Teil 2: Vorzeitige Todesfälle durch schlechte Luft – Warum die Zahlen Unsinn sind

Verschiedene Medien berichten über vorzeitige Todesfälle durch dreckige Luft

Teil 2: Vorzeitige Todesfälle durch schlechte Luft – Warum die Zahlen Unsinn sind

Von Axel Bach

  • Die Belastung der Luft mit Stickoxiden soll in Deutschland für 13.000 vorzeitige Todesfälle im Jahr 2014 verantwortlich gewesen sein.
  • Die Formel, die zur Berechnung dieser Anzahl der vorzeitigen Todesfälle verwendet wird, ist jedoch falsch.
  • Stattdessen sollten die Wissenschaftler die Anzahl der verlorenen Lebensjahre berechnen.

13.000 vorzeitige Todesfälle und 133.000 verlorene Lebensjahre

Dabei gibt es in der Wissenschaft eine anerkannte Größe, um die gesundheitlichen Auswirkungen der Luftverschmutzung sinnvoll darzustellen. Sie wird auch in dem besagten Bericht der Europäischen Umweltagentur aufgeführt – allerdings erst an zweiter Stelle: Es geht um "verlorene Lebensjahre". Das waren in Deutschland für das Jahr 2014 allein aufgrund der Stickoxid-Belastung 133.000 Jahre. In dem Bericht zur Luftqualität stehen also zwei Zahlen nebeneinander: "13.000 vorzeitige Todesfälle" und zwei Seiten später "133.000 verlorene Lebensjahre". Beide Zahlen sind auf den ersten Blick erschreckend hoch.

Die Menschen in Deutschland sind 120.000 Kilometer groß

Die Anzahl der "vorzeitigen Todesfälle" können wir außer Acht lassen, da ihre Berechnung grundsätzlich falsch ist. Doch was lässt sich mit der Anzahl der "verlorenen Lebensjahre" anfangen? Peter Morfeld erklärt es sehr anschaulich – nämlich nichts: "Es würde doch auch niemand sagen, die Deutschen sind 120.000 Kilometer groß – also alle Menschen aufeinandergetürmt –, sondern man würde den Durchschnitt berechnen. Und das sind dann beispielsweise bei Erwachsenen 1,71 Meter."

Peter Morfeld schlägt vor, das auch mit den verlorenen Lebensjahren zu tun, da der aufaddierte Wert von 133.000 Lebensjahren alleine wenig aussagekräftig ist. Berechnet man den Durchschnittswert, kommt man in Deutschland auf 14,5 Stunden verlorener Lebenszeit pro Person im Jahr 2014.

Sechseinhalb Monate verlorene Lebenszeit

Rechnet man die verlorenen Lebensjahre aufgrund von Feinstaub und Ozon hinzu, erhöht sich der Wert auf immerhin 3,8 Tage. Für einen 30-Jährigen, der statistisch noch 51 Jahre lebt, bedeutet der Wert von 3,8 Tagen knapp sechseinhalb Monate verlorene Lebenszeit, wenn sich die Luftqualität nicht verbessert.

Fazit

Wenn man bedenkt, dass unsere Lebenserwartung trotz der Umweltbelastungen nach wie vor rasant ansteigt, erscheinen diese Zahlen durchaus in einem anderen Licht. Für eine ideologische Diskussion zur Luftreinhaltung lassen sie sich dann allerdings nicht mehr so gut nutzen. Die wahren Lebenszeitkiller bleiben also Rauchen, Bewegungsmangel, Übergewicht und übermäßiger Alkoholgenuss.

Gesundheitsschäden durch Luftverschmutzung falsch berechnet WDR 5 Leonardo Top Themen 27.02.2018 06:57 Min. Verfügbar bis 26.02.2023 WDR 5

Dreckige Luft soll in Deutschland 13.000 vorzeitige Todesfälle verursachen. Die Berechnung, die dazu verwendet wird, ist falsch. Wissenschaftler sollten eher verlorene Lebensjahre berechnen. - AutorIn: Axel Bach


Hinweis:

Peter Morfeld war bis Anfang 2016 eines der Mitglieder im wissenschaftlichen Beirat der Europäischen Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor (EUGT), einer Institution der deutschen Automobilindustrie. Das genügt anderen, um seine Argumente infrage zu stellen. Man merkt hier, wie ideologisch die Debatte mittlerweile aufgeladen ist. Wir halten uns da lieber an die mathematischen Fakten.

Stand: 27.02.2018, 16:00