Darum ist die Afrikanische Schweinepest so gefährlich

Ein Wildschwein unterwegs

Darum ist die Afrikanische Schweinepest so gefährlich

  • Die Afrikanische Schweinepest ist auf dem Vormarsch
  • Infektionskrankheit ist für Wild- und Hausschweine tödlich
  • Großer wirtschaftlicher Schaden droht

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eigentlich eine alte Bekannte: Das Virus wurde schon vor rund 60 Jahren nach Europa eingeschleppt, die Krankheit flackerte immer wieder auf, konnte aber fast überall erfolgreich eingedämmt werden. Jetzt rückt sie aus dem Osten heran: In Polen starben seit November 279 Wildschweine, und Experten sind sicher, dass die Schweinepest ihren Weg auch nach Deutschland findet: "Die Frage ist nicht ob, sondern wann."

Salami aus der Mülltonne

Voller Mülleimer mit Verpackungsmüll.

Willkommenes Fressen für Wildschweine

Für Menschen ist das Virus ungefährlich, aber die meisten infizierten Tiere sterben innerhalb von Tagen unweigerlich: Der Erreger ist hochvirulent. Ein wenig Blut reicht für eine Ansteckung - oder ein altes Brötchen, belegt mit befallener Salami und dann an einer Autobahnraststätte entsorgt, wo Wildschweine sie aus der Mülltonne fischen. "Infiziertes Fleisch von A nach B tragen", also der Warenverkehr, ist für Elke Reinking vom Friedrich-Löffler-Institut (FLI) ein Grund für die großflächige Ausbreitung der Schweinepest. Das FLI ist ein Bundesforschungsinstitut und zuständig für die Bekämpfung von Tierseuchen.

Das Virus wird in den Stall geschleppt

Schwein auf dem Hof von Markus Holtkötter

Auch im Stall nicht sicher

Wenn Wildschweine erkrankt sind, können sie auch Hausschweine anstecken - allerdings meistens auf Umwegen, weil die hierzulande selten auf einer Weide leben. Experten befürchten eher, dass Landwirte das Virus mit ihrem Traktor vom Waldrand auf den Hof oder mit den Stiefeln in den Stall schleppen. Kommt es dann zur Infektion, müssten die Tiere gekeult werden, Fleisch aus der gesamten Region wäre unverkäuflich. So geschehen in Estland 2015: Dort mussten ein Drittel der Schweinemastbetriebe aufgeben.

Wildschweinjagd in Bielefeld: Schutz gegen Afrikanische Schweinepest?

WDR 2 | 09.01.2018 | 03:10 Min.

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Schonzeit für Wildschweine aufgehoben

Nach einer Treibjagd stehen Jäger und Treiber neben geschossenen Wildschweinen

Jagd auf potenzielle Virenträger

Einen Impfstoff gegen das Virus gibt es noch nicht, obwohl mit Hochdruck daran geforscht wird, auch im FLI. Die Seuche wird sich auch nicht totlaufen, so Reinking: "Irgendwo überlebt immer ein Wildschwein, das andere wieder ansteckt." Um so wichtiger, eine weitere Ausbreitung zu verhindern. In Deutschland ist die Gefahr besonders groß, weil die Wildschwein-Dichte so hoch ist. Deswegen hat das Land NRW die Schonzeit fast vollständig aufgehoben. Als am Dienstag (09.01.2018) rund um Bielefeld Jagd auf Wildschweine gemacht wurde, protestierten Tierschützer heftig. Aber FLI-Sprecherin Reinking kontert: "Es geht auch darum, Tierleid zu verhindern. An der Schweinepest zu sterben ist kein schöner Tod."

Stand: 09.01.2018, 13:33