Nur Baum-Methusalems sind gut fürs Klima

Eiche Zuschauerbild

Nur Baum-Methusalems sind gut fürs Klima

Von Detlef Schlockermann

Die einseitige Fixierung auf schnellwachsende Bäume in der Forstwirtschaft ist aus Umweltsicht falsch. Christian Körner von der Universität Basel hat das Wachstum von Bäumen untersucht. Er rät zu besonders langlebigen Hölzern.

Bäume entziehen der Luft das klimaschädliche Gas CO2 und wandeln es in Kohlenstoff um, der im Holz gespeichert wird. Der Gedanke, dass schnelles Pflanzen-Wachstum ein Mittel gegen den Klimawandel ist, liegt deshalb nahe. "Die Ansicht ist weit verbreitet, aber sie ist nicht richtig", sagt Christian Körner. "Nicht wie schnell Bäume wachsen ist wichtig für die Menge des gespeicherten Kohlendioxids. Es ist entscheidend, wie groß die Biomasse eines Waldes ist. Und die ist bei alten Wäldern am höchsten." In einer aktuellen Veröffentlichung des Wissenschaftsmagazins Science empfiehlt er der Forstwirtschaft stattdessen auf langlebige Hölzer zu setzen. Im Sinne des Klimaschutzes müssten die entsprechenden Waldflächen ausgeweitet werden.

Sonnenenergie-Fänger

Photosynthese ist ein Prozess, bei dem Wasser und Kohlenstoffdioxid in Zuckerverbindungen und Sauerstoff umgesetzt wird. Dies geschieht in den Zellen von Pflanzen, eine zentrale Rolle spielt der grüne Blattfarbstoff Chlorophyll und das Sonnenlicht als Energiequelle. Photosynthese sorgt also für den lebensnotwendigen Sauerstoff in der Luft und bindet gleichzeitig Kohlenstoff in der Pflanze.

Klimafreundliche Forstwirtschaft

Blick in die Krone einer Eiche

Eichen können 1.000 Jahre alt werden

In der Forstwirtschaft sind langsam wachsende Laubbäume nicht besonders beliebt. Es dauert schlicht zu lange, bis man mit deren Holz Gewinne machen kann. Deshalb werden auch in der Deutschen Forstwirtschaft meist schnell wachsende Nadelhölzer wie Fichten gepflanzt. Diese Strategie ist aus Umweltsicht jedoch falsch, sagt der Schweizer Forscher. Denn besonders schnell wachsende Hölzer speichern auch weniger Kohlenstoff. Das sei das Ergebnis aus kurzer Lebensspanne und geringer Dichte des Holzes. Denn das im Holz gespeicherte CO2 wird wieder frei, wenn das Holz verbrennt oder als Totholz von Mikroorganismen zersetzt wird. Eine Pufferwirkung haben vor allem Bäume, die den Kohlenstoff über möglichst lange Zeiträume der Atmosphäre entziehen.

Kurzfristige Strategien, bei denen Bäume schon nach wenigen Monaten oder Jahren gefällt werden, seien deshalb nicht nachhaltig und belasteten vor allem nachwachsende Generationen. Als Beispiel nennt der Baseler Forscher das Amazonas-Gebiet. Dort werde schon seit Jahren beobachtet, dass die Pflanzen weniger Kohlenstoff speichern und immer mehr Bäume sterben.

Stand: 13.01.2017, 11:41