So viel Mikroplastik schwimmt im Rhein

Nach dem Hochwasser wird der angeschwemmte Müll sichtbar.

So viel Mikroplastik schwimmt im Rhein

  • Studie zeigt: Schon die Quelle ist belastet
  • Zehn verschiedene Kunststoffe im Oberflächenwasser
  • Starkregen und Hochwasser verstärken das Problem

Der Rhein transportiert jede Menge Mikroplastik. Von der Quelle in den Graubündener Alpen abwärts fließen jedes Jahr allein im Oberflächenwasser acht bis zehn Tonnen Kleinstkunststoffteile in die Nordsee.

 "Dies ist nur die Spitze des Eisberges", erklärt Prof. Andreas Fath von der Hochschule Furtwangen. "Die tatsächliche Belastung des Rheins mit Mikroplastik dürfte noch um ein Vielfaches höher sein." Denn der überwiegende Teil sinkt in die unteren Schichten des Flusswassers oder ins Sediment ab. Die Meere werden also reichlich mit Kunststoff versorgt: Im Jahr 2050 soll nach einer Studie der Ellen Mac Arthur Stiftung gewichtsmäßig mehr Plastik als Fische in unseren Ozeanen schwimmen.

Hochwasser spült Plastik an

WDR 5 Leonardo Top Themen | 08.01.2018 | 05:42 Min.

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Ruhrgebiet besonders belastet

Je länger der Rhein fließt, desto schmutziger wird er. Das hängt in erster Linie mit der Bevölkerungsdichte am Flussufer zusammen. Doch die Forscher um Prof. Andreas Fath fanden selbst an der Rheinquelle im Tomasee in 2.345 Metern Höhe schon Mikroplastik: "Und der speist sich aus dem Schmelzwasser der Alpen", so Fath.

Besonders belastet war laut einer Studie der Uni Basel die Rhein-Ruhr-Region mit über zwei Millionen Partikeln. "Die Konzentrationen von Mikroplastik im Rhein liegen damit im Bereich der höchsten Konzentrationen der bisher weltweit untersuchten Gewässer", sagt die Leiterin der Studie, die Biologin Patricia Holm vom Departement Umweltwissenschaften der Universität Basel.

Kaffebecher klein gemahlen

Im Oberflächenwasser des Rheins schwimmen zehn verschiedene Kunststoffe. Doch zwei stechen besonders hervor: Polypropylen, das unter anderem für die Herstellung von Coffee to go-Bechern samt Deckeln genutzt wird, und Polyethylen, aus dem Tuben oder Tüten hergestellt werden.

Doch winzige Kunststoffteile gelangen auch durch Kosmetikprodukte, den Abrieb von Autoreifen und das Waschwasser von Textilien in die Flüsse. Vor allem bei Starkregen kommt es vor, dass die Becken der Kläranlagen voll sind und das Wasser ungeklärt in die Flüsse geleitet wird. Gelegentlich sorgt der Rhein selbst für Plastik-Nachschub und nimmt bei Hochwasser den Plastikmüll vom Ufer mit. Und durch UV-Licht, Bakterien und Abrieb wird daraus mit der Zeit noch mehr Mikroplastik.

Stand: 10.01.2018, 10:00