Dramatisches Artensterben durch Klimawandel

Dramatisches Artensterben durch Klimawandel

Von Alexandra Hostert

  • WWF-Report zum Verlust von Arten in wertvollen Ökosystemen
  • Klimawandel könnte dort fast die Hälfte der Arten verschwinden lassen
  • Wie genau man Artensterben vorhersagen kann, ist aber umstritten

Die Meldung des Umweltverbandes WWF klingt alarmierend: Bis zur Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten in den weltweit bedeutendsten Naturregionen würde mittelfristig dem Klimawandel zum Opfer fallen, wenn wir nichts am Ausstoß von Treibhausgasen ändern.

Der Umweltverband WWF hat gemeinsam mit Forschern der Universität East Anglia in Großbritannien untersucht, wie sich die Artenvielfalt durch den Klimawandel in 35 Gebieten von Florida über das Amazonasgebiet und die südafrikanische Kapregion bis nach Borneo entwickelt.

Zwei-Grad-Ziel würde viele Arten retten

Würde die Erderwärmung dagegen auf zwei Grad beschränkt, verschwände noch jede vierte Art in den ausgewählten Regionen, so der Umweltverband. Auch deshalb sei es so wichtig, das Pariser Klimaabkommen einzuhalten.

WWF-Studie sagt massives Artensterben voraus

WDR 5 Leonardo Top Themen 14.03.2018 06:26 Min. Verfügbar bis 13.03.2023 WDR 5

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Auch Tiere leiden unter Klimawandel

Logo der "Roten Liste" und eine Meeresschildkröte

Auch Meersschildkröten leiden unter Erderwärmung

Nicht nur Pflanzen leiden unter der Erderwärmung, auch Tiere sind bedroht. So stört eine höhere Temperatur die Vermehrung von Meeresschildkröten. Bei Wildhunden, die nur im Kühlen jagen, wird der Beutefang gestört und Elefanten finden nicht mehr genug Wasser. Dass die Folgen des Klimawandels auf die Artenvielfalt groß sind, ist unter Ökologen unbestritten.

Wirklich 50 Prozent weniger?

Die Berechnung des WWF und der englischen Forscher, dass lokal bis zu 50 Prozent der Arten verschwinden werden, sehen andere Experten kritisch: "Die Stoßrichtung ist richtig, aber ein Ökosystem hat so viele Wechselwirkungen, dass ich für das Aussterben durch den Klimawandel in ferner Zukunft keine konkreten Zahlen angeben würde", so Jens Mutke vom Nees-Institut für Biodiversität der Pflanzen in Bonn. Für die Artenvielfalt einer Region könnten kurzfristige Ereignisse wie lokale Dürren ebenso große Bedeutung haben wie langfristige Veränderungen. Solche Ereignisse seien aber extrem schwer vorherzusagen.

Unabsehbare Folgen

Christian Hof vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum in Frankfurt bezweifelt ebenfalls, dass es sinnvoll ist, eine Prozentzahl des Verlustes der Artenvielfalt durch den Klimawandel bis zum Jahr 2080 zu nennen. Er hält die Abschätzung tendenziell für hoch gegriffen. Wenn tatsächlich 50 Prozent der Arten in vielen Ökosystemen verloren gingen, hätte das aber dramatische Folgen, die heute noch nicht absehbar seien.

Stand: 14.03.2018, 17:56