Multiresistente Keime: Wir züchten uns das Problem selbst

Symbolbild für resistente Keime

Multiresistente Keime: Wir züchten uns das Problem selbst

Von Angela Sommer

  • Je billiger unser Fleisch, desto eher entstehen resistente Keime.
  • Zu viele Antibiotika: Ein Drittel umsonst verschrieben.
  • Aber: Nicht für jeden sind die Keime gefährlich.

Multiresistente Bakterien sind überall: In Krankenhäusern, in Flugzeugtoiletten und auch, ganz aktuell wieder gefunden, in Flüssen und Badeseen. Eigentlich wäre es recht einfach, das weitere Ausbreiten dieser Bakterien zu verhindern: Einfach weniger Antibiotika einsetzen – bei Mensch und Tier. Nur ist logisches Handeln nicht immer das Attraktivste. Wir haben Gelüste, Leidenschaften und sind ganz gerne auch mal ganz bequem. Das aber spielt den Bakterien in die Karten. Wie?

Grund 1: Billig-Schnitzel fördern Resistenzen

Die meisten Menschen essen gerne Fleisch, töten aber dafür keine Tiere. Es ist praktisch und durchaus auch hygienisch, wenn heutzutage nicht mehr jeder sein Schwein im Garten halten und halbjährlich eine Hausschlachtung vornehmen muss. Das führt aber dazu, dass die Schlachterei in den Händen weniger Spezialisten liegt. Und diese haben in der Regel riesige Ställe voll unzähliger "Nutztiere“, die möglichst gesund bleiben und wenig Futter fürs Wachsen verbrauchen sollen. Da machen Antibiotika auf den ersten Blick Sinn: Die Tiere werden seltener krank, bleiben fit und wachsen so schneller.

Wenn es nur das wäre. Leider ist es in vielen Bereichen der Massentierhaltung weltweit üblich, Antibiotika auch an gesunde Tiere auszugeben – zur Sicherheit, damit sie sich nicht anstecken. Das wird in vielen Ländern zwar immer mehr kontrolliert und ist in Deutschland offiziell sogar verboten, trotzdem ist der Antibiotikaeinsatz in Nutztierställen weiterhin viel zu hoch.

Das Problem verschärft sich, je billiger das Fleisch sein soll: Je mehr Tiere im Stall leben, umso mehr Antibiotika wird der Züchter einsetzen (müssen). Und je mehr Antibiotika, umso eher entwickeln und verbreiten sich resistente Keime im Stall – und in der Umwelt.

Grund 2: Mach mich gesund: Zack, zack

Werden wir krank, wollen wir möglichst schnell gesund werden, klar. Und auch der Arzt hat wenig Zeit. Die schnellste Lösung ist oft: ein Antibiotikum. Mit der Folge, dass vor allem Breitbandantibiotika völlig sinnlos bei Krankheiten verschrieben werden, die durch Viren ausgelöst werden – denen aber können Antibiotika nichts anhaben. Bakterien haben dann aber die Chance, sich so zu verändern, dass sie gegen diesen Wirkstoff immun werden. Und das Antibiotikum hilft nicht mehr.

Deshalb: Muss doch ein Antibiotikum her, sollte der Arzt ein Antibiogramm machen – und damit untersuchen, welcher Keim genau für die Krankheit verantwortlich ist. Immer mehr Krankenkassen zahlen diese Vor-Untersuchung, die langfristig Resistenzen verhindert.

Grund 3: Globetrotter mit Souvenirs

Je mehr wir fernreisen, umso mehr können sich Mikroorganismen und damit auch resistente Keime um den Erdball ausbreiten. In Flughafentoiletten haben Forscher so genannte "Hot spots" entdeckt: Orte, an denen sich viele unterschiedliche Mikroorganismen tummeln. Darunter auch – wen wundert's – auffällig viele resistente Bakterien aus aller Welt. Je mehr wir reisen, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sich krank machende resistente Keime ausbreiten.

Wichtig ist an dieser Stelle aber: Nur, weil wir mit resistenten Keimen in Kontakt kommen, machen sie uns nicht krank – oder töten uns gar. Viele gesunde Menschen tragen solche Keime, ohne es überhaupt zu merken. Wirklich gefährlich werden können sie uns erst, wenn sie in offene Wunden gelangen – oder wir ein sehr schwaches Immunsystem haben. Sie spielen daher vor allem in Krankenhäusern eine Rolle, weshalb hier Zeit und Geld für aufwändige Hygiene so wichtig sind. Solange wir aber gesund sind, sind multiresistente keine Bedrohung – egal ob in Badewässern oder auf Flugzeugtoiletten.  

Stand: 07.02.2018, 15:15