Wildnis-Ausstellung im Nationalpark Eifel

Wildnis-Ausstellung im Nationalpark Eifel

Von Sabine Tenta

Im Nationalpark Eifel öffnet am Sonntag eine neue Dauerausstellung zur Natur in dieser Region. Eine Besonderheit: Viele Tiere können gestreichelt werden, zum Beispiel der scheue Biber – ohne Angst, dass die scharfen Nagezähne zubeißen.

Blick in einen Ausstellungsraum, an der linken Wand hängt eine Fototapete mit jungen Buchenblättern

Seit 2004 gibt es den Nationalpark Eifel. In fünf sogenannten "Nationalpark-Toren" sind bislang schon kleinere Ausstellungen zur Flora und Fauna zu sehen. Am Sonntag (11.09.2016) eröffnet mitten im Nationalpark, in der ehemaligen NS-Ausbildungsstätte Burg Vogelsang, offiziell das neue Nationalpark-Zentrum. Neu sind zwei große Dauer-Ausstellungen auf insgesamt 2.000 Quadratmetern: Eine zur NS-Vergangenheit und eine zur Natur in der Eifel. "Wildnis-T-Räume" heißt die Einführung in das Leben von Tieren und Pflanzen im Nationalpark.

Seit 2004 gibt es den Nationalpark Eifel. In fünf sogenannten "Nationalpark-Toren" sind bislang schon kleinere Ausstellungen zur Flora und Fauna zu sehen. Am Sonntag (11.09.2016) eröffnet mitten im Nationalpark, in der ehemaligen NS-Ausbildungsstätte Burg Vogelsang, offiziell das neue Nationalpark-Zentrum. Neu sind zwei große Dauer-Ausstellungen auf insgesamt 2.000 Quadratmetern: Eine zur NS-Vergangenheit und eine zur Natur in der Eifel. "Wildnis-T-Räume" heißt die Einführung in das Leben von Tieren und Pflanzen im Nationalpark.

Gleich zu Beginn zeigt eine Wand mit Fotos einen Überblick, wer alles im Nationalpark Eifel heimisch ist. Darunter sind 2.000 gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Von Winzlingen wie Roter Waldameise über Säugetiere wie Wildkatze und Baummarder bis zu Vögeln wie Schwarzstorch, Kolkrabe und Raufußkauz. Letzterer brütet gerne in Altholzbeständen von Kiefern und Buchen. Raufußkauz heißt die kleine Eule, weil ihr dichtes Gefieder bis zu den Krallen reicht.

"Wald, Wasser, Wildnis" – so lautet das Motto des Nationalparks Eifel. Insbesondere die Wildbäche bieten einen wichtigen Lebensraum für Insekten: In einem Kilometer eines Mittelgebirgsbachs schlüpfen pro Jahr bis zu 20 Millionen Insekten. Die sind wiederum eine sprudelnde Nahrungsquelle für Vögel und Spinnen.

Kaum dass sich ein Opfer in einem Spinnennetz verfangen hat, kommt die Baumeisterin schon angeflitzt und schlägt zu. Denn mit ihren Beinen kann sie kleinste Vibrationen wahrnehmen. Zeitlich versetzt eintreffende Bewegungsimpulse geben dem feinfühligen Tier ein genauen Lageplan im Koordinatensystem ihres Netzes. Das kann man in der Ausstellung an einem Spinnennetz-Modell nachvollziehen: Einfach Hand auflegen, Augen schließen und von einer anderen Person am Netz zupfen lassen.

Wie sensibel sind unsere Sinne? Einen unterhaltsamen Test bietet das Duftmemory: Vier verschiedene Düfte sind auf acht Schnüffelboxen verteilt. Wer erkennt Wildrose, Baldrian, Kamille und Johanniskraut wieder? Die Auflösung ist hinter Klappen versteckt. Für Bienen wäre dieser Nasentest eine Beleidigung, denn sie speichern souverän unzählige Düfte ab. Kein Wunder, auf ihren beiden Antennen sitzen rund 60.000 Duftrezeptoren.

Wenn sich die Bäche in Niederungen zu Teichen stauen, dann ist das mitunter das Werk eines eifrigen Nagers: Biber wurden bereits in den 1980er Jahren in der Eifel erfolgreich wieder angesiedelt. Sie bauen gewaltige Biberburgen aus Holz. Ein paar seiner abgeknabberten Hölzer haben die Ausstellungsmacher gemopst, um eine seiner Wohnhöhlen nachzubauen. Ein Querschnitt zeigt auf der Rückseite den Aufbau der Burg.

In diesem Burgmodell sitzen zwei ausgestopfte Biber. Anfassen ist hier ausdrücklich erwünscht!

Seidig weich fühlt sich das Biberfell an, die unbehaarte Haut seines Schwanzes lederartig. Der Schwanz, der auch Kelle heißt, dient dem Biber unter Wasser als Steuerruder und manchmal vertreibt er damit auch Eindringlinge. Dann patscht er mit der großen Kelle auf die Wasseroberfläche und macht so einen Riesenradau.

Die gelb-rote Färbung seiner Zähne lässt nicht auf mangelnde Zahnpflege schließen. Es ist vielmehr ein Hinweis, warum so ein kleines Nagetier ganze Laubbäume fällen kann: Im Zahnschmelz ist Eisen eingelagert.

Aufwendig gestaltete Dioramen, also Schaukästen, mit nachgebauten Landschaften und gemalten Hintergründen, sucht man in der Ausstellung vergebens: "Wir sind kein Naturkundemuseum", erklärt Kerstin Oerter vom Nationalpark-Team. Zudem könne man die echte Natur ja unmittelbar vor der Haustür erleben.

Stattdessen werden in einer halbrunden Wandnische ausgestopfte Exemplare von Nationalparkbewohnern mit verschlungenen Drahtgeflechten präsentiert. Jeder Draht endet an einer Infotafel. Kinder freuen sich über das Suchspiel, Erwachsene über die ästhetische Ansicht des grafischen Musters. Schwarzstorch, Eisvogel, Wasseramsel und Kormorane können so in aller Ruhe angeschaut werden.

Aber nicht alle hier gezeigten Tiere leben auch im Nationalpark. Für den Fischotter, der gerne Verstecke im dichten Ufergestrüpp oder im Wurzelwerk alter Bäume baut, ist lediglich der Lebensraum bereitet. Nun hoffen die Naturschützer, dass er sich bald in der Eifel ansiedeln wird.

Heimisch und reichlich vorhanden im Nationalpark ist hingegen der Rothirsch. Rund 1.000 Tiere leben hier. Ein stattliches Exemplar – auch er lässt sich bereitwillig streicheln – steht neben Hirschsilhouetten, die unterschiedliche Lebensphasen des größten tierischen Nationalparkbewohners zeigen. Bis zu 18 Jahre alt wird ein Rothirsch.

Das gewaltige Geweih wird jedes Jahr aufs Neue gebildet. In nur 120 Tagen bildet ein Rothirsch bis zu 15 Kilo Geweih aus, das er jeweils im Februar wieder abwirft. Der Kopfschmuck soll Weibchen beeindrucken und vor allen Dingen Rivalen. Bei der Brunft im Oktober kann man von einer Beobachtungsplattform im Nationalpark sehen und hören, wie die Rothirsche mit gesenktem Kopf und lautem Geklacker die Geweihe gegeneinander schlagen.

Nicht anfassen darf man den Braunbären. Er ist weder im Nationalpark heimisch, noch wird er erwartet. Er dient als Anschauungsmaterial für das Thema Familienplanung: Quantität oder Qualität ist die entscheidende Frage. Großsäuger wie der Braunbär setzen auf wenige Junge, um die sie sich intensiv kümmern.

Anders ist die Strategie von Mäusen. Sie erzeugen reichlich Nachwuchs, der schnell selbständig wird. Auch deshalb, weil sie auf dem Speiseplan vieler Tiere ganz weit oben stehen und nur wenige Junge überleben.

Fressen und gefressen werden – das ist die Lebens- und Sterbensrealität für die meisten tierischen Bewohner des Nationalparks. Wer durch wen bedroht wird, zeigt eindrucksvoll ein Nahrungsnetz in der Ausstellung. In der Mitte sind Kleinsäuger oder Spinnen, ganz oben hingegen Greifvögel und der Luchs. Die scheue Raubkatze mit den markanten Pinselohren ist noch nicht heimisch im Nationalpark, wurde dort aber schon mehrfach gesichtet. Der Luchs ist zwar nur ungefähr so groß wie ein Schäferhund, reißt aber sogar Wildschweine, Rehe und Rothirsche.

Den Endpunkt des anschaulichen und informativen Rundgangs über zwei Etagen bildet eine Fototapete. Es ist eine Fotomontage, die einen Ausblick in den Buchen-Urwald gibt, zu dem sich der Nationalpark einmal entwickeln soll. Offiziell eröffnet wird die Ausstellung am Sonntag (11.09.2016).

Stand: 08.09.2016, 06:00 Uhr