Zwischen Kyrill und Klimawandel – wie geht's unserem Wald?

Herbstspaziergang im Wald

Zwischen Kyrill und Klimawandel – wie geht's unserem Wald?

Von Christoph Tiegel

Herrlich herbstbunt präsentierten sich die Laubbäume in ganz Nordrhein-Westfalen. Goldene Oktobertage brachten uns einen "Indian Summer" auch im Sauerland – aber geht es unserem Wald eigentlich so gut, wie er aussieht?

Der Wald - das grüne Drittel Deutschlands

Der deutsche Wald umfasst aktuell rund 11,4 Millionen Hektar Fläche. Damit ist etwa ein Drittel Deutschlands bewaldet – und zwar überwiegend mit Fichten, Kiefern, Buchen und Eichen. Waldreichstes Bundesland ist Rheinland-Pfalz, dort sind 42 Prozent der Fläche mit Nadel- und Laubbäumen bedeckt, gefolgt vom Saarland mit 40 Prozent. Nordrhein-Westfalen kommt auf etwa 27 Prozent – ist also zu einem guten Viertel Waldland. Dabei ist hier der Anteil des Privatwaldes mit 64 Prozent höher als in jedem anderen Bundesland.

Wem nützt unser Wald und wie geht's ihm heute?

"Wald ist Wirtschaftsraum für Eigentümer. Wald ist Erholungsraum für die Bevölkerung. Wald ist Ökologie. Wald ist die grüne Lunge der Gesellschaft", sagt der Sauerländer Förster Hans von der Goltz, umgeben von Buchen, Fichten und Ahornbäumen in einem Forst in Schmallenberg. Das Gehölz wirkt sehr gesund - aber ist es das auch?

Blick durch einen Wald gen Himmel

Grüne Lunge Wald

"Unser Wald ist im Großen und Ganzen gesund", sagt Förster von der Goltz. Es gäbe allerdings immer wieder Schwankungen, wenn einzelne Baumarten zum Beispiel von tierischen oder pflanzlichen Schädlingen heimgesucht würden. "Im Moment sieht es zum Beispiel bei der Esche ganz schlecht aus: Eschentriebsterben. Die Fichte ist vitaler als in den 80er Jahren."

Kyrill und die Folgen

Früher standen im Schmallenberger Wald fast nur Fichten. Dann kam der Orkan Kyrill. Der knickte vor zehn Jahren insgesamt 25 Millionen Bäume um. Vor allem in den Wäldern Südwestfalens richtete er ernorme Schäden an.

Ein Bagger beseitigt Schäden des Sturms Kyrill

Aufräumarbeiten nach Kyrill

Bei der Wiederaufforstung setzte man danach, so der Sauerländer Förster von der Goltz, eher auf einen bunten Mix: "Wir haben zum Beispiel die Fichte mit der Tanne gemischt. Wir haben die Buche mit der Fichte gemischt." Dazu komme jetzt – ganz neu – auch noch die Esskastanie als eine Art "Mammutbaum". Mischwald statt Monokultur – das soll dem Forst insgesamt mehr Stabilität verleihen und Widerstandskraft gegen kommende Stürme.

Zukunftsaufgabe Klimawandel?

Saurer Regen und (befürchtetes) Waldsterben waren beherrschende Themen in den 1980er Jahren. Sie wurden abgelöst vom Klimawandel – vielleicht das beherrschende Thema und die Hauptaufgabe für die nachwachsende, jüngere Förster-Generation.

Mehrere Blitze am Himmel über einem Wohngebiet am Wald

Unwetter über Nordrhein-Westfalen

Wenn Förster von der Goltz demnächst in den Ruhestand geht, wird Frank Rosenkranz sein Nachfolger sein und er weiß, was ihn und seine Kollegen in den nächsten Jahren sehr beschäftigen wird: "Was uns alle aufhorchen lässt, ist diese Dynamik, die der Klimawandel an den Tag legt. Die Intensität. Die räumliche Verteilung. Wir merken es jetzt eben an den Wettereignissen, an den Sturmereignissen, die einfach häufiger kommen, und dass wir da reagieren müssen." Die Förster überlegen: Wie können wir unseren Wald vorbereiten, wie ihn entsprechend anpassen, "damit eben auch in Zukunft Waldbesitzende mit ihrem Wald auch noch Geld verdienen können und er auch den gesellschaftlichen Ansprüchen in Zukunft Genüge tun kann".

Der Wald als Bestseller

Das Thema Wald erlebt derzeit einen Boom auf dem Buchmarkt, ausgelöst durch den Förster und Buchautor Peter Wohlleben und seine naturgefühligen Bestseller ("Das geheime Leben der Bäume", "Gebrauchsanweisung für den Wald"). Was hält ein Förster im Sauerland vom Wirken des prominenten Kollegen? "Grundsätzlich freuen wir uns über das gesellschaftliche Interesse am Wald", so Frank Rosenkranz.

Peter Wohlleben im Wald

Förster und Bestseller-Autor Peter Wohlleben

Dass Peter Wohllebens Wald-Bestseller mit ihrer "blumigen, emotionalen" Sprache sicher ihren Teil dazu beitrügen, sei unbestritten. Auch wenn manches von ihm "sachlich-fachlich unscharf" beschrieben werde, aus Sicht des Forstfachmannes in Teilen vielleicht auch falsch, müsse man ihm trotzdem zu Gute halten, dass er das Interesse am Wald beflügelt.

Den Wald schonend genießen

Goldene Oktobertage taten in diesem Jahr ihr Übriges, herbstbunte Bäume machten (und machen) vielen Menschen Lust darauf, nicht bloß in schönen Waldbüchern zu blättern, sondern tatsächlich auch mal wieder reinzugehen!

Ein Jogger läuft einen Waldweg entlang

Wald als Naherholungsraum

In der Tat ist der Wald ja ein großartiger Erholungsraum für Spaziergänger, Walker, Jogger, Biker. Förster von der Goltz stellt den allermeisten Waldbesuchern ein gutes Benimm-Zeugnis aus: "99 Prozent aller Besucher verhalten sich so, dass die Elemente des Waldes nicht gestört werden. Sie bleiben auf den Wegen." Sobald man die Wege verlasse, gebe es schon manchmal Probleme, weil Tiere gestört oder schützenswerte Biotope mit seltenen Pflanzen zertrampelt würden, das sei aber zum Glück in seinem Forstbereich die große Ausnahme.

Stand: 20.10.2017, 00:00