Von "Öko-Kerzen" und altem Wachs

Kerze wird mit einem Streichholz angezündet

Service Umwelt - Kerzen

Von "Öko-Kerzen" und altem Wachs

Von Octavia Verbücheln

Bienenwachskerzen duften wunderbar und brennen gut. Doch es gibt nicht genug Bienenwachs auf der Welt. Preiswerte Kerzen sind aber oft problematisch, weil sie aus Erdöl hergestellt sind oder die Regenwaldrodung fördern.

Erdöl auf dem Adventskranz

75 Prozent aller hierzulande verkauften Kerzen bestehen aus Paraffin. Paraffin wird aus Erdöl gewonnen. Es fällt bei der Raffinerie neben Benzin, Diesel und Heizöl an. Dem Paraffin haften damit aber auch alle ökologischen Probleme an, die mit der Förderung und Verarbeitung von Erdöl einhergehen. Zudem ist die CO2-Bilanz von Erdölprodukten immer negativ. Wer nach umweltfreundlicheren Alternativen sucht, hat es allerdings schwer.

Advent, Advent, der Regenwald brennt

Kerzen aus "Stearin" punkten, weil sie aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden. In der Regel sind Pflanzenöle die Basis. Doch wenn man mal genauer hinschaut, dann muss man feststellen, dass die meisten Stearin-Kerzen aus bis zu 100 Prozent Palmöl bestehen. Palmöl ist in die Kritik geraten, da für den Anbau der Ölpalmen vor allem in Indonesien und Malaysia große Flächen des Regenwaldes gerodet wurden und werden.
Auf manchen Bio-Kerzen wird darauf hingewiesen, dass das verwendete Palmöl das RSPO-Siegel des "Round Table on Sustainable Palm Oil" trägt. Experten kritisieren allerdings, dass auch damit kein nachhaltiger Anbau garantiert ist.

Kerzen vom Acker

Neuerdings werden zum Beispiel in Bioläden so genannte "Raps-Kerzen" angeboten. Diese palmöl-freie Variante der Stearin-Kerze wird auf der Basis von reinem Rapsöl hergestellt. "Gentechnikfrei", "Nachwachsender Rohstoff", "in Europa angebaut" – auf den ersten Blick scheint die Raps-Kerze eine echte "Öko-Kerze" zu sein. Doch wie man bereits beim Bio-Diesel feststellen musste, schneidet Raps als Brennstoff in der Öko-Bilanz kaum besser ab als Erdöl.

Und genau wie beim Bio-Diesel muss man sich fragen, ob ein Acker nicht besser zum Anbau von Nahrungsmitteln genutzt werden sollte als zur Gewinnung von Kerzenwachs.

Von fleißigen Tierchen

Die Bienenwachskerze gilt nach wie vor als die "Öko-Kerze" schlechthin, weil sie ein reines Naturprodukt ist. Zudem hilft sie den deutschen Imkern ökonomisch, ihre unter großem Preisdruck stehende Arbeit weiter zu führen. Leider reicht die Menge an Bienenwachs bei weitem nicht aus, um den Bedarf an Kerzen zu decken. Da eine Biene im Laufe ihres Lebens nur wenige Milligramm produziert, müssen 150 000 Bienen arbeiten, um 1 kg Wachs zu erzeugen. Bienenwachs ist also ein kostbarer und teurer Rohstoff.
Die größten ökologischen Vorteile hat die Bienenwachskerze aus eigener Herstellung vom Imker aus der Region. Bei Bienenwachskerzen in Drogerie- und Supermärkten handelt es sich meist um Bienenwachs  aus China, Südamerika oder Südafrika. Da schlagen die langen Transportwege in der Ökobilanz negativ zu Buche.

Tipp: "Wachs-Recycling"

Abgelagertes Wachs hat ein besseres Brennverhalten als frisch verarbeitetes. Die übrig gebliebenen Weihnachtskerzen vom letzten Jahr sollte man also nicht wegwerfen, sondern wertschätzen. Alte Kerzenreste kann man leicht einschmelzen und wieder Kerzen daraus machen.

Fazit:

  • Im ökologischen Vergleich schneiden Paraffin-Kerzen nicht schlechter ab als Kerzen auf Basis nachwachsender pflanzlicher Rohstoffe.
  • Auf Stearin-Kerzen aus Palmöl sollte man lieber verzichten.
  • Für das reine "Öko-Gewissen": Bei Imkern in der Umgebung selbstgemachte Bienenwachskerzen kaufen.
  • Kerzenreste nicht wegwerfen, sondern wiederverwenden

Beim Kerzenkauf auf Qualität achten

Je dichter und fester das Wachs, desto gleichmäßiger brennt eine Kerze. Eine gute Kerze ist also immer relativ schwer. Billige Kerzen werden meist aus minderwertigem Wachs in Form gepresst, was ein schlechtes Brennverhalten zur Folge hat: Die Kerze tropft, rußt und brennt unvollständig ab. Eine große Rolle spielt dabei auch die Beschaffenheit des Dochtes. Versinkt der Docht nach einiger Brenndauer im Wachs oder rußt und flackert die Flamme, dann ist der Docht von schlechter Qualität.

Rußende und flackende Kerzen sehen nicht nur unschön aus, sondern belasten auch die Raumluft mit Feinstaub um ein vielfaches stärker als ruhig brennende Flammen. Deshalb: Bei rußenden Kerzen möglichst rasch den Docht mit einer Schere einkürzen. Kerzen mit dem RAL-Gütesiegel sind qualitätsgeprüft. Sowohl Brennmasse als auch Docht müssen festgelegte Anforderungen erfüllen: Die Kerze darf nicht rußen und keine stark gesundheitsschädigenden Stoffe zum Beispiel aus Farb- und Duftstoffen freisetzen.

Dennoch: Jede Kerze verursacht beim Brennen Feinstaub und verbraucht Sauerstoff. Also: Das Lüften nicht vergessen.

Service Umwelt ist eine Rubrik der WDR 5 Sendung Leonardo. Zu hören montags zwischen 16 und 17 Uhr.

Redaktion:
Detlef Reepen

Stand: 04.12.2014, 16:05