Zum Weltblutspendetag: Warum Blut immer kostbarer wird

Hand hält eine Bluttransfusion hoch

Zum Weltblutspendetag: Warum Blut immer kostbarer wird

Von Benjamin Esche

In Deutschland spenden immer weniger Menschen Blut. Durch die alternde Gesellschaft wird sich der Mangel weiter zuspitzen. Deshalb wird ein sparsamer Umgang mit Blutkonserven immer wichtiger.

Zum Weltblutspendetag am Dienstag (14.06.2016) machen viele Blutspendedienste auf den Mangel an Blutkonserven aufmerksam. Die Spendedienste kämpfen mit dem Problem der alternden Gesellschaft: "Im Moment spenden drei Prozent der Bevölkerung in Deutschland Blut", sagt Kerstin Schweiger, Sprecherin des des DRK-Blutspendedienstes. "Es dürften aber aufgrund der gesetzlichen Zulassung zur Blutspende 33 Prozent der Bevölkerung spenden."

Immer weniger Blutspender

"Wir haben das dritte Jahr in Folge einen Rückgang bei den Vollblutentnahmen", sagt Hartmut Hillmann, Leiter des Blutspendedienstes an der Uniklinik Münster. Das liege auch daran, dass die Kriterien zur Blutspende immer strenger werden. "Der Spender selbst darf nicht gefährdet werden und es darf auch keine Gefahr von ihm ausgehen", erklärt Hillmann. Rund 18.000 Vollblutspenden, bei denen jeweils 500 ml Blut entnommen werden, werden pro Jahr in der Uniklinik Münster geleistet. Der Verbrauch an der Klinik ist mit 22.000 bis 24.000 Blutkonserven aber höher, so dass ein Zukauf von Konserven über andere Blutspendedienste erforderlich ist.

Das sogenannte Patient Blood Management (PBM) ist daher eine Maßnahme, um auf die schwindenden Blutkonserven zu reagieren. Dieses "Blut-Management-Programm" wurde 2013 als Projekt an vier deutschen Unikliniken eingeführt, darunter auch an den Unikliniken Bonn und Münster. "Das Programm soll mit modernsten Methoden die wertvolle Ressource Blut schützen und auch einen sorgsamen Umgang mit Blutkonserven gewährleisten", sagt Andrea Steinbicker, Oberärztin und Leiterin des Patient Blood Managements an der Uniklinik Münster. Ziel sei es, patienteneigene Blutressourcen bestmöglich aufzubauen, zu schonen und auszuschöpfen.

Patient Blood Management als Lösung?

Konkret könne vor einer geplanten Operation abgeklärt werden, ob der Patient unter einer Blutarmut leide. "Das lässt sich dann therapieren, in dem man dem Patienten Eisen verabreicht, welches für die Blutbildung wichtig ist", erklärt Steinbicker. Während der OP sollte der Patient möglichst eine normale Körpertemperatur und ausreichend Calcium im Blut haben, was auch ein wichtiger Faktor für die Blutgerinnung sei. "Wenn die Gerinnung funktioniert, blutet es insgesamt weniger", sagt die Ärztin. "Während der OP wird außerdem das Blut des Patienten gesammelt und ihm dann zurückgegeben." Durch diese Maßnahmen konnte an der Uniklinik Münster der Bedarf von täglich 150 Blutkonserven im Jahr 2013 auf heute etwa 60 pro Tag reduziert werden.

Im Grenzfall gebe es aber keine Alternative zur Gabe von Blutkonserven, sagt Andrea Steinbicker. Da die Hälfte dieser Konserven schon jetzt an Menschen über 70 Jahre gehe, werde sich das aufgrund der alternden Gesellschaft in den kommenden Jahren stark verändern. Hinzu kommt, dass es immer weniger Blutspenden geben wird. "Blutspenden sind nur bis zum Alter von 68 Jahren erlaubt", erklärt Steinbicker. "In den nächsten 20 Jahren werden wir über die Hälfte der Bevölkerung im Rentenalter haben." Daraus werde sich automatisch ein Mangel an Blutkonserven ergeben, weil immer weniger Menschen überhaupt spenden dürften.

Forschung mit künstlichen Blutprodukten

Was hat das für Konsequenzen? "Für Patienten mit seltenen Blutgruppen oder Antikörpern in ihrem Blut haben wir jetzt schon gelegentlich Schwierigkeiten, Blutkonserven zu finden", sagt Steinbicker. "Auch heute müssen wir daher in Ausnahmefällen geplante Operationen verschieben, weil wir für diese Patienten keine Blutkonserven haben." Das werde in Zukunft weiter zunehmen. "Ein Fünftel aller Blutkonserven geht heute an Krebspatienten, die sie über die wochenlange Behandlung benötigen", sagt Kerstin Schweiger vom DRK. "Bei solchen Erkrankungen gibt es keinen Ersatz für die Blutpräparate, besonders wenn man die kurze Haltbarkeit der Blutkonserven betrachtet." Diese sind nur 35 bis 40 Tage haltbar.

"Die Forschung wird weiter an der Entwicklung künstlicher Blutprodukte arbeiten", sagt Steinbicker. "Diese künstlichen Stoffe können bereits Sauerstoff tragen, sind aber auch beliebt bei Bakterien und Viren und sorgen so auch für Entzündungen im Körper." Deswegen könne man diese Stoffe momentan noch nicht einsetzen. Irgendwann könnten sie aber eine weitere Alternative sein, um eine Lösung für das Problem der seltenen Ressource Blut zu finden.

Stand: 14.06.2016, 06:00