Krebsmedikamente - teuer und nutzlos?

 Zytostatik-Abteilung einer Zentralapotheke

Krebsmedikamente - teuer und nutzlos?

  • Britische Studie weckt Zweifel an Krebsmedikamenten
  • Zulassung nur bei Wirksamkeit und Unbedenklichkeit
  • Deutschland überprüft auch Zusatznutzen neuer Medikamente
  • Patienten können sich in Datenbank informieren

Das ARD-Magazin Monitor des WDR berichtet über eine britische Studie. Deren Ergebnis zusammengefasst: Bei 49 Prozent der Krebsmedikamente, welche zwischen 2009 und 2013 für Europa zugelassen wurden, ist nicht stichhaltig bewiesen, dass sie die Lebenserwartung oder die Lebensqualität der Patienten verbessern.

Viele Krebspatienten mag das verunsichern: Ist mein Medikament nutzlos? Und warum werden solche Medikamente zugelassen?

Wann wird ein Medikament zugelassen?

Bei der Zulassung eines neuen Medikaments prüft die Zulassungsbehörde EMA dessen Wirksamkeit und Unbedenklichkeit anhand der Studien des Pharmaherstellers. Wirksamkeit bedeutet: Ein Medikament tut, was es soll.

Beispiel: Wenn ein Medikament das Tumorwachstum bremsen soll, muss es das auch nachweislich tun. 100 Prozent der zugelassenen Medikamente sind laut EMA wirksam.

Unbedenklichkeit bedeutet: Das Medikament schadet nicht mehr als es nutzt.

Beispiel: Contergan ist ein Schlafmittel. Es ist wirksam (beruhigt also), aber die Nebenwirkungen (Schädigung Ungeborener) sind natürlich alles andere als unbedenklich. Contergan war damals der Auslöser für die bis heute gängige Praxis bei der Arzneimittelzulassung.

Nutzen versus Wirksamkeit

Was die europäische Zulassungsbehörde NICHT prüft, ist der Nutzen eines Medikaments. Der kann von der Wirksamkeit abweichen.

Beispiel: Der Wirkstoff Palbociclib, erster einer neuen Wirkstoffgruppe, wird bei bestimmten Brustkrebspatientinnen eingesetzt. Und er ist wirksam: Er bremst das Tumorwachstum.

Das Problem: Diese Wirkung hat für die Patienten bislang keinen nachweisbaren Zusatznutzen. Er hat weder nachweislich ihre Lebensqualität mehr verbessert noch ihr Leben weiter verlängert als bestehende Medikamente. Laut der britischen Studie fehlt bei 49 Prozent der im untersuchten Zeitraum zugelassenen Krebsmedikamente dieser Nutzen.

Das heißt aber nicht, dass die Hälfte der verschriebenen Krebsmedikamente in Deutschland nutzlos ist. Denn zusätzlich prüft der Gemeinsame Bundesausschuss ein Jahr nach der Zulassung, ob ein Medikament einen Zusatznutzen für Patienten hat. Seine Erkenntnisse veröffentlicht er auf seiner Internetseite.

Ärzte und Patienten können sich dort informieren und ihre Therapie danach ausrichten. So sollten Medikamente ohne Zusatznutzen auch seltener verschrieben werden.

Patienten, die sich um den Nutzen Ihres Medikamentes sorgen, können sich also dort informieren und müssen dann nicht befürchten, unbemerkt nutzlose Krebsmedikamente einzunehmen.

Stand: 30.11.2017, 11:32