So sieht man die Mondfinsternis am besten

So sieht man die Mondfinsternis am besten

Von Jan Friese

Am Freitag (27.07.2018) erwarten Europa und andere Teile der Welt eine totale Mondfinsternis. Mit 103 Minuten wird es die längste Mondfinsternis dieses Jahrhunderts in unseren Breiten.

Der Vollmond befindet sich dabei in einer Linie mit der Erde und der Sonne und wird vom Erdschatten abgedunkelt. Weil bestimmte Lichtanteile des Sonnenlichts allerdings durch die Lufthülle der Erde abgelenkt werden, wird der Mond nicht komplett dunkel, sondern erstrahlt in einem dunklen rostroten Ton.

Darum ist häufig auch vom sogenannten "Blutmond" die Rede. Auch in Deutschland ist das Himmelsspektakel gut zu beobachten, zumindest wenn das Wetter mitspielt.

Worauf muss ich achten:

Wann kann ich die Mondfinsternis beobachten?

Beobachtet werden kann die Mondfinsternis unmittelbar nach dem Mondaufgang, gegen 21 Uhr. Die genaue Aufgangszeit variiert je nach dem persönlichen Standort, lässt sich aber in zahlreichen Wetter-Apps und astronomischen Kalendern im Netz nachschlagen. Allerdings hat die allmähliche Verdunkelung bei Mondaufgang bereits eingesetzt, den ersten Kontakt des Erdschattens mit dem Mond kann man in Europa daher leider nicht beobachten.

Von 21:30 Uhr bis 23:13 befindet sich der Mond im Kernschatten der Erde und ist komplett überschattet - der Blutmond steht am Himmel. Der Mittelpunkt des Erdschattens und die größte Verdunkelung werden gegen 22:20 erreicht.

Für viele Menschen dürften sich die besten Sicht-Bedingungen aber zwischen 22:45 Uhr und 23:13 ergeben, denn dann ist es deutlich dunkler und unser Erdtrabant steht etwas höher am Himmel. Anschließend verlässt der Mond nach und nach den Schatten der Erde und wird wieder heller.

Wo kann ich die Mondfinsternis am besten beobachten?

Anders als bei Sternschnuppenschauern muss man nicht zwingend aufs Land fahren, um Lichtverschmutzungen durch Straßenlaternen, Autos und Häuser zu minimieren. Die Mondfinsternis lässt sich auch bei Umgebungslicht beobachten. Trotzdem gilt wie bei jeder astronomischen Beobachtung: Je weniger Lichter am Boden und je mehr am Nachthimmel, desto schöner ist der Nachthimmel.

Am wichtigsten für eine gute Beobachtungsposition ist ein einigermaßen freier Blick in Richtung Süden und Südosten, da der Mond während der Mondfinsternis zunächst noch relativ niedrig über dem Horizont steht und nur ganz allmählich höher steigt. Hohe Gebäude, Wälder oder Hügel können hier den Blick stören.

Eine Alternative sind auch Sternwarten in der Umgebung. Viele bieten zu dem Anlass der Mondfinsternis ein "Public-Viewing" mit Fachvorträgen an.

Lohnt sich ein Fernglas oder ein Teleskop?

Ferngläser und Teleskope sind möglich aber nicht zwingend nötig um in den Genuss der Mondfinsternis zu kommen. Sind sie doch vorhanden, lässt sich die Gelegenheit nutzen, den Mars zu beobachten. Unser roter Nachbarplanet ist in dieser Nacht der Erde besonders nah und lässt sich unterhalb des Mondes erspähen. Gegen 22.30 Uhr zieht außerdem noch die Internationale Raumstation ISS als leuchtender Punkt über den Nachthimmel.

Lässt sich die Mondfinsternis gut fotografieren?

Derzeit ist der Mond mit rund 406.000 Kilometern besonders weit von der Erde entfernt und bewegt sich daher relativ lange durch den Kernschatten der Erde. Die Folge ist eine besonders lange Mondfinsternis mit vielen Chancen für das ideale Foto.

Die große Entfernung stört beim Fotografieren trotzdem kaum, denn durch die Nähe des Mondes zum Horizont entsteht eine optische Täuschung, die den Blutmond besonders groß wirken lässt. Je näher der Mond am Horizont, desto größer nehmen wir ihn wahr. Die optische Täuschung bleibt auch auf Fotos erhalten, also ruhig mal einen Kirchturm oder ein Hochhaus unterhalb des Mondes mit aufs Bild nehmen. Das lässt den Mond größer erscheinen.

Die besten Fotos macht man mit Stativ und Fernauslöser, um Bilder ohne Verwackler zu erhalten. Alternativ zum Fernauslöser, kann man natürlich auch den zeitgesteuerten Selbstauslöser starten und sich von der Kamera entfernen.

In den meisten Fällen dürfte nicht die Automatik, sondern das manuelle Einstellen (relativ weit geöffnete Blende, mittlere Empfindlichkeit ISO 200-800, KEIN BLITZ), das bessere Bild machen. Zwar kann man auch mit einem wackelfrei platzierten Smartphone schicke Schnappschüsse erzielen, für wirklich detailreiche Eindrücke des Mondes bietet sich aber eine „größere“ Kamera an (Spiegelreflex, spiegellose Systemkamera) an. Hilfreich ist auch ein Tele- oder Zoomobjektiv. Generell empfiehlt es sich, mehrere Probeschüsse zu machen, da Umgebungslichter gerade bei langen Belichtungszeiten, schnell überstrahlen können. Und strahlen soll in diesem Fall ja schließlich der Blutmond.

Sternwarten bieten Sonderprogramm

Einige Sternwarten, zum Beispiel die Volkssternwarte Ennepetal, bieten Sonderöffnungszeiten zur Mondfinsternis an. Die Volkssternwarte Hagen bietet zudem noch eine Besichtigung der Sternwarte und die Begehung des Eugen-Richter-Aussichtsturmes an. Die Volkssternwarte Recklinghausen veranstaltet einen Beobachtungsabend auf der Halde Hoheward. Er beginnt mit der Beobachtung des Sonnenuntergangs um 21.22 Uhr und des Aufgangs des teilverfinsterten Mondes um 21.26 Uhr. Im Münsterland kann man die Mondfinsternis unter anderem in der Josef-Bresser-Sternwarte Borken und im Planetarium Münster live erleben.

Spektakuläre Mondfinsternis: Roter Mond und roter Mars

WDR 5 Morgenecho - Interview | 27.07.2018 | 06:02 Min.

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Sternenbeobachtung in der Phänomenta

Im Café der Phänomenta treffen sich die Sternfreunde Lüdenscheid. Alle Interessierte haben dort die Chance, das astronomisch einmalige Spektakel durch ein 20fach vergrößerndes Fernglas zu beobachten. Im Idealfall sind sogar die vereisten Pole des Mars erkennbar.

Dunkelroter Mond am Nachthimmel neben dem Kölner Dom

Wer die Mondfinsternis nicht direkt beobachten kann, kann auch diesen Livestream nutzen:

Stand: 27.07.2018, 06:00