermaus fliegt nachts

Monitoring ist schwierig
Fledermäuse kommen – abgesehen von der Antarktis – auf jedem Kontinent vor. Weltweit gibt es über 1.200 Fledermausarten, in Europa und der Westtürkei waren es 2014 über 44 Arten. Alle 25 Fledermausarten sind in Deutschland nach dem Bundesnaturschutzgesetz geschützt. Genaue Zahlen zur Population in Deutschland gibt es nicht. "Ein flächendeckendes Monitoring gibt es bislang nicht", erklärt Fledermausexperte Sebastian Kolberg vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Die Nachtaktivitätat mache es im Vergleich zu anderen Tieren deutlich schwerer, Fledermäuse zu erforschen.

Monitoring ist schwierig
Fledermäuse kommen – abgesehen von der Antarktis – auf jedem Kontinent vor. Weltweit gibt es über 1.200 Fledermausarten, in Europa und der Westtürkei waren es 2014 über 44 Arten. Alle 25 Fledermausarten sind in Deutschland nach dem Bundesnaturschutzgesetz geschützt. Genaue Zahlen zur Population in Deutschland gibt es nicht. "Ein flächendeckendes Monitoring gibt es bislang nicht", erklärt Fledermausexperte Sebastian Kolberg vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Die Nachtaktivitätat mache es im Vergleich zu anderen Tieren deutlich schwerer, Fledermäuse zu erforschen.

Leben in Höhlen und Spalten
Grob unterscheidet man bei Fledermäusen in Europa zwischen höhlenbewohnenden Arten und den Arten, die Spalten bewohnen. Die höhlenbewohnenden Arten übernachten tagsüber beispielsweise in ausgehöhlten Baumstämmen im Wald oder in Parks. Die spaltenbewohnenden Arten sind häufiger in Wohngebieten anzutreffen, kommen aber auch im Wald vor.

Ultraschallwellen und Echoortung
Fledermäuse sind nachtaktiv. Um sich im Dunkeln zurechtzufinden, stoßen sie Ultraschallwellen aus, die von Objekten reflektiert werden. Diese Echos werden dann von den Fledermäusen aufgenommen und verarbeitet - Experten sprechen von "Echoortung“. So können Fledermäuse Gebäude und Bäume umfliegen oder Beute orten.

Fortpflanzungs-Künstler
Fledermäuse sind Fortpflanzungs-Künstler: Gegen Ende des Sommers paaren sie sich in sogenannten Schwarm- und Balzquartieren. "Die Spermien überleben dann im Geschlechtstrakt des Weibchens den Winterschlaf und im Frühjahr findet dann die Befruchtung statt", erklärt Sebastian Kolberg vom Nabu. Pro Jahr gebären Fledermäuse im Durchschnitt ein Junges, das dann vom Weibchen gemeinsam mit anderen Müttern und ihren Jungen aufgezogen wird.

Bedrohte Fledermaus
Obwohl Fledermäuse durch ihre Nachtaktivität den meisten natürlichen Feinden aus dem Weg gehen, sind viele Fledermausarten gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht. Nachtaktive Raubvögel wie Eule und Kauz zählen zu den natürlichen Feinden, gefährlicher für die Fledermaus ist allerdings der Mensch. Durch den Einsatz von Pestiziden in Land- und Forstwirtschaft sterben die Tiere. "Auch Windräder stellen eine Bedrohung für die Fledermäuse dar", sagt Sebastian Kolberg vom NABU. In einer Hochrechnung des Leibniz-Instituts ist die Rede von bis zu 250.000 Fledermäusen, die in Deutschland jährlich sterben könnten an der Kollision mit Rotorblättern oder an inneren Verletzungen durch die Luftdruckunterschiede in der Nähe der Rotorblätter. "Solche Hochrechnungen müssen allerdings vorsichtig betrachtet werden, denn auch hier gestaltet sich das Monitoring schwierig", so Kolberg.

Virenüberträger
In Afrika gelten Fledermäuse und Flughunde als Überträger gefährlicher Viren wie dem Ebola-Virus. Und auch in Deutschland haben viele Menschen Vorbehalte wegen möglicher Infektionen, denn Fledermäuse können die Tollwut übertragen. In den letzten 40 Jahren gab es allerdings nur vier bestätigte Fälle in Europa, bei denen Tollwut durch Bisse von Fledermäusen auf Menschen übertragen wurde. "Bei direktem Kontakt raten wir allerdings trotzdem dazu, Fledermäuse nur mit entsprechendem Schutz wie dicken Gartenhandschuhen zu berühren", sagt Kolberg.

Fledermaus und Vampir
Die Fledermaus als nachtaktives Tier mit spitzen Eckzähnen, das gerne in dunklen Höhlen haust, regt seit langem die Fantasie der Menschen an. Schon im Mittelalter wurden Teufel und Dämonen mit fledermausähnlichen Flügeln dargestellt, in Bram Stokers Klassiker "Dracula" verwandelt sich der Vampir Graf Dracula in eine Fledermaus.

Blutsaugende Fledermäuse
Tatsächlich gibt es blutsaugende Fledermäuse: Vampirfledermäuse wie der Desmodus Rotundus (gemeiner Vampir) ernähren sich ausschließlich von Blut. Menschen gehören eher selten zu ihren Blutquellen. Bislang sind drei blutsaugende Arten bekannt, die auf dem amerikanischen Kontinent vorkommen.

Insektenfresser
Die meisten Fledermäuse ernähren sich ausschließlich von Insekten. "In ganz seltenen Fällen kann es vorkommen, dass eine Wasserfledermaus auch kleine Fische von der Wasseroberfläche von Seen oder Flüssen fängt", sagt Sebastian Kolberg. Auf dem Speiseplan stehen aber normalerweise eher Falter, Spinnentiere oder Käfer. Bis zu 4.000 Insekten pro Nacht kann eine Fledermaus fangen.

Nutzen von Fledermäusen
Könnten die Fledermäuse als Insektenfresser nicht auch der Schädlingsbekämpfung dienen und somit Pestizide ersetzen? Laut einer in den USA 2015 veröffentlichten Studie von "Bat Conservation International" könnte der Nutzen von Fledermäusen für Landwirte beim Maisanbau weltweit knapp eine Milliarde Dollar betragen. "Fledermäuse fressen einerseits Schädlinge, beeinflussen durch die Echoortung neuen Studien zufolge aber auch deren Verhalten, zum Beispiel bei der Eiablage" sagt Sebastian Kolberg vom NABU. Um landwirtschaftliche Synergien zu ermöglichen, müsse aber in jedem Fall noch weiter geforscht werden.

Fledermausfreundlicher Garten
Durch energetische Sanierungen von Gebäuden oder intensiver Forstwirtschaft verlieren Fledermäuse immer mehr natürlichen Lebensraum. Ersatzquartiere wie ein Fledermauskasten können da helfen. Wer seinen Garten darüber hinaus fledermausfreundlich gestalten will, kann zum Beispiel für abwechslungsreiche und nachtblühende Bepflanzung sorgen. Denn die zieht auch nachts Insekten an. "So deckt man den Fledermäusen quasi den Tisch", sagt Sebastian Kolberg. Wer die Tiere live erleben und mehr erfahren möchte: Der Nabu bietet am Samstag und Sonntag (25. und 26.08.2018) viele Exkursionen zur "Batnight" – der Nacht der Fledermäuse – an.

Kleine Tiere in Gefahr

In Deutschland wird die Fledermausnacht vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) organisiert. Er bietet an vielen Standorten Exkursionen zum "Bat-Watching" an, mit Informationen über die verschiedenen Arten und konkreten Tipps zum Schutz: Die Tiere gelten wegen Lichtverschmutzung, Windrädern und Insektiziden als gefährdet, manche sind sogar vom Aussterben bedroht. Zur diesjährige Hauptveranstaltung lädt der NABU Rheinland-Pfalz in das Mayener Grubenfeld ein, wo etwa 50.000 Fledermäuse überwintern.

Stand: 24.08.2018, 06:00