"Ertrinken ist ein stiller Vorgang"

Ein Rettungsreifen am Sorpesee

"Ertrinken ist ein stiller Vorgang"

Von Katja Goebel

  • Mit dem Sommerwetter steigt die Zahl der Badeunfälle
  • Strömungen und Temperaturunterschiede sind gefährlich
  • Auch gute Schwimmer geraten schnell in Gefahr

Die meisten tödlichen Unfälle ereignen sich laut der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) an unbewachten Seen und Flüssen. "Die Leute überschätzen sich und unterschätzen das Gewässer", sagt Michael Grohe vom DLRG in NRW.

Selbst Olympiaschwimmer chancenlos

So ist es in Flüssen vor allem die Kraft der Strömung, die Badende böse überraschen kann. Der Rhein beispielsweise fließt mit einer Strömungsgeschwindigkeit von acht bis zwölf Stundenkilometern. Selbst ein gut trainierter Olympiaschwimmer habe keine Chance, dagegen anzuschwimmen, sagt Grohe.

Ein Mann schwimmt im Rhein in der Nähe eines Schiffes

Lebensgefährlich: Schwimmen bei Schiffsverkehr

Da sich die Strömungen oft in Bodennähe befinden, kann man sie oft von oben gar nicht erkennen. Zudem können Schiffe für enormen Sog und Wellengang sorgen. Laut Verbraucherschutzministerium in NRW ist das Schwimmen im Rhein und in Kanälen lebensgefährlich.

Kreislauf im Schockzustand

In Seen sind vor allem die Temperaturunterschiede des Wassers gefährlich. Die Wasseroberfläche ist warm, aber beim Sprung in tiefere Lagen kann das Wasser erheblich kälter sein. Das ist mitunter so heftig für den Körper, dass er in eine Art Schockstarre verfällt, die bis zur Bewusstlosigkeit führen kann.

"Beim Sprung ins Wasser muss der Druck, den das Wasser auf den Körper ausübt, irgendwo hin", erklärt Stephan Beuerlein, Arzt der Rotkreuzgemeinschaft Wasserwacht in der Städteregion Aachen. Das Herz müsse im Wasser grundsätzlich stärker arbeiten.

Kopfsprung in einen Badesee

Leichtsinnig: Kopfsprung in einen Badesee

Ist das Wasser auch noch kalt, ziehen sich die Gefäße zusammmen. "Dadurch steigt die Atemfrequenz. Die Folge: Der Körper kann noch weniger Leistung abrufen". Dann sinke die Körpertemperatur, Herz und Lunge kühlen ab, er kann zu Herz-Rhythmus-Störungen kommen.

Nicht mit vollem Bauch schwimmen

Zum Kreislaufzusammenbruch kann auch schon ein voller Bauch führen. Der Körper ist mit Verdauung beschäftigt, die Energiereserven, die für die Muskelarbeit gebraucht werden, sind reduziert. "Zum Schwimmen ist der Körper dann einfach im falschen Modus", so der Mediziner.

Lautloser Tod

Mitarbeiter des DLRG - Deutsche Lebensrettungsgesellschaft

DLRG: Ertrinken hat mit körperlicher Erschöpfung zu tun

Menschen, die Zeugen eines Schwimmunfalls geworden sind, berichten oft, dass derjenige plötzlich untergegangen sei, ohne zu schreien oder zu winken. "Ertrinken ist ein stiller Vorgang", erklärt Michael Grohe. In den seltensten Fällen sei es wie im Film, wo Ertrinkende noch um sich schlagen oder laut um Hilfe rufen. "Ertrinken hat etwas mit körperlicher Erschöpfung zu tun. Man hat keine Kraft mehr, ist bewegungsunfähig." Schwimmt jemand also mit unkontrollierten Bewegungen, sollte das immer ein erstes Alarmsignal für Erschöpfung sein.

Stand: 25.07.2016, 06:00