Gesünder dank Hund, Baum und Sonnengruß?

Gesünder dank Hund, Baum und Sonnengruß?

Indiens Premier Modi hat dafür gesorgt, dass die UN den 21. Juni zum Internationalen Yogatag ernannt haben. Das ist gute PR für das Land - doch auch hier praktizieren Millionen Menschen den Hund, die Kobra oder den Sonnengruß. Was bringt das?

Yoga

Hatha, Iyengar und Ashtanga - es gibt viele verschiedene Yoga-Stile, und sie werden in vielen Ländern der Welt praktiziert. An diesem Sonntag (21.06.2015) findet der erste Internationale Yogatag statt. Indiens Premier Narendra Modi, selbst praktizierender Yogi, hat diesen bei den UN beantragt und durchgesetzt. Modi will damit für "Indiens Geschenk an die Welt", wie er Yoga bezeichnet, werben. Auch in Deutschland legen sich regelmäßig Millionen Menschen auf die Matten, weil sie sich von der Yoga-Praxis Entspannung, mehr Beweglichkeit und Kraft erhoffen. Auch bei der Therapie von Krankheiten soll Yoga helfen können.

Hatha, Iyengar und Ashtanga - es gibt viele verschiedene Yoga-Stile, und sie werden in vielen Ländern der Welt praktiziert. An diesem Sonntag (21.06.2015) findet der erste Internationale Yogatag statt. Indiens Premier Narendra Modi, selbst praktizierender Yogi, hat diesen bei den UN beantragt und durchgesetzt. Modi will damit für "Indiens Geschenk an die Welt", wie er Yoga bezeichnet, werben. Auch in Deutschland legen sich regelmäßig Millionen Menschen auf die Matten, weil sie sich von der Yoga-Praxis Entspannung, mehr Beweglichkeit und Kraft erhoffen. Auch bei der Therapie von Krankheiten soll Yoga helfen können.

Yoga stammt aus Indien und soll rund 5.000 Jahre alt sein. Ursprünglich bedeutet Yoga "Vereinigung" und "Integration" von Körper und Seele. Die Übungen - genannt Asanas - tragen Namen wie Hund, Baum und Kobra. Es gibt viele unterschiedliche Techniken, bei denen Asanas, Atem- und Meditationsübungen miteinander kombiniert werden. "Das traditionelle Yoga ist eine Philosophie, eine ganzheitliche Betrachtung des menschlichen Organismus'", erklärt Ingo Froböse, Sportwissenschaftler von der Sporthochschule in Köln.

Dass Yoga in der westlichen Welt angekommen und verankert ist, zeigen auch die zahlreichen wissenschaftlichen Studien, die dazu erschienen sind. Sie belegen, dass das Training durchaus positive Wirkungen hat, wie Froböse bestätigt: "Yoga hat positiven Einfluss auf das Körperbewusstsein, auf die Atmung, die Haltung, die Wahrnehmung von Spannung und Entspannung", erklärt der Sportwissenschaftler. Außerdem trainiere es Beweglichkeit, Kraft, Ausdauer und Entspannungsfähigkeit. Doch wirkt Yoga auch als Therapie bei Krankheiten? Der Psychologe und Mediziner Holger Cramer vom Lehrstuhl für Naturheilkunde und Integrative Medizin an der Universität Duisburg-Essen beschäftigt sich seit Jahren mit Yoga - auch von wissenschaftlicher Seite. Er weiß, bei welchen Symptomen Yoga besonders wirksam sein kann. Die wichtigsten Beispiele:

Chronische Nackenschmerzen: "Dazu gab es eine der ersten klinischen Studien weltweit", erklärt Cramer. Die kam zu dem Ergebnis, dass - im Vergleich zu klassischen Sportübungen - Yoga zu stärkerer Schmerzreduktion und einer stärkeren Verbesserung der Funktionen führte: Die Patienten waren beweglicher, weniger schmerzempfindlich und hatten eine höhere Lebensqualität.

Rückenschmerzen: Hier sind die Wirkungen am besten wissenschaftlich belegt. "Yoga reduziert mindestens so gut wie Rückenschule oder andere Sportarten die Schmerzen und verbessert Beweglichkeit und Funktion im Alltag", so Cramer.

Krebserkrankungen: Untersucht wurde vor allem die Wirkung von Yoga bei der Behandlung von Brustkrebs-Patientinnen. "Wir konnten zeigen, dass bei Patientinnen sowohl unter Chemotherapie als auch unter Bestrahlung durch Yoga vor allem psychische Symptome verbessert werden können", bestätigt Cramer. Patientinnen haben weniger Angst, sind seltener depressiv und zeigen weniger Stresssymptome. Auch bei Frauen, die den Krebs überwunden haben, aber noch stark unter chronischer Erschöpfung leiden, könne Yoga die Symptome effektiv verbessern.

Spezieller Fall: Wechseljahresbeschwerden nach Krebserkrankung: Viele Patientinnen müssen nach einer Krebs-Therapie Medikamente einnehmen, um die Östrogene zu unterdrücken. Das soll ein Rezidiv, also die Rückkehr des Krebses, verhindern. Durch die Unterdrückung der Hormone geraten sie aber auch schlagartig in die Menopause. "Bei diesen Patientinnen führt Yoga zu einer deutlichen Reduktion von Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen und anderen körperlichen und psychischen Symptomen", fasst Cramer zusammen.

Posttraumatisches Stresssyndrom (PTSD): Gerade bei Kriegsveteranen kann Yoga deutlich zur Linderung der Symptome wie Stress, Schlaflosigkeit, Erschöpfung, Traurigkeit und Angst beitragen. Hinweise gibt es auch darauf, dass Yoga den Zustand von Patienten mit Depressionen verbessert. Auch beim Abbau von Stress kann Yoga helfen.

TypII-Diabetes: "Das ist eines der am besten untersuchten Felder in der Yogaforschung", erklärt Holger Cramer. "Es gibt gute Belege, dass Yoga zur Regulierung des Blutzuckers beiträgt", sagt der Experte. Das sei nicht erstaunlich, schließlich sei diese Form von Diabetes eine Zivilisations-Erkrankung und habe viel mit dem Lebensstil zu tun. "Und Yoga ist eben eine Lebensstil-Praktik", fügt er hinzu. Denn Yoga beinhalte, dass sich Menschen mehr bewegen und auf ihre Entspannung achten. Teilweise gäbe es auch Ernährungstipps: "Da kann Yoga - wenn man es richtig einsetzt - eine idealtypische Lebensstil-Modifikation sein!"

Bluthochdruck: Hier ist die Studienlage nach Aussage von Cramer noch nicht eindeutig: "Studien zeigen, dass Yoga bei Patienten mit leicht erhöhtem Blutdruck nur wenig Effekt hat. Deutlichere Auswirkungen gibt es bei Patienten mit stark ausgeprägtem Bluthochdruck." Die Hinweise seien gut, aber weitere Forschung nötig. Bisher keine belastbaren Daten gibt es zur Wirksamkeit von Yoga bei Patienten mit Epilepsie.

Immer häufiger ist aber auch von Nebenwirkungen die Rede und in den Medien wird vor den Risiken von Yoga gewarnt. "Man darf natürlich die Risiken nicht vernachlässigen", gibt Mediziner Cramer zu. Eine Quelle für Nebenwirkung sei die Tatsache, dass es viele Menschen bei den Übungen übertreiben: "Ein Yogi hat über mehrere Monate täglich und stundenlang im Lotussitz verbracht und sich dabei die Nerven geschädigt", berichtet Cramer. Teilweise werde die Idee von Yoga aber auch pervertiert, meint Ingo Froböse. "Zum Beispiel, wenn man Yoga bei großer Hitze praktiziert."

Vorsichtig bei einigen Übungen sollten auch Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen sein. Wer zum Beispiel am Grünen Star leidet, also einer Abflussstörung im Auge, die zu einem erhöhten Augeninnendruck führt, sollte auf Übungen in der sogenannten Umkehrhaltung - wie beim Kopfstand - verzichten. Denn das wirke sich laut Cramer negativ auf den Verlauf der Krankheit aus. Auch bei einem Glaukom oder familiärer Vorbelastung mit Grünem Star sollte man auf Umkehrhaltungen verzichten, rät der Mediziner. Bei Schädigungen der Muskulatur oder der Knochen - etwa bei Osteoporose - sollte man bei sehr sportlichen Yoga-Techniken vorsichtig sein und generell alle Vorerkrankungen mit dem Yogalehrer besprechen.

Nicht eindeutig ist die Studienlage in der Frage, ob man einen bestimmten Yogastil praktizieren sollte, um die Behandlung einer bestimmten Krankheit zu unterstützen. Bei Rückenschmerzen scheinen gerade die körperlichen Übungen Wirkung zu zeigen. Bei Depressionen sind eher Atem- und Meditationstechniken effektiv, ähnliche Hinweise gelten für Bluthochdruck und Asthma.

"Eigentlich sind die Übungen, die Asanas, ein Mittel zum Zweck", erklärt Sportwissenschaftler Froböse. Die Idee dahinter sei, dass sich der Mensch damit in eine andere Ebene entwickele und nach Transzendenz strebe. Sich die Techniken zunutze zu machen, sei durchaus sinnvoll, meint er: "Jeder sollte körperliche Aktivität nutzen, um auch auf die Psyche einzuwirken. Dazu eignet sich Yoga ganz hervorragend und ist ein wunderbarer Zugang", ist Froböse überzeugt. Yoga kann die Behandlung vieler Erkrankungen unterstützen, sei jedoch "kein Allheilmittel", fügt Mediziner Cramer hinzu. "Aber es bringt vielen Menschen mehr positive als negative Aspekte." Jeder sollte für sich schauen, welcher Yoga-Stil passe und Spaß mache. "Ganz wichtig ist es, die eigenen Grenzen zu respektieren!"

Stand: 12.06.2015, 11:17 Uhr