Warum wir Gerüche nicht gut beschreiben können

Riechen an einer Blume

Warum wir Gerüche nicht gut beschreiben können

  • Volk in Malaysia: größeres Vokabular für Gerüche
  • Lebensweise als Jäger und Sammler offenbar entscheidend
  • Unsere Nase ist nicht verkümmert, wir nutzen sie nur weniger

Wie gut riechen wir eigentlich, und wie präzise können wir beschreiben, was uns da in die Nase steigt? Lange Zeit hieß es, unser Geruchssinn sei im Laufe der Evolution zu Gunsten des Sehsinns leicht verkümmert. Sogar von einem "stummen Sinn" war die Rede, denn wenn man Gerüche nicht benennen kann, schweigt man lieber über sie.

Worte für Gerüche

WDR 5 Leonardo Top Themen | 19.01.2018 | 05:02 Min.

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Doch inzwischen gibt es Hinweise, dass die Theorie vom verkümmerten Geruchssinn nicht stimmt. Tests mit Jägern und Sammlern in Malaysia haben gezeigt, dass die Volksgruppe der Jahai nicht nur exzellent riechen kann, sondern auch ein umfassendes Vokabular für die Gerüche hat. Sie können damit sogar Gerüche aus unserer westlichen Welt präziser beschreiben als wir, obwohl wir sie eigentlich viel besser kennen.

Jäger und Sammler präziser als Bauern

Zwei Forscherinnen aus Schweden und den Niederlanden wollten nun wissen, welche Rolle die Lebensweise als Jäger und Sammler für das umfangreiche Geruchslexikon spielt. Sie verglichen eine malaysische Jäger-und-Sammler-Gruppe mit einem benachbarten Bauernvolk. Die Testpersonen sollten Farben und Gerüche wie die von Leder, Knoblauch oder Fisch mit Worten beschreiben.

Während beide Gruppen Farben ähnlich gut beschreiben konnten, waren die Jäger und Sammler aus dem Regenwald bei der Benennung von Gerüchen deutlich besser. Die Forscher führen das auf ihre Kulturform zurück.

Denn während sich die Bauern nur in Gruppen in den Regenwald trauen, sind die Jäger und Sammler oft allein im dunklen Regenwald unterwegs. Dort müssen sie sich auf ihre Nase verlassen können und erleben die feuchte Umgebung möglicherweise intensiver.

Geruchssinn auch heute noch sehr effektiv

Anders, als man früher dachte, scheint die Nase also kein durch die Evolution verkümmertes Sinnesorgan zu sein. Grundsätzlich kann sie Gerüche auch heute noch so präzise unterscheiden wie unser Auge Farben. Allerdings nutzen wir die Nase im Alltag unserer westlichen zivilisierten Welt nicht mehr so intensiv. Wir sind schlichtweg nicht mehr darauf angewiesen, feinste Gerüche voneinander zu unterscheiden.

Stand: 19.01.2018, 15:15